+

Isar-Renaturierung

Wie man sich bettet, so fließt man

Wackersberg - Um den natürlichen Lebensraum für die Fische in der Isar wieder herzustellen, plant das Wasserwirtschaftsamt eine umfangreiche Maßnahme auf Höhe Bibermühle. Ein Großteil der Wackersberger Räte steht der Renaturierung skeptisch gegenüber.

Fische haben in der Isar kaum Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Der Fluß bewegt sich durch ein enges Korsett, bietet kaum kleine Nischen, in denen die Tiere etwa ihre Eier legen können. Das soll sich nach Wunsch des Wasserwirtschaftsamts (WWA) bald ändern. Auf Höhe des Wackersberger Ortsteils Bibermühle plant die Behörde eine umfangreiche Renaturierungsmaßnahme.

Auf einer Länge von etwa 650 Metern auf der Wackersberger Seite und 150 Metern auf der Gaißacher Seite soll der Uferverbau entfernt werden. Der Fluss erhält so die Möglichkeit, sich zu verbreitern und die Ufer selbst zu gestalten. „Wir wollen die Isar in einen naturnahen Zustand zurückentwickeln“, erklärt Dora Schulze vom WWA. Für die Maßnahmen müsste auch der Isar-Radweg um ein Stück verlegt werden. Die Kosten für die Renaturierung trägt der Freistaat Bayern.

Lebensraum der Fische, schön und gut, aber was ist mit dem Schutz des Menschen, wollten die Wackersberger Räte in ihrer Sitzung am Dienstagabend wissen. Einige befürchten, dass es Probleme mit dem Hochwasserschutz geben könnte. „Es gab bereits heftige Diskussionen mit den Anwohnern in Knapp und Bocksleiten“, erklärte Bürgermeister Alois Bauer. Sie fürchten, dass sie mitten im Überschwemmungsgebiet liegen, sollte die Isar aus ihrem Bett ausbrechen. „Nicht ganz unbegründete Bedenken“, meinte Bauer. „Beim Hochwasser 2005 war das Wasser schon fast auf der Höhe der beiden Ortsteile.“ Daher bestand die Gemeinde auf einer Sicherungslinie. Entlang dieser müssten Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, sollte die Isar aus ihrem Bett ausbrechen. Besser wäre es aber, schon früher in Aktion zu treten, so Bauer. Zeitnah sollten die betroffenen Anwesen geschützt werden.

Mit 9:6 Stimmen sprachen sich die Räte schließlich gegen die Maßnahme aus. Bauer, der dafür stimmte, erklärt auf Nachfrage noch einmal die kontroverse Diskussion: „Wir wollen, dass klar ist, dass die Renaturierung für die Isar gut ist, aber dadurch auch Gefahrenpunkte entstehen.“ Die Renaturierung an sich könne die Gemeinde nicht verhindern. „Aber wir möchten, dass man sich Gedanken macht, wie man die betroffenen Anwesen schützen kann.“ Daher wurde dies im Beschluss formuliert.

Dora Schulze vom Wasserwirtschaftsamt zeigt sich überrascht über die ablehnende Haltung der Gemeinde. „Eigentlich war alles bereits abgestimmt. Die Sicherungslinie wurde eigens nachgerüstet.“ Man befinde sich im Planfeststellungsverfahren. Nun finde die Anhörung vom Landratsamt statt.

Sie versichert: „In Sachen Hochwasserschutz verändert sich nichts.“ Das Überschwemmungsgebiet bleibe das gleiche. „Die Isar führt wegen der Renaturierung ja nicht mehr Wasser.“ Vielmehr wird durch die erwartete leichte Verbreiterung der Isar einer weiteren Eintiefung des Flusses entgegengewirkt, was wiederum den Geschiebehaushalt stabilisiere.

„Es ist interessant, dass dieses Verfahren so schwierig ist“, sagt Schulze. „Es ist ja nicht so, dass der Staat mit der Dampfwalze durchgehen kann. Wir brauchen auch erst eine wasserrechtliche Erlaubnis. Wenn wir die nicht bekommen, können wir die Maßnahme nicht umsetzen. Dann müssen die Fische eben schauen, wo sie bleiben.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Ein Batzen Geld“ für Strafzinsen
Jeder redet über Strafzinsen, die Kommunen zahlen sie längst. Es sind teils fünfstellige Beträge, die die Städte und Gemeinden im Landkreis für sparsames Haushalten zu …
„Ein Batzen Geld“ für Strafzinsen
Schönheit ist Ansichtssache
Der Kunstverein Tölzer Land eröffnet am Samstag seine neue Ausstellung „Schönheitsfehler“ im Kunstsalon an der Marktstraße. Beginn ist um 19 Uhr. 
Schönheit ist Ansichtssache
Musik- und Literaturfestival „Moosbrand“ in Bad Heilbrunn
Musik- und Literaturfestival „Moosbrand“ in Bad Heilbrunn
Galerie „Die Tenne“ in Wackersberg feiert 30-jähriges Bestehen
Galerie „Die Tenne“ in Wackersberg feiert 30-jähriges Bestehen

Kommentare