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Die Milchstraße über dem Isarwinkel.

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Tölzer Fotograf liebt die Astronomie:Wenn es dunkel wird, leuchtet der Himmel

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Seit 50 Jahren beobachtet Franz Xaver Kohlhauf den Nachthimmel über Wackersberg. Dafür hat er sich sein eigenes Sternenparadies gebaut.

Eine fremde Galaxie ist zwei Millionen Lichtjahre oder mehr von der Erde entfernt. Wenn sich Franz Xaver Kohlhauf an sein Teleskop in Wackersberg setzt, dann ist sie ganz nah. Weil er weiß, wo er suchen muss. Seit 50 Jahren ist er vom Nachthimmel fasziniert und hat sich sogar in Wackersberg eine eigene kleine Sternwarte gebaut. 

Schon am frühen Abend sitzt Kohlhauf an seinem Teleskop. Dabei sendet die Sonne noch ihre letzten Strahlen über den Horizont. Der Himmel strahlt noch in einem hellen Blau. Die ersten Himmelskörper sind trotzdem schon mit bloßem Auge erkennbar: der Mond und direkt daneben die Venus, der Morgen- und Abendstern. „Die Venus ist das erste Objekt, das man nach dem Mond auch bei hellem Himmel sieht, verschwindet in der Nacht und ist morgens vor der Sonne wieder sichtbar“, erklärt Franz Xaver Kohlhauf den Nachbarplaneten der Erde. 

Kohlhauf, trägt Hemd, bequeme Hose und Bart. Der 63-Jährige ist die bayerische Gelassenheit in Person. Der selbstständige Fotograf genießt die Ruhe, wenn es dunkel wird. Wenn der hellblaue Himmel langsam dunkelbau und später schwarz wird. Nach und nach sieht er die zigtausend hellen Pünktchen am Himmel, die am Tag vom Sonnenlicht überstrahlt werden. Dann sieht er Sterne, Planeten und in klaren Nächten sogar weit entfernte Galaxien. Wenn er die Sterne sieht, vergisst er die Zeit. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als die Astronomie. 

Ein Teleskop für 3500 Dollar

Die Dämmerung bricht an, langsam wird es dunkel. Die Grillen zirpen rund um die einsame Sternwarte in Wackersberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. „Die Geräusche gehören einfach dazu“, sagt Kohlhauf. Auf neun Quadratmetern hat er sich sein eigenes kleines Sternen-Paradies gebaut: Eine Holzhütte mit verschiebbarem Dach, einem kleinen Tisch an der Wand und mittendrin sein größter Schatz: sein Teleskop. Mit einem Gewicht von 25 Kilogramm, einer Brennweite von vier Metern und bis zu 700-facher Vergrößerung. Gekauft hat er es sich 1979 in Amerika für 3500 Dollar. Vor einer Preiserhöhung auf 5000 Dollar. „Damals habe ich gedacht: Wenn nicht jetzt, dann nie“, sagt er. 

Franz Xaver Kohlhauf an seinem Teleskop.

Das Teleskop kann aber mehr, als einfach nur den Nachthimmel vergrößern. Die Drehachse dreht die Optik ständig um den Himmelspol. Will Kohlhauf einen bestimmten Fleck in den Weiten des Alls beobachten – etwa den Jupiter oder die Andromeda-Galaxie –, fixiert er sein Teleskop auf diesen Punkt. Die Drehachse gleicht sogar die Erddrehung aus. Dank einer normalen Autobatterie. Das hat sich Kohlhauf selbst ausgedacht. 

„Der Mond ist am einfachsten zu beobachten“, erklärt er, während er sein Teleskop auf den Erdtrabanten ausrichtet. Schon bei einer 40-fachen Vergrößerung sticht jeder größere Krater als dunkle Silhouette hervor. „Auch die Sichelphasen der Venus sind schon mit einer geringen Vergrößerung gut zu erkennen. Trotz 150 Millionen Kilometern Entfernung zur Erde.“ Wenn der Fotograf über Nachthimmel, Planeten, Sterne und Galaxien spricht, sind seine Begeisterung und sein Wissen fast greifbar. Aus ihm spricht ein halbes Jahrhundert Leidenschaft. 

Aus Sternen werden Sternbilder und Galaxien

Angefangen hat alles mit Apollo 8 im Dezember 1968. Der erste bemannte Flug zum Mond (ohne Landung) zog den 13-jährigen Franz Xaver in seinen Bann, um ihn war es geschehen. „Als Bua, wenn‘st so was nie gesehen hast, faszinierend“, erinnert sich Kohlhauf. Auf dem Speicher des elterlichen Bauernhofes fand er ein Buch über den Mond und die Sterne. Er tauchte in die Materie ein und kaufte sich 1971 sein erstes Teleskop. 

Bald waren die Sterne nicht mehr nur helle Punkte am Nachthimmel, sondern Sternbilder: der Große Bär (Großer Wagen), daneben der Bärenhüter und Herkules. „Es ist wie in einer fremden Stadt. Zuerst macht man sich mit markanten Punkten vertraut, dann schaut man weiter“, erklärt Franz Xaver Kohlhauf. Starhopping nennt sich das aufsuchen von Objekten durch Sprünge von Stern zu Stern. 

Eine morgendliche Begegnung von Mond und Venus.

Irgendwann entdecken Sternenfreunde, wie Kohlhauf sich und Gleichgesinnte bezeichnet, dann auch die weit entfernten Galaxien. Sie wissen, wo sie suchen müssen. Dann verbinden sich die vielen Pünktchen zu Formen, bis sie etwa als Spiralgalaxie erkennbar sind. „Es sind absolute Highlights, wenn man solche Objekte zum ersten Mal sieht. Wie viele Menschen haben das denn schon gesehen?“ 

Franz Xaver Kohlhauf ist einer von ihnen. Das bezeugen die Bilder an der Wand seiner Sternwarte, aufgenommen mit Langzeitbelichtungen von bis zu 30 Minuten. Gute Bilder von weit entfernten Sternen oder Galaxien benötigen Zeit. Viel Zeit. Zeit, die sich der 63-Jährige gerne nimmt. Er genießt es, abends draußen in seiner kleinen Warte zu sitzen, die Sterne zu beobachten, wenn die Grillen zirpen.

„Je dunkler es ist, desto mehr sieht man“ 

Hier wird er sich selbst und seiner Rolle im Universum bewusst. „Je mehr man sich mit der Materie befasst, desto kleiner wird man.“ Er muss sich winzig fühlen. 

Möglichst gering will der Fotograf auch die Lichtverschmutzung – das künstliche Licht aus den Städten, das die Atmosphäre aufhellt – rund um seine Sternwarte halten. Durch den „verschmutzten“ Nachthimmel sieht man weniger, erklärt Kohlhauf. Der Kontrast zwischen dunklem Nachthimmel und hellen Sternen ist geringer. Er spricht von einem Paradoxon: „Je dunkler es ist, desto mehr sieht man.“ 

Langzeitaufnahme der Andromeda-Galaxie.

Deshalb ist der Winter die eigentliche Kernzeit der Sternenfreunde. „Da ist es viel länger dunkel.“ Im Sommer sind die Nächte dafür angenehmer. Dann genügt es, wenn er ein Hemd anhat. Vor- und Nachteile gleichen sich im Jahresverlauf aber aus. Deshalb trifft man ihn in klaren Nächten „höchstwahrscheinlich hier“, in seiner Sternwarte in Wackersberg. Unter dem Sternenzelt. 

Mittlerweile ist es tiefe Nacht, die Venus verschwindet hinter dem Horizont. Dafür stellen sich Jupiter mit seinen Monden und Saturn mit den markanten Ringen gerade erst vor. Für Franz Xaver Kohlhauf geht der Abend erst richtig los.

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