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Süße Luft zum Aufatmen? Immer höhere Nachfrage nach Bienenstockluft

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Von: Felicitas Bogner

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Xaver Willibald und Andrea Bichler sind überzeugt von der alternativen Methode
Xaver Willibald und Andrea Bichler sind überzeugt von der alternativen Methode: Durch einen beheizten Schlauch kann man die gefilterte warme Luft aus dem Bienenstock per Maske tief einatmen. Während der Anwendung kann man es sich auf einem Stuhl in dem Wagen an der Alpenbadstraße bequem machen. © arp

Bienenstockluft zu inhalieren soll gegen Atmenbeschwerden helfen. Die Nachfrage nach der alternativen Methode wächst. Xaver Willibald und Andrea Bichler bieten in Arzbach diese „Bienenwellness“ an.

Arzbach – Bienen machen nicht nur köstlichen Honig, sondern auch gute Luft. Diese zu inhalieren, soll gegen allerhand Lungenbeschwerden wie beispielsweise Asthma, Allergien oder COPD helfen. Angebote der süß-warmen Luft sind im Landkreis allerdings noch rar. Lediglich die Tölzer Heilpraktikerin Irmgard Anna Grillenberger bietet diese Form der Apitherapie laut den Angaben auf ihrer Webseite an. Überdies betreibt Xaver Willibald seit etwa 15 Jahren in Arzbach eine Apitherapie-Bioimkerei. Gemeinsam mit Andrea Bichler, der neuen Frau des Mannes seiner verstorbenen Tochter, offeriert er seit knapp einem Jahr „Bienenwellness“, also das Inhalieren von Bienenstockluft.

„Seit 40 Jahren arbeite ich als Bioimker. Erst hobbymäßig, dann im Nebenerwerb. Durch meine jahrzehntelange Erfahrung bin ich von der positiven Wirkung sämtlicher Produkte rund um Bienen absolut überzeugt“, sagt Willibald. Als Andrea Bichler vor ein paar Jahren in die Familie kam, schloss sie sich kurzerhand der Imkerei an. Während des Corona-Lockdowns hatte ihr Mann, Klaus Bichler, der den „Benediktenhof“ betreibt, mehr freie Zeit und setzte sein Know-How als gelernter Schreiner ein, um einen Bienenstockwagen zu bauen. Dieser steht heute in der Alpenbadstraße neben ihrem Landhaus. Hier befindet sich nur die Crème de la Crème von Willibalds Bienen. Sprich die gesündesten Völker verteilt auf sechs Stöcke. Diese sind nur nach Außen geöffnet

Geeignet sind nur die gesündesten Bienenvölker 

Zwar darf man auf das Einatmen von Bienenstockluft kein Heilversprechen geben, doch „das Interesse an der Anwendung wächst“, sind sich Willibald und Bichler einig. Nicht zuletzt durch Long Covid gibt es immer mehr Menschen, die auf der Suche nach einer alternativen Methode zur Verbesserung ihrer Atemkapazitäten sind. Während die Schulmedizin noch nach Therapiemöglichkeiten forscht, setzten derweil manche also auf die summenden Insekten. Von den Krankenkassen anerkannt ist die Behandlung allerdings nicht.

Die Bienenstockluft-Anwendung habe Bichler in den vergangenen Monaten vorrangig an Familie und Bekannten ausprobiert. „Ich wollte erst selber erfahren, wie die Methode wirkt, bevor ich es seit Kurzem Kunden anbiete“, berichtet die 48-Jährige. Den Erfolg macht sie an persönlichen Erfahrungen fest: „Mein Vater hat schwer unter Long Covid gelitten. Er ist nicht mal mehr die Treppe hochgekommen, ohne schwer nach Luft zu ächzen“, berichtet Bichler. Seitdem er sich der „Bienenwellness“ seiner Tochter hingegeben hat, sei es steil bergauf gegangen. „Ich war total beeindruckt, wie sehr das bei ihm gewirkt hat“, betont Bichler. Unabhängig ihrer eigenen Erfahrung merke sie, dass die positiven Effekte die Runde machen. „Viele Urlaubsgäste sind sehr interessiert, wenn sie hier erfahren, dass ich das anbiete.“ Die meisten Interessenten seien allerdings aus der Umgebung und würden unter Asthma leiden, stellt Bichler fest.

Die Bienenstock-Wagen steht in Arzbach neben dem Landhaus Benediktenhof.
Die Bienenstock-Wagen steht in Arzbach neben dem Landhaus Benediktenhof.  © arp

Ein angenehm süßlicher Geruch strömt einem entgegen, sobald man den Bienenwagen betritt. Es summt und rauscht. Gegenüber von den sechs Bienenstöcke stehen drei Stühle. „Hier kann es sich der Kunde für seine Bienen-Wellness-Sitzung bequem machen“, erklärt Bichler mit einer einladenden Handbewegung. Sie geht an einen Schrank und holt eine Atemmaske heraus. Dann stellt sie ein kastenförmiges Gerät auf einen Bienenstock. Dazwischen ist eine Art Ventilator. Durch Propeller wird die Luft aus dem Brutraum im Kasten angesaugt und mehrfach gefiltert, bevor sie in den Schlauch der Maske gelangt. Im Bienenstock herrschen 35 Grad. Durch die Wärme und die Ventilation, die die Bienen mit ihren Flügeln erzeugen, werden die Inhaltsstoffe an die Luft abgegeben. „Der Schlauch ist auf die gleiche Temperatur beheizt. „So kann die Luft nicht kondensieren“, erklärt der 80-Jährige. Alle ätherischen Stoffe und gesunden Bestandteile, die in der warmen Luft aus dem Stock enthalten sind, kommen also so gefiltert durch den Schlauch und eine Atemmaske direkt in der Lunge an.

Methode soll bei Asthma, COPD und Long Covid helfen

Das Einatmen dieser Luft könne bei Heuschnupfen oder anderen Allergien helfen, ebenso sei es möglich, dass es die Beschwerden von Erkrankungen wie Asthma oder COPD verbessere. Auch nach einer Rauchentwöhnung rät Bichler, die süße Luft zu schnuppern. Zwei mal täglich für je 30 Minuten wird empfohlen die Anwendung zu machen. „Nach 15 Minuten wechseln wir den Bienenstock“, erklärt Bichler. So könne man auch ausschließen, dass die Tiere in dem Stock zu viel Stress auf einmal bekommen. Je nach Grund der Anwendung soll man die Sitzungen sechs bis 14 Tage lang durchführen. Eine Sitzung gibt es bei Bichler ab 65 Euro. „Das kann aber variieren, je nach Grund und Länge der Behandlung“, ergänzt sie. „Für mich steht es im Vordergrund, den Menschen damit zu helfen.“

Anwendungen mit der Bienenstockluft können von zirka Mitte April bis Anfang September stattfinden. In diesen warmen Monaten bringen die Bienen neben Nektar und Honig auch allerlei wertvolle Stoffe in den Bienenstock herein. „Die Zeitspanne, in der wir das Inhalieren der Bienenstockluft anbieten können, richtet sich – wie vieles in der Natur – also nach dem Rhythmus der Bienen“, schließt Willibald.

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