Selten und streng geschützt: Eine Frauenschuh-Pflanze auf Wackersberger Gemeindegebiet.
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Selten und streng geschützt: Eine Frauenschuh-Pflanze auf Wackersberger Gemeindegebiet.

Hohes Bußgeld möglich

Unbekannte graben am Isar-Radweg streng geschützte Orchidee aus

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Der Tölzer Künstler Heinz Stoewer ist entsetzt. Immer wenn er auf dem Isar-Radweg zu seinem Atelier fuhr, freute er sich über eine kleine Frauenschuh-Kolonie, eine streng geschützte und sehr seltene Orchideen-Art. Als Stoewer nun wieder nach Steinbach radelte, waren die Pflanzen ausgegraben und verschwunden.

Wackersberg - „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Leute sie nicht stehen lassen können“, sagt Stoewer, nachdem er den Naturfrevel entdeckt hatte. „Zumal das eine sehr fragile Pflanze ist. Wenn man sie ausbuddelt und zu Hause einsetzt, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass sie kaputt geht.“

Pflanze kann nicht einfach wieder eingegraben werden

Dies bestätigt Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz: „Es ist wie bei fast allen Wildpflanzen: Man kann sie nicht einfach ausgraben und zu Hause wieder einsetzen“, sagt der BN-Kreisvorsitzende. Vielmehr benötige die seltene Orchideen-Art ein ganz spezielles Mikroklima im lichten Wald. Fast noch wichtiger sei die richtige Zusammensetzung des Bodens: „Um so was zu Hause zu haben, müsste man dafür um die Pflanze herum weiß Gott wie viel Quadratmeter Boden abtragen.“ Natürlich gehe von einer einzelnen ausgegrabenen Pflanze die Welt nicht unter, aber tatsächlich ist das Ganze streng verboten. Generell sei es „einfach ein Zeichen von falsch verstandener Naturliebe. Ich hätte mir eigentlich gedacht, dass wir als Gesellschaft darüber hinweg sind. Aber jedes Jahr wieder werden solche Fälle bekannt.“.

 Das ist kein Spaß, sondern Dummheit

Friedl Krönauer, BN-Kreisvorsitzender

Es gebe mehrere Gründe dafür, dass der Frauenschuh derart selten vorkommt. So dauere es 15 Jahre, bis die Pflanze das erste Mal Blüten trägt. Bis zu diesem Zeitpunkt sei sie „sehr unscheinbar“. Viele Frauenschuhe würden daher wohl aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit zerstört. Um dieser Unwissenheit entgegenzuwirken, führt Krönauer als Naturschutz-Ausbilder alle Bergwacht-Anwärter zu einem Platz, wo Frauenschuh-Pflanzen wachsen, „in der Hoffnung, dass sie diesen Ort nicht publizieren“.

Wird man erwischt, droht ein Bußgeld bis zu 5000 Euro

Generell muss sich seiner Ansicht nach die Einstellung in der Gesellschaft ändern, „dass ich unbedingt alles selbst besitzen will. Dabei sind Pflanzen nichts Besonderes mehr, wenn sie im eigenen Garten wachsen.“ Abgesehen davon müsse jeder mit Ärger rechnen, der erwischt wird: „Das ist kein Spaß, sondern Dummheit“, sagt Krönauer.

Sabine Schmid, Pressesprecherin des Landratsamts, kennt die Folgen des verbotenen Handelns: „Wenn jemand angezeigt wird, wird gegen ihn ein Ordnungswidrigkeit-Verfahren eingeleitet.“ Der Täter müsse mit einem Bußgeld zwischen 50 und 5000 Euro rechnen.

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