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Daniela Seeger und Franz: Die Wackersbergerin hat den Rehbock seit Juni 2016 aufgezogen. Derzeit wildert sie das Jungtier aus. Am ersten Tag in freier Wildbahn wäre es beinahe einem freilaufenden Hund zum Opfer gefallen.

Freilaufende Hunde als Gefahr

Schilder sollen Rehe retten

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Hunde gehören in Wackersberg an die Leine – aber keiner hält sich daran, findet Daniela Seeger. Weil sie Angst hat, dass Rehe totgebissen werden, stellt sie jetzt Schilder im Dorf auf.

Wackersberg – Franz verbringt die ersten Monate seines Lebens im Schlafzimmer. Sein Laufstall steht neben dem Bett von Daniela Seeger. Franz ist ein Rehbock.

Seeger, zweifache Mutter aus Wackersberg, bietet verletzten Wild- und ausgesetzten Haustieren ein Zuhause. Ihr verdankt auch Franz sein Leben. Im Juni 2016 retteten Passanten Franz aus den Fluten des Inns bei Simbach – das Rehkitz war da gerade drei Tage alt. Ein Dreivierteljahr später wilderte Seeger den jungen Bock langsam aus, zeigte ihm seinen neuen Lebensraum und musste ihn prompt selbst retten – vor einem freilaufenden Hund. „Franz hätte nicht einmal 24 Stunden draußen überlebt.“

Auch wegen dieses Schlüsselerlebnisses gibt es nun neue Schilder in Wackersberg. Sie wirken wie die verfaulten Zähne und schwarzen Lungen auf der Zigarettenschachtel: abschreckend. Zwei junge Rehböcke liegen im Gras – totgebissen von freilaufenden Hunden. „Wollen Sie, dass unsere Rehe so enden?“, steht unten auf dem Schild. Oben fordert Seeger: „Hunde bitte an die Leine.“

Die Wackersbergerin hat die Fotos von einem Tölzer Jäger bekommen. Der hat die beiden toten Tiere in seinem Revier gefunden – innerhalb von zwei Wochen. Seeger stellt die Schilder mit den verwundeten Rehen derzeit im Dorf auf – am Waldrand, wo die Wildtiere besonders bedroht sind, aber auch neben dem „Altwirt“, wo jeder mal vorbeikommt. „Es gibt hier eine Anleinpflicht, aber keiner hält sich daran. Manche Leute nehmen überhaupt keine Rücksicht“, sagt Seeger.

Verbitterte Worte einer Hundehasserin? Von wegen: Seeger hat selbst einen Hund. Sie kennt das, wenn ihr weißer Kanaan im Unterholz stöbern will. „Die freie Wiese verführt dazu, Hunde laufen zu lassen“, gibt Seeger zu. „Aber sie hetzen und reißen kleine Rehe.“ Feldhasen, Dachse, aber auch Kleinkinder sieht sie ebenfalls in Gefahr. Bis zu zwölf Schilder möchte sie montieren. Auf die bereits bestehenden – wie am Lehrbienenstand – habe sie nur positive Resonanz erhalten. Landwirte helfen beim Aufstellen, Bürgermeister Alois Bauer unterstützt die Aktion. Wenn die 38-Jährige Hundehalter auf der Straße anspricht, erhält sie aber andere Reaktionen: „Da kommen schon mal Beleidigungen unter der Gürtellinie.“

Dabei möchte Seeger ihre Mitbürger nur zum Nachdenken bringen: Wer die seit 2014 geltende Anleinpflicht in Wackersberg ignoriert, wird zunächst verwarnt, kann dann aber ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro auferlegt bekommen. Neben Kampfhunden müssen alle Hunde ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern an die Leine. Außerdem dürfen Jäger wildernde Hunde und Katzen töten. So steht es im bayerischen Landesjagdgesetz.

So weit soll es nicht kommen, findet Seeger. Sie möchte kein „Quietschen“ mehr im Wald hören und dann feststellen müssen, dass ihr Franz in Gefahr ist. Derzeit ist der junge Rehbock über Nacht in freier Wildbahn, morgens kehrt er in den Garten der Seegers zurück, wo er in einem Kälberiglu Unterschlupf findet. Daniela Seeger hat Franz mit der Flasche aufgezogen. Nun zeigt sie ihm im Wald, welche Kräuter er fressen darf.

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