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Nach siebenjährigem Kampf: Campingplatz Demmelhof darf doch erweitern

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Von: Patrick Staar

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Silvia und Josef Demmel sehen ihren Campingplatz nun gerüstet für die Zukunft.
Silvia und Josef Demmel sehen ihren Campingplatz nun gerüstet für die Zukunft. © Patrick Staar

Sind Schlaf-Fässer Gebäude? An dieser Frage scheiterte bislang die Erweiterung des Campingplatzes Demmelhof am Stallauer Weiher. Doch jetzt haben die Betreiber einen siebenjährigen Kampf gewonnen.

Wackersberg – Riesige Erleichterung auf dem Demmelhof am Stallauer Weiher: Der siebenjährige Kampf ist erfolgreich zu Ende gegangen, Silvia und Josef Demmel dürfen ihren Campingplatz nun doch erweitern. „Wir haben immer daran geglaubt, dass es klappt“, sagt Inhaber Josef Demmel.

Regierung findet, dass Schlaf-Fässer wie Gebäude zu behandeln sind

Der umstrittenste Punkt waren die „Schlaf-Fässer“, die Demmel unbedingt aufstellen will. Die Regierung von Oberbayern vertrat die Auffassung, dass solche Schlaf-Fässer wie Gebäude zu behandeln sind, da sie fest mit dem Erdboden verbunden sind. Und solche Gebäude seien im Außenbereich nicht zulässig. Die Demmels argumentierten, dass die Wohn-Fässer mit mobilen Wohnwagen gleichzusetzen sind, da sie mit einem Kran weg gehoben werden können. Nun hat Demmel einen Ausweg gefunden: Er entdeckte Schlaf-Fässer, die blitzschnell an eine Deichsel gehängt werden können. Da sie binnen kürzester Zeit fahrbereit sind, gelten sie als Mobilheime – und dürfen auf dem Demmelhof aufgestellt werden.

Auch schwimmende Übernachtungsmöglichkeiten sind geplant

Keine baurechtlichen Probleme gab es mit einer weiteren Neuerung – fünf schwimmende Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Wasser. Ebenso keine behördlichen Einwände gibt es gegen den Beachvolleyballplatz und den Beachsoccerplatz, der oberhalb der Zufahrtsstraße entstehen soll. Damit will der Demmelhof besonders Jugendliche ansprechen. „Die meisten Campingplätze haben einen großen Spielplatz“, sagt Demmel. „Aber bei Angeboten für 12- bis 14-Jährige wird’s oft schwierig.“ Diese Lücke wird nun geschlossen.

Aus den bisherigen Dauercamper-Plätzen werden Komfort-Stellflächen

Die Dauercamper werden zukünftig eine Reihe oberhalb des bisherigen Campingplatzes ihren Standort haben. Die bisherigen Dauercamper-Plätze werden Komfort-Stellflächen. Die Demmels stimmen sich bei ihren Plänen eng mit dem Bund Naturschutz ab. So soll auf dem Campingplatz eine Streuobst-Wiese und ein öffentlicher Mitmach-Garten nach Tölzer Vorbild entstehen. „Wir haben Flächen, aber wir haben keine Angestellten, die sich darum kümmern können“, beschreibt Demmel das Dilemma.

Betreiber sehen den Platz nun gerüstet für die Zukunft

Komplett unverändert bleibt aus naturschutzrechtlichen Gründen der weihernahe Bereich unterhalb der Zufahrtsstraße. Die Demmels sehen ihren Campingplatz nun gerüstet für die Zukunft, die nach Einschätzung von Silvia Demmel nicht einfach wird. „Wir sind stark von der Inflation betroffen, die Preise unserer Lieferanten steigen.“ Deshalb werde es immer schwieriger, Mahlzeiten kostengünstig anzubieten.

Demmelhof unter die 40 beliebtesten Campingplätze in Deutschland gewählt

Rückenwind gibt es unterdessen von anderer Seite. Der holländische ACSI – vergleichbar mit dem deutschen ADAC – wählte den Demmelhof unter die 40 beliebtesten Campingplätze in Deutschland. In der Rangliste des Onlineportals Camping.info rückte der Demmelhof unter 24 000 europäischen Campingplätzen von Platz 25 auf Platz 19 vor. Nur noch ein bayerischer Campingplatz ist in dieser Rangliste besser platziert. „Ich finde das lustig“, sagt Josef Demmel. „Lauter Fünf-Sterne-Campingplätze – und dazwischen der Demmelhof.“ Solche Bewertungen sind hilfreich. Obwohl heuer wieder mehr Menschen Urlaub im Ausland machten als zuletzt, war der Demmelhof so gut belegt wie eh und je. „Ich weiß nicht, ob viele Leute während Corona mit dem Radfahren angefangen haben, aber Radler mit Zelt werden exponentiell mehr.“

Gemeinde steht hinter dem Projekt

Ein Glücksfall sei in diesem Zusammenhang die Nähe zum Bodensee-Königssee-Radweg, zum Isarradweg und zur Via Bavarica Tyrolensis. „Teilweise haben wir die Bänke im Biergarten zusammenschieben müssen, damit sich Camper reinstellen können.“ Einige Urlauber hätten im Garten der Oma übernachtet. „Der Wahnsinn“, sagt Demmel. „Viele waren einfach froh, dass sie sich irgendwo hinstellen können, wenn sie aus Italien und Kroatien zurückkommen.“

Durch den Umbau werde der Demmelhof seiner Einschätzung nach vom 3,5- zum Vier-Sterne-Platz. Mehr Sterne wolle er auch nicht, sagt Demmel. „Bei einem Fünf-Sterne-Platz kritisieren die Leute jedes Härchen, das rumliegt. Lieber überraschen wir als Vier-Sterne-Platz positiv.“ Im nächsten Schritt gehe es darum, dass Wackersberg einen Bebauungsplan aufstellt. Er hat daran keinen Zweifel, denn die Gemeinde sei – ebenso wie der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber – immer hinter dem Projekt gestanden.

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