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Beim Start der Renaturierung (v. li.): Hauptflussmeister Hans Huber aus Benediktbeuern (als Vertretung seines Lenggrieser Kollegen Helmut Henkel), WWA-Abteilungsleiterin Dora Schulze und Werner Hartl vom Flussbauamt. Dieses Teilstück des jetzigen Uferwegs entlang der Isar wird aufgelöst und durch eine neue Trasse ersetzt.

Renaturierung an der Bibermühle

„Wir befreien die Isar von ihren Fesseln“

Nach zwei Jahren Vorbereitung geht‘s los: Die Renaturierung der Isar an der Bibermühle in Wackersberg. Hier soll der Fluss bald wieder wild sein dürfen.

Wackersberg   Die Arbeiten sollen vier bis fünf Wochen dauern und kosten etwa 280.000 Euro. Ziel ist laut Dora Schulze vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim, „eine kleine Schwester der Pupplinger Au“ zu erschaffen.

Die Renaturierung der Isar ist keine ganz neue Idee. Schon vor 30 Jahren sei das Isarufer im Bereich Dietramszell-Unterleiten erneuert worden, sagt Schulze. „Damals hat man gesagt: Coole Idee. Das machen wir. Und dann wurde es gemacht.“ Dieses Mal lief es ganz anders. Die Verantwortlichen dachten sich wieder: „Coole Idee. Dass machen wir.“ Nach diesem Gedanken begannen aber nicht die Arbeiten – es startete ein Behörden-Marathon.

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Das Problem: Die alte Wegtrasse am Ufer wird es nicht mehr geben. Um die eigentliche Renaturierung umsetzen zu können, muss der Rad- und Wanderweg von Bad Tölz nach Lenggries verlegt werden. Der neue Weg führt aber durch ein FFH-Gebiet, was die Genehmigung schwieriger macht. Ursprünglich sollte der neue Uferweg direkt neben dem alten verlaufen. Doch dagegen legte die Naturschutzbehörde ihr Veto ein. Sie befürchtete, dass durch den Umbau seltene Orchideen-Arten wie das Wanzen-Knabenkraut zerstört werden. Also plante das Wasserwirtschaftsamt den neuen Weg etwas weiter entfernt vom Ufer. Doch dagegen hatte das Forstamt Einwände, weil die Trasse durch ein Waldstück geführt hätte: „Sie haben gesagt, dass Wald auf gar keinen Fall gerodet werden kann. Höchstens Einzelbäume können umgeschnitten werden.“

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Also begann die Planung von Neuem. Variante drei sieht vor, dass der Wanderweg ein paar hundert Meter vom Ufer entfernt um das FFH-Gebiet herumführt. Mit diesem Vorschlag war die Gemeinde Wackersberg nicht glücklich. Die Begründung: Man könne nicht mehr von einem Uferweg sprechen, wenn die Isar nicht einmal mehr mit dem Fernglas zu sehen ist. „Das Verfahren hat sich hingezogen“, sagt Schulze. Letztlich setzten sich die Naturschützer durch, Variante drei erhielt den Zuschlag.

Schulze ist froh, dass die Arbeiten nun endlich beginnen: „Der Weg dorthin war schwer und lang.“ Freimütig gibt sie zu: „Wir haben die Probleme unterschätzt und sind total blauäugig rangegangen.“ Schon allein die Besitzverhältnisse sind interessant: Die Fläche liegt auf Wackersberger Grund, gehört aber dem Staat. Für die Pflege ist die Stadt Tölz zuständig.

Profitieren sollen die Tiere

Profitieren soll von dem Umbau vor allem eine Tierart: „Der Bereich soll zu einem Magneten für Fische werden“, wünscht sich Schulze. „Wir befreien die Isar von ihren Fesseln.“ Zunächst werden die Bäume am Ufer entfernt. Dann geht es der alten Uferverbauung an den Kragen. Die Betonplatten werden mit einem Mörser zertrümmert und ins Wasser geworfen. Die mit Schotter gefüllten Wasserbauelemente aus Draht werden aufgeschnitten und ausgeleert. „Sie werden wie ein Kopfkissen ausgeschüttelt“, erläutert Schulze. Die Isar soll sich nach und nach das Material vom Prallufer holen. „Das wird viele Jahre dauern. Je nachdem, wie stark die Hochwasser sind.“ Im Laufe der Zeit sollen Becken, Rampen und Unterstände entstehen. Fische wie der Huchen sind auf solch einen vielfältigen Lebensraum angewiesen. So brauchen Jungfische seichte, wärmere und mit Totholz geschützte Bereiche. Erwachsene Exemplare benötigen zum Laichen Kiesbänke, die mit Wasser dünn benetzt sind, ansonsten bevorzugen sie tiefe Gumpen.

Was den Arbeitern momentan vor allem Sorge bereitet, sind Fußgänger und Radfahrer, die die Absperrungen missachten. Angesichts der Baumfällarbeiten in diesem Bereich ein lebensgefährlicher Leichtsinn.

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