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Ist immer wieder für die „German Doctors“ im Ausland unterwegs: Dr. Rainer Jurda. Mit Covid-19 angesteckt hat sich der Mediziner aber in Deutschland . 

Covid-19 überstanden

Wackersberger Arzt war einer der ersten Infizierten: „Corona ist kein Kinderspiel“

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Er war einer der ersten im Landkreis, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Dr. Rainer Jurda aus Wackersberg hat die Erkrankung überstanden – und mahnt dazu, sie ernst zu nehmen.

Wackersberg– Als er die ersten Symptome bemerkte, war der 76-Jährige gerade als Vertretung in einer orthopädischen Klinik tätig. Nicht, wie bei einem seiner vielen Einsätze für die „German Doctors“ im Ausland, sondern in Deutschland. Zuerst habe er gedacht, er habe eine Grippe bekommen. Nach einem negativen Influenza-Test stellte sich aber heraus, dass er sich bei einem Patienten mit Covid-19 angesteckt hatte. „Das war Anfang, Mitte März. Da ging es sehr schnell mit dem Testergebnis“, sagt Rainer Jurda. In der folgenden Zeit hätten Patienten dann oft tagelang auf ein Ergebnis warten müssen.

„Täglich hat das Gesundheitsamt angerufen, um sich nach meinem Zustand zu erkundigen.“

Jurda informierte das Gesundheitsamt und die Tölzer Stadtklinik. „Erst hatte es geheißen, ich soll stationär aufgenommen werden.“ Dann aber habe man sich darauf geeinigt, dass er zu Hause bleibt. Obwohl ihn die Symptome Fieber, Husten, Atembeschwerden und auch der Geschmacksverlust heftig trafen, kam er ohne Klinikaufenthalt durch die Krankheit. „Täglich hat das Gesundheitsamt angerufen, um sich nach meinem Zustand zu erkundigen.“ Natürlich hätten die Kontrollanrufe auch den Zweck zu prüfen, ob die Quarantäne eingehalten werde.

„Die Leidtragende an der ganzen Geschichte war meine Frau“, sagt Jurda. Denn sie musste als Kontaktperson mit in Quarantäne – und noch dazu sehr viel länger auf ihr Testergebnis warten. Das war übrigens negativ.

Im Haus ging sich das Ehepaar fortan möglichst aus dem Weg. „Wir haben versetzte Essenszeiten ausgemacht und nur in großer Distanz gegessen.“ Auch habe man vermieden, gemeinsam Gegenstände anzufassen, Türgriffe wurden regelmäßig desinfiziert. „Wir haben das wirklich ganz konsequent durchgehalten“, sagt Jurda.

Die Nachbarn halfen beim Einkaufen

Größere Probleme gab es in der Zeit nicht. „Die Nachbarn haben uns alles, was wir brauchten, vor die Türe gestellt.“ Auch mit dem Postboten habe man sich durchs Fenster und mit Zeichensprache verständigen können. „Wir haben auch psychisch nicht gelitten, denn es war ja ein Ende absehbar.“ Direkt nach der Quarantäne kamen die Ausgangsbeschränkungen. „Das ist dann nahtlos ineinander übergegangen.“

Nach vier bis fünf Tagen ließen die Symptome bei Rainer Jurda nach. „Aber schleichende Merkmale wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit haben sich noch 14 bis 18 Tage nach Ende der Quarantäne gehalten.“ Er habe es deutlich gespürt, dass er die Krankheit durchgemacht habe. Daher habe er auch Verständnis, wenn Patienten nach der Isolation weiter krank geschrieben werden. Im Großen und Ganzen habe sich bei ihm alles wieder normalisiert. „Aber wenn ich mich sehr stark anstrenge, dann merke ich schon noch etwas.“

Er mahnt alle, die weitere Lockerungen fordern, zur Vorsicht. „Jeder, der das durchgemacht hat, ist für eine restriktive Einstellung. Wer die Symptome hatte, sieht das sehr zurückhaltend.“ Zu schnell dürfe man nicht alles lockern. „Lasst Euch Zeit, das ist alles kein Kinderspiel.“

Jurda: „Von all meinen Einsätzen bin ich immer gesund zurück gekommen“

Er attestiert sich selbst ein gutes Immunsystem: „Von all meinen Einsätzen bin ich immer gesund zurück gekommen, hatte nicht einmal eine banale Reiseerkrankung wie Durchfall.“ Jurda schätzt, dass die Covid-19-Symptome schlimmer ausgefallen wären, wenn er nicht so eine gute Konstitution gehabt hätte.

Momentan wäre er eigentlich wieder auf Hilfsmission unterwegs – diesmal hätte es ihn nach Kenia verschlagen. „Aber es ist bis Herbst alles abgesagt – vor allem in den Ländern, in denen es viele Corona-Patienten gibt.“ Ob er noch einmal an einem Einsatz teilnimmt, weiß er nicht. „Aber hier ist es auch schön.“

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