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Sie laden zum Talent-Austausch ein: Katja Tschoepe (li.) und Grit Böttcher aus Wackersberg haben die Online-Plattform „Quagile“ gegründet.

„Quagile“ 

Talent-Austausch unter Rentnern

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„Rente rockt“: Das ist der Leitspruch von „Quagile“, einer Plattform für Rentner, die aktiv bleiben und Leute kennenlernen möchten. Ihr Ursprung: Wackersberg.

Wackersberg/Wien – Welche Plattformen gibt es für Rentner, fragten sich Grit Böttcher aus Wackersberg und ihre Bekannte Katja Tschoepe aus Wien. „Häufig sind da Gebrechen und Rollator herauszuhören“, sagt Tschoepe. „Aber Menschen, die gerade eben in Rente gegangen sind, sehen sich nicht so.“ Vor allem an diese richtet sich „Quagile“, eine Online-Börse, die die beiden Frauen gerade starten. Der Name leitet sich ab von „Qualität agil erleben“.

Die Idee kam Böttcher, einer gelernten Rechtsanwältin, als ihr ein Professor etwas erzählte: Er, kurz vor der Rente stehend, sei beim Heckenschneiden gewesen. „Plötzlich wurde er von etlichen Nachbarn angesprochen, ob er nicht auch ihre Hecke schneiden könne“, so Tschoepe, die für die Idee sofort „Feuer und Flamme“ war. „Das ist ein Zukunftsprojekt, das sich mit den Themen Sharing, Netzwerken und demografischer Wandel auseinandersetzt.“

„Quagile“ will Rentnern die Möglichkeit geben, ihre Talente anzubieten und gleichzeitig auch etwas zurückzubekommen. „Ob Spanischkurs oder Stadtführung, Hecke oder Haare schneiden, Kochen für Gäste oder Grundkurs Hausmannskost“, heißt es auf der Homepage: Man könne alles anbieten.

Auf „Quagile“ gibt es eine virtuelle Währung. „Grob gesagt läuft es so: Wenn ich eine Stunde meiner Zeit gebe, kann ich mir später eine Stunde Zeit nehmen.“ Der Austausch müsse aber nicht direkt erfolgen. „Wenn ich also für Heinz etwas tue, muss nicht Heinz für mich etwas tun. Dann kann auch Sabine etwas für mich tun“, nennt Tschoepe ein Beispiel. Grundsätzlich richtet sich das Angebot an Rentner, „aber wir schließen niemanden aus“, sagt Tschoepe. Um sich am Geben und Nehmen zu beteiligen, brauche man Zeit.

Zunächst wird mit einer Testphase gestartet. Die ersten Nutzer erhalten bis zum Lebensende eine freie Nutzung der Plattform. „Wir verschenken jetzt so viel wie möglich“, sagt Tschoepe. Denn das Ganze müsse erst einmal wachsen. Irgendwann werde es wohl eine jährliche Gebühr von voraussichtlich 20 Euro geben. Es gehe schließlich nicht um Gewinnmaximierung. Derzeit werden noch Tester auch aus Bad Tölz gesucht.

Nimmt „Quagile“ erst einmal seinen Lauf, könnten sich Böttcher und Tschoepe auch vorstellen, international tätig zu werden. „Deutschland und Österreich sind jetzt ja schon eingebunden. Wir wollen dann sehen, ob auch in anderen Ländern Bedarf besteht“, so Tschoepe. Netzwerken über die Ländergrenzen hinweg sei in Zeiten von Übersetzungsprogrammen schließlich kein Problem.

„Erst einmal wollen wir natürlich schauen, wie es in Deutschland läuft“, so Tschoepe. „Aber es ist unsere große Vision, dieses soziale Thema weiterzuverbreiten.“

Informationen

Wer „Quagile“ kostenlos testen möchte, kann sich unter www.quagile.de anmelden.

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