Jüngstes Projekt: Für den Lesebereich vor der Bibliothek der Hochschule München schuf Sabrina Hohmann die Skulptur eines Menschenaffen.
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Jüngstes Projekt: Für den Lesebereich vor der Bibliothek der Hochschule München schuf Sabrina Hohmann die Skulptur eines Menschenaffen.

Glück im Unglück

Wackersbergerin Künstlerin Sabrina Hohmann findet neue Bleibe – und neuen Mut

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Fast 20 Jahre lang hatte Sabrina Hohmann in der „Quelle“ in Wackersberg ihr Atelier und damit ihr Zuhause. Heuer musste sie überraschend ausziehen. Nun hat die Künstlerin eine neue Unterkunft gefunden und kann ihrer Berufung weiter nachgehen.

Wackersberg Sabrina Hohmann ist dankbar. Durch die „unglaubliche Mithilfe von Wackersberger Herzensmenschen“, so die Künstlerin, sei es gelungen, eine neue Wohn-Werkstatt für sie zu finden. Es war, sagt sie lächelnd, „ein Glück, dass mir dieses Unglück in Wackersberg passiert ist“. Seit Kurzem kann sie im Ortsteil Blaika eine ehemalige Werkstatt nutzen und durfte sie mit Einverständnis ihrer Vermieterin Monika Öttl für ihre künstlerischen Bedürfnisse herrichten. Hohmann stammt aus München. In Wackersberg hat sie ihre Heimat, und, wie sie sagt, „das Familiengefühl“ gefunden.

Die Kündigung in der ehemaligen und weithin bekannten „Quellen“-Wirtschaft, die sie – zusammen mit ihrem 2008 verstorbenen Mann Andreas – in ein „Kunst-Haus“ mit öffentlichen Veranstaltungen verwandelt hatte, kam für Hohmann äußerst überraschend (wir berichteten). Der Eigentümer ist dabei, in das traditionsreiche Haus Ferienwohnungen einzubauen. Für Hohmann hieß es Abschied nehmen von einem lieb gewonnenen Lebensraum, denn sie hatte immer wieder auch den Außenbereich des einsam gelegenen Altbaus in ihre künstlerischen Arbeiten eingebunden. „Für mich war das nie ein Haus für mich alleine, sondern es gehört allen Wackersbergern“, sagt sie mit Blick auf die Geschichte.

Mund-zu-Mund-Propaganda half bei der Suche

Längere Zeit sah es für die überregional bekannte Künstlerin nicht gut aus, eine neue Bleibe für ihr Atelier zu finden. „Es gibt zwar durchaus einige Leerstände in der Region, aber oft sollen die Häuser abgerissen werden, um neu zu bauen“, sagt sie. Geholfen hat Hohmann letztlich die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Das neue Atelier ist nun kleiner, doch Hohmann kann darin zumindest in gewissem Umfang bildhauerisch arbeiten. „Ich freue mich, dass es in sehr schöner Landschaft liegt.“ Einige ihrer Werke konnte sie in einer Tenne einlagern.

2016 erhielt Sabrina Hohmann für ihr vielfältiges Schaffen den Kunstpreis des Landkreises. Trotz der Corona-Pandemie konnte die Künstlerin für die „Kunst am Bau“-Projekte in diesem Sommer aktiv sein. Für den Lesebereich vor der Bibliothek der Hochschule München schuf sie im Rahmen des Projekts „Read’in’Finity“ die Skulptur eines Menschenaffen. „Die Skulptur steht zwischen zwei Türen, die verspiegelt sind. Tritt man neben den Menschenaffen zwischen die Türen, kann man sich gemeinsam mit dem evolutionären Vorfahren in der Unendlichkeit spiegeln“, erklärt sie.

Jetzt, im Winter, beschäftigt sich Hohmann mit Sprache – und ist selbst gespannt, wohin sie die Reise führen wird. „Das lauert schon länger in mir“, sagt sie lächelnd. Aus diesem Grund hat sie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München ein Gaststudium aufgenommen: Historische und allgemeine Sprachenwissenschaft. Derzeit läuft alles online. Zudem lernt Hohmann Arabisch. „Ein komplett anderes System und eine große Herausforderung für den Kopf.“ Zudem will sie wieder einiges Zeichnen und Modellieren.

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