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Erwin Wiegerling vor dem umgebauten ehemaligen „Treibhaus“.

Umbau abgeschlossen

Die Verwandlung des „Treibhauses“

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Sie hätte ein Sorgenkind werden können – dann nämlich, wenn die alte Steinsäge in Wackersberg nach der Schließung des „Treibhaus“ zur Bauruine verkommen wäre. Stattdessen steht das Gebäude nun rundum erneuert und schmuck an der B 472.

Wackersberg– Das Gebäude ist ein Blickfang für alle, die auf der B 472 zwischen Bad Tölz und Bad Heilbrunn unterwegs sind. An der Ausfahrt zur Benediktbeurer Straße ist das allein stehende ehemalige „Treibhaus“ nicht zu übersehen. In den vergangenen zwölf Monaten war hier eine große Veränderung beobachten. Zum 1. April ist Erwin Wiegerling mit seinem Bauunternehmen eingezogen.

Für Wiegerling handelt es sich um ein Herzensprojekt. „Im April 2017 haben wir angefangen, das Dach abzudecken“, erinnert er sich. „Das Jahr seither war sehr schön und inspirierend.“ Nach dem Umbau steht das „Treibhaus“ gänzlich verwandelt da. Wiegerling ließ neben Wintergarten und Bretterverschlag an der Vorderseite auch die gesamte hintere Hälfte abreißen und ergänzte den stehen gebliebenen Teil um einen Neubau in gleicher Länge. „Es wirkt jetzt selbstverständlich, nicht von außen aufgesetzt. Nicht historisierend, aber so, dass man das Gefühl hat, auf geschichtsträchtigem Grund zu sein“, zeigt sich der 39-Jährige zufrieden.

Die Bezeichnung „Alte Steinsäge“ deutet auf eine historische Nutzung hin. Von 1911 stammt ein Bauplan „zur Wiederherstellung des abgebrannten Anwesens von Herrn August Müller, Mechaniker in Oberfischbach“ – wohl der Ursprung des heutigen Altbaus. Wiegerling orientierte sich an einem Plan zum „Umbau und Aufbau der Pension Ray“, den die damalige Besitzerin Miss Ray Jäger-Beveridge 1927 umsetzte. Später wurde das Haus als Café Ruh am Bach bekannt. Bis 2014 war es als Kneipe Treibhaus ein Begriff.

Nach der Schließung des Lokals fiel auch Erwin Wiegerlings Blick im Vorbeifahren immer wieder auf das sichtlich verfallende Haus mit den wechselnden Maklerschildern. „Zuerst habe ich nicht daran gedacht, dass das unser künftiger Firmensitz werden könnte“, sagt er. Er sah darin einfach „eine Immobilie, die wir herrichten könnten“. Wiegerlings Firma ist auf Altbausanierungen spezialisiert.

Allerdings wurde es dem Unternehmer am bisherigen Firmensitz in Warngau auch allmählich zu eng – außerdem waren Lager auf verschiedene Standorte verteilt, darunter Lenggries und Bad Tölz. Am Ende kaufte Wiegerling das frühere „Treibhaus“ zusammen mit seinem Kindergartenfreund, dem Heilbrunner Rechtsanwalt und Steuerberater Lorenz Leitner. Sie vermieten das Gebäude nun an das Bauunternehmen. Das hat 61 Mitarbeiter, von denen aber die meisten auf diversen Baustellen unterwegs sind. In der Wackersberger Zentrale haben 16 Mitarbeiter ihre Büros – Architekten, Innenarchitekten, Bauleiter, Sekretariat, Lohnbuchhaltung und eine kleine Logistikabteilug etwa. Außerdem gibt es eine kleine Schreinerei.

Auch über die Innenausstattung hat sich Wiegerling viele Gedanken gemacht – immer im Bemühen, „ein Gefühl für das Haus zu entwickeln“. Alle Regale und Schreibtische sind selbst gebaut. An vielen Stellen ist das alte, nur gekalkte Ziegelmauerwerk zu sehen. Ein „Highlight“ ist die an der Decke hängende Wendeltreppe, die ins Chefbüro führt. 13 historische Stühle, die Wiegerling beim Umbau gefunden hat, will er mit pinkfarbenem Leder beziehen – „damit das Ganze kein ,Traum in braun‘ wird“. Akzente soll auch eine Skulptur setzen, die eine Künstlerin gerade schnitzt. Motiv: eine „leicht bekleidete Dame“, die an die einstige etwas verruchte Aura des Hauses erinnern soll.

Da würde so mancher gerne einen Blick ins Innere werfen. „Viele Spaziergänger bleiben stehen und fragen, ob es Führungen durchs Haus geben wird.“ Das aber ist mit den Arbeitsabläufen in der Firma nicht vereinbar. Einen Tag der offenen Tür werde es aber auf alle Fälle geben. Und Wiegerling kann sich auch vorstellen, dass in Zukunft öffentlich zugängliche Ausstellungen im Haus stattfinden könnten. Überhaupt sprüht er weiter vor Ideen rund um das Gebäude. Sein Ziel: „Die Menschen sollen spüren, dass hier etwas passiert.“

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