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Fototermin in den Isarauen: Teilnehmer des Weideprojekt-Rundgangs besuchen die Ziegen bei Arzbach.

Ziegen pflegen Isarauen

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Besuch beim Weideprojekt in Arzbach: 30 Tiere halten das Gehölz neben dem Wildfluss kurz.

Arzbach – Ziegen liefern Fleisch, Leder, Milch und Wolle – das ist bekannt. Ziegen werden aber auch als Naturschützer eingesetzt. Beispielsweise in den Isarauen zwischen Bad Tölz und Lenggries sowie bei Vorderriß. Wie wichtig die Tiere in diesen Bereichen sind, darüber informierten bei einem Rundgang Joachim Kaschek von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und Grünflächen-Pfleger Markus Henning vom Maschinenring Wolfratshausen.

Die Isar hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert. Einer der Hauptgründe dafür ist der Sylvensteinspeicher. Der Stausee hält Wasser zurück, reduziert die Menge an Kies, die transportiert wird und verhindert schwere Überschwemmungen. „Beim Jahrhundert-Hochwasser 2005 wären sie sonst in München nicht mehr U-Bahn sondern nur noch U-Boot gefahren“, sagte Kaschek.

Dass es nun nicht mehr regelmäßig große Überschwemmungen gibt, hat erhebliche Auswirkungen auf die Pflanzenwelt. „Die Hochwasser haben die Vegetation alle paar Jahre oder Jahrzehnte in den Ausgangszustand zurückversetzt“, erläuterte der Fachmann. Heutzutage werde der Boden nicht mehr regelmäßig abgetragen. Gehölze haben deshalb hervorragende Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Kaschek: „Die Kiefer wäre unter normalen Umständen nicht hier, jetzt hat sie das Heft des Handelns übernommen.“

Die Naturschützer bringe dies in einen Zwiespalt: „Wir könnten die Natur sich selbst überlassen, aber dann würde der Wald immer dichter, und wertvolle Arten verschwinden. Die sogenannten „Schwemmlinge“ wie die Silberwurz und das Schleierkraut hätten keine Chance mehr, sich anzusiedeln. „Wir hätten einfach keine Vegetation mehr wie an einem Wildfluss.“ Nun kommen die Ziegen ins Spiel. Sie fressen Gehölze und verhindern, dass sich diese allzu sehr ausbreiten. „Und die sehr artenreichen Magerrasen-Flächen wachsen nicht zu“, ergänzte Henning. Momentan gibt es laut Kaschek zwischen Bad Tölz und Lenggries vier Koppeln mit 30 Ziegen. Zwei weitere Koppeln mit ebenfalls 30 Ziegen gebe es bei Vorderriß. Die Flächen gehören dem Wasserwirtschaftsamt und zu einem kleinen Teil den Bayerischen Staatsforsten. Sie sind 50 Hektar groß, was etwa 500 000 Quadratmetern entspricht. Immer wenn das Futter knapp wird, ziehen die Tiere in eine andere Koppel um.

Das bis 2020 ausgelegte Projekt läuft nun schon seit drei Jahren, und das unter wissenschaftlicher Überprüfung. „Es wird genau untersucht, welche Auswirkungen die Ziegen haben“, sagt Kaschek. Interessant sei beispielsweise, wie sich der Orchideen-Bestand in den Koppeln entwickelt. Je nachdem, wie die wissenschaftlichen Ergebnisse ausfallen, müsse man die Bewirtschaftung ändern. Denkbar sei, dass die Ziegen nur alle zwei Jahre eingesetzt werden.

Die Ziegen-Koppeln sind Teil eines großen Projekts, das auf eine Initiative des Bundesamts für Naturschutz zurückgeht. Kaschek erinnert sich an die aufwendigen Vorbereitungen. Erst beauftragte das Bundesamt eine Firma, Gebiete zu finden, in denen eine große Artenvielfalt herrscht, in denen es aber auch Defizite gibt. Übrig blieben 30 sogenannte „Hotspots“ in Deutschland. Zwölf dieser Gebiete reichten Bewerbungs-Unterlagen ein, vier wurden ausgewählt – unter anderem eines an der Ostsee, eines in Nordrhein-Westfalen und eben dieses Projekt im Tölzer Land. Insgesamt sind es 43 Projekte auf einer Fläche von 3500 Quadrat-Kilometern. Die Besonderheiten: Es sind ungewöhnlich viele Organisationen beteiligt, wie etwa der Landes-Fischereiverband, der Alpenverein, der Isartalverein aber auch die Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf. Wichtig war dem Bundesamt außerdem die Information der Bevölkerung, weshalb es nun diese Führungen gibt. Kaschek: „Die Aufklärung der Bevölkerung ist wesentlicher Bestandteil der Projekt-Idee. „Wir hätten die Ziegen auch einfach hinstellen können.“ Das Projekt läuft noch bis zum 30. September 2020.

Ziegen im Fernsehen: Die Abendschau im Bayerischen Fernsehen berichtet am Montag, 11. Juni, über das Weideprojekt an der Isar. Die Sendung beginnt um 17.30 Uhr.

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