Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

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„Bigfoot“-Nachteinsatz: Der schwere Spezial-Lastwagen verteilt den Schnee auf der Blomberg-Rodelbahn.

Blombergbahn 

PS-Ungetüm ebnet Rodlern den Weg

Wackersberg – Wenn auch der letzte Rodelfahrer den Blomberg verlassen hat, kommt „Bigfoot“. Gemeint ist aber nicht das sagenumwobene Wesen mit den überdimensionalen Füßen, sondern ein speziell umgebauter Lkw mit riesigen Reifen. Er dient nur einem Zweck: die perfekte Rodelbahn zu kreieren. Eine Fahrt in dem Wackersberger Unikat.

So schwer „Bigfoot“ mit seinen 26 Tonnen auch ist, so sanft gleitet der Lkw die Rodelbahn am Blomberg hinauf. Auch größere Schneehaufen oder steile, stark vereiste Streckenabschnitte meistert der Drei-Achser dank seiner speziellen Forstbereifung und den dicken Schneeketten mühelos. Den sechs Mega-Reifen – einer ist 1,20 Meter hoch und 70 Zentimeter breit – ist es zu verdanken, dass die Fahrt in dem 480-PS-Ungetüm äußerst komfortabel ist. Und natürlich den Fahrkünsten von Thomas März jun., der den speziell umgebauten Lkw gerade umsichtig unter die Holzrampe an der Talstation des Blombergs manövriert.

Arbeit im Scheinwerferlicht: Hannes Zintel im Führerstand der Pistenraupe.

Sobald „Bigfoot“ in Position ist, gibt Hannes Zintel Gas. Der Bergbahn-Chef sitzt in einer Pistenraupe und schiebt mit der Maschine den Kunstschnee über die Rampe auf die Ladefläche des Lkw. „Das wird eine lange und kalte Nacht“, sagt Zintel. Bis morgens um 3.30 Uhr werden er und sein Team brauchen, um den Kunstschnee auf der Abfahrt zu verteilen und anschließend so zu präparieren, dass die Piste der hohen Abnutzung durch die Kufen möglichst lange standhält, auch wenn die Temperaturen wieder steigen sollten.

„Anders als beim Skifahren fahren beim Rodeln alle mehr oder weniger auf der gleichen Linie, was für den Schnee eine enorme Belastung darstellt“, erklärt Zintel. Vor allem, wenn er so trocken ist wie die Flocken, die in den vergangenen Tagen vom Himmel gefallen sind. Für die perfekte Rodelbahn braucht man aber einen relativ feuchten Schnee. Den können die Kanonen auch ohne Probleme herstellen. Aber wie verteilt man ihn auf den 7700 Quadratmetern, ohne nächtelang unterwegs zu sein?

Diese Frage stellten sich vor acht Jahren auch Zintel und sein Spezl, der Wackersberger Landwirt Thomas März sen. Zunächst versuchten die beiden, den Kunstschnee mit einem normalen Miststreuer auszubringen, wie ihn die Bauern benutzen, um den Mist auf dem Feld zu verteilen. Die Kombination aus Traktor und Anhänger erwies sich allerdings als völlig ungeeignet. „Da haben wir zu tüfteln angefangen“, erzählt März und lacht. Streuer und Schlepper wurden im Laufe der Zeit immer größer, was die Probleme jedoch nicht löste. Vor vier Jahren versuchten es die beiden mit einem zweiachsigen Lkw. Doch erst „Bigfoot“, den März eigenhändig zu einem echten Wackersberger Unikat umgebaut hat, brachte den gewünschten Erfolg.

Ladevorgang: Die Schneeraupe schiebt den Kunstschnee über eine Holzrampe auf die Lkw-Ladefläche.

Was den etwa 200 000 Euro teuren Lkw so besonders macht, ist der Miststreuer, der nicht mehr als Anhänger hinterhergezogen wird, sondern von dem Schlossermeister am Ende der Ladefläche fix montiert worden ist. Soll der Kunstschnee ausgebracht werden, wird er von einer Art Förderband („Kratzboden“) ganz langsam in Richtung Fräse gebracht, die den Schnee zerkleinert. Wie ein Wasserfall fällt die weiße Pracht dann auf den Boden.

Was theoretisch kompliziert klingt, ist in der Praxis ganz einfach: März junior drückt in der Fahrerkabine von „Bigfoot“ lediglich auf einen Knopf, um den eben beschriebenen Prozess zu starten. Im Lkw bekommt man nichts davon mit. Der Drei-Achser fährt weiter ganz gemächlich mit drei Stundenkilometern den Rodelweg hinauf, während die rotierende Warnleuchte den tief verschneiten Wald ringsum in regelmäßigen Abständen statt in das kalte Mondlicht in ein warmes Orange taucht.

Trotz der eisigen Temperaturen – das Thermometer zeigt minus sieben Grad – und der Aussicht auf eine lange Nacht ist Thomas März jun. gut gelaunt. „Ich freue mich darauf, wenn am Samstag zum ersten Mal das Nachtrodeln stattfinden wird“, sagt der 24-Jährige, während er völlig entspannt den riesigen Lkw die Tölzer Kurve hinauflenkt, als stellten der enge, tiefverschneite Weg und der steile Anstieg keine Probleme dar. Ein Stück weiter oben befindet sich die Mittelstation, wo Zintel ein zweites Kunstschnee-Depot angelegt hat.

Zirka 25-mal muss „Bigfoot“ fahren, damit alles abgetragen und verteilt ist. Dann wird der Kunstschnee mit einer Pistenraupe grob platt gedrückt. Die Feinarbeit übernimmt anschließend ein Traktor, an den eine Art Hobel angehängt ist, der den Untergrund absolut eben macht. „Den haben wir in Kanada gekauft“, erklärt Zintel. In einem letzten Schritt wird die Rodelbahn schließlich mit einer Art Rüttelplatte so verdichtet, dass die Rodler ein paar Stunden später optimale Bedingungen vorfinden werden. „Das ist schon ein Wahnsinns-Aufwand“, gibt Zintel zu. Doch man schafft es eben nicht umsonst unter die Top-Ten der besten Winter-Rodelbahnen im Alpenraum. „Dafür lohnen sich die Strapazen.“

Nachtrodeln

am Blomberg am Samstag von 19 bis 22 Uhr.

Silke Scheder

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