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Erinnerungsbild: Die Teilnehmer des mittelalterlichen Ritterkampfs in Arzbach.

“Buhurt“ vor der Arzbacher Turnhalle

Ritterkampf mit Rüstung: Helmuts Geburtstagsprügelei

Sie prügeln sich und sie vertragen sich wieder. Beim mittelalterlichen Ritterkampf geht es zur Sache. Davon überzeugten sich die Zuschauer beim Buhurt in Arzbach.

Arzbach „Ihr g’hörts zamm! Ihr g’hörts zamm, alle“, brüllt ein stahlgewandeter Mann. Gelächter schallt über den asphaltierten Platz vor der Arzbacher Turnhalle. Die Kämpfer stoppen den Buhurt, lassen Schwerter und Langäxte sinken. Unter den kiloschweren Stahlhelmen verliert so mancher Ritter auch mal die Orientierung, und flugs wird ein Mitglied der eigenen Mannschaft niedergerungen.

„Zurück auf Anfang“, hallt es in der schneidend kalten Januarluft. Zurück auf Anfang also: Buhurt ist eine Kampfsportart im mittelalterlichen Gewand, genauer gesagt ein „gerüsteter Vollkontaktkampf“ in Gruppen von mindestens drei zu drei Personen. Das Wort Buhurt stammt wohl aus dem Englischen, von „to hurt“, und bedeutet „stechen“ oder „stoßen“. Aus der mittelalterlichen Kampfdisziplin entwickelte sich in der Mittelalterszene, also unter Schaustellern auf Mittelaltermärkten, eine Art Trendsportart (wir berichteten).

Auch im Isarwinkel gibt es einige dieser „Verrückten“, so bezeichnet sie Johannes Schöttl gerne. Der Lenggrieser Schöttl sowie der Arzbacher Florian Gerg und der Wegscheider Helmut Hanus begeistern sich für den Sport. Am Samstag veranstaltete Hanus einen Buhurt in Arzbach auf dem Vorplatz der Turnhalle. Genauer gesagt: „Eine Geburtstagsprügelei“, so Hanus, der einige Tage zuvor seinen Ehrentag gefeiert hatte, „nach Vorbild der Innsbrucker.“ Hanus ist Mitglied im Innsbrucker Verein für gerüsteten Vollkontaktkampf „Rote Adler Tirol“. Ein Vereinsmitglied veranstaltete bereits einen privaten Buhurt zu seinem Geburtstag. „Ich dachte, warum machen wir so etwas nicht mal bei uns“, sagt Hanus in einer Kampfpause. „Mit noch anderen Leuten. Außer aus Innsbruck und von hier sind beispielsweise auch welche aus Miesbach und München dabei.“

Einen eigenen Verein für den Isarwinkel will Hanus nicht gründen, „aber eine Art Ableger vom Innsbrucker Verein“ soll hier entstehen.

Auf dem Asphalt treten derweil Kämpfer aus dem „Sword Gym“, die ein blau-weißes Münchner Wappen tragen, die schwarzgewandeten Innsbrucker „Rote Adler Tirol“ und einige Freilassinger „Schweinenacken“ gegeneinander an. Die Kämpfe dauern meist nur wenige Minuten. Zwei Gruppen stellen sich gegenüber auf und laufen langsam aufeinander zu. Dann geht’s richtig ab: Hundert-Kilo-Männer fliegen durch die Luft, schlittern über den Asphalt, purzeln übereinander und verkeilen sich ineinander. Schilde werden gegen Köpfe gezimmert, mit Getöse und Gepolter krachen Rüstungen in Schwerter und die stahlgeschützen Körper auf den harten Straßenbelag. Wer mit mindestens drei Punkten seines Körpers den Boden berührt, ist geschlagen. Die Mannschaft, bei der am Ende noch Mitglieder stehen, gewinnt die Runde. Das Aufschlagen am Boden tut laut Schöttl aber noch am wenigsten weh. Gerg sagt: „Auf Asphalt schlittert man schön. Auf der Wiese fallen, ist aber schon am angenehmsten. Ganz schlimm ist Sand, der ist dann nach dem Kampf überall in der Rüstung. Und wenn es regnet, fühlt man sich darin wie im Watt.“

Bei seinem allerersten Kampf holte sich Gerg gleich eine Gehirnerschütterung. „Da bin ich voll in einen Schlag reingelaufen. Aber jedes Mal, wenn’s weh tut, lernt man was dazu“, sagt Gerg. Schöttl ergänzt: „Blaue Flecken bekommt man immer.“

Florian Hohenadl aus dem Landkreis Traunstein kämpft heute auch. „Es gibt nichts Besseres als dazustehen, das Visier zuzuklappen, und dann fährt das Adrenalin ein“, sagt Hohenadl. Auch die Buhurt-Atmosphäre genießt der 31-Jährige. „Erst prügelst du dich mit den anderen im Dreck, und danach setzt du dich mit allen zusammen und trinkst ein Bier.“

Nora Linnerud

Buhurt in Arzbach: Gut gerüstet auf in den Kampf

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