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Die Gemeinde will zwei Räumfahrzeuge im Wert von 400.000 Euro kaufen.

Winterdienst-Diskussion in Wackersberg

„Da soll was mit Gewalt durchgezogen werden“

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Eine Dreiviertelstunde redeten sich die Wackersberger Gemeinderäte die Köpfe heiß, dann strich Bürgermeister Alois Bauer die Segel. Frustriert stellte er fest: „Ich bin mit meinen Argumenten am Ende. Ich übergebe das Thema an meinen Stellvertreter Jakob Monn.“

Wackersberg– Was das Gemeindeoberhaupt so ratlos machte: Die Räte hatten seinen Plan, wie der Winterdienst zukünftig organisiert werden soll, mit acht zu sechs Stimmen abgelehnt. Einige Minuten später folgte in nichtöffentlicher Sitzung der Salto rückwärts: Nun fand Bauers Vorschlag plötzlich doch eine Mehrheit. Die Gemeinde will zwei Räumfahrzeuge im Wert von 400 000 Euro kaufen.

Die Organisation des Winterdiensts hat eine lange Vorgeschichte. Schon im Herbst hatten die Räte im Ausschuss bis zum Exzess diskutiert, welches Fahrzeug gekauft werden soll. Mit knapper Mehrheit entschied sich das Gremium für einen Valtra-Traktor, den eine einheimische Firma anbietet. Eine Entscheidung, die Bauer Bauchweh bereitet, „weil der Traktor keine Automatik hat und vom Handling her schwierig ist, wenn man an parkenden Autos vorbei muss“. Um ihn in den bestehenden Gebäuden unterzubringen, sei ein Anbau nötig.

Nun stellte Bauer das Thema erneut auf die Tagesordnung, da sich die Sachlage geändert habe. Ein externer Anbieter habe mitgeteilt, dass er ab sofort nicht mehr den Winterdienst für die Gemeinde übernehmen wolle. Daraufhin schrieb die Gemeinde 25 Firmen an, ob sie einspringen können. Die Resonanz war gleich null. „Alle Firmen haben gut zu tun und wollen im Winter Überstunden abbauen“, erläuterte Bauer.

Als Konsequenz der zahlreichen Absagen muss die Gemeinde den Winterdienst selbst organisieren. Das Problem: Die drei Fahrzeuge im Fuhrpark der Gemeinde sind in einem desolaten Zustand. Bauer gab einen Überblick. Zum einen gebe es einen Lastwagen, der 190 000 Kilometer auf dem Buckel hat und in ein oder zwei Jahren ausgetauscht werden muss. Zum anderen besitzt die Gemeinde einen Klein-Lastwagen der Marke Lindner in einem schlechten Zustand: „Er verliert Öl und Kühlflüssigkeit, die Kupplung wurde schon mal ausgetauscht.“ Fahrzeug Nummer drei ist ein 15 Jahre alter Schlepper, der nicht zum Salzstreuen geeignet sei. Dies hatte zur Folge, dass der Winterdienst in Wackersberg in den vergangenen Jahren alles andere als optimal ablief. Erst räumte ein Fahrzeug die Straße, irgendwann kam dann der Salzsteuer hinterher. „So was versteht doch keiner“, sagt Bauer.

Um eine sinnvolle Lösung zu finden, wurde ein eigener Winterdienst-Ausschuss ins Leben gerufen, der dreimal tagte und unzählige Varianten durchspielte. Das Ergebnis: Der alte Schlepper wird durch einen wendigen Schlepper der Marke Fendt ersetzt, den ebenfalls ein ortsansässiges Unternehmen anbietet. Als Ersatz für den alten Klein-Lastwagen der Marke Lindner kauft die Gemeinde einen Unimog.

Diese Lösung verärgerte Hans Demmel jun.: „Zum Thema Schlepper haben wir uns fast zerfleischt. Es gibt zwei Beschlüsse. Und jetzt sollen wir auf die Schnelle noch mal über eine 400 000- Euro-Investition entscheiden.“ Angesichts der langen Lieferzeit stehe die Gemeinde unter einem enormen Zeitdruck, entgegnete Bauer. Außerdem müssten die Fahrer noch geschult werden.

Widerspruch kam von Klaus Willibald: „Im Herbst sind wir jede Schraube durchgegangen, haben alles abgewogen. Und jetzt soll der Beschluss wieder zurückgenommen werden.“ Dies kritisierte auch Josef Kaltenhauser: „Die letzte Abstimmung ist nicht wie gewünscht ausgegangen, und daher sollen wir noch mal darüber entscheiden.“ Anderer Ansicht war Ursula Fiechtner: „Wir brauchen ein Fahrzeug, mit dem die Mitarbeiter gut umgehen können. Das ist den geringen Mehrpreis wert.“ Hans Demmel konnte all dies nicht überzeugen: „Da soll was mit Gewalt durchgezogen werden.“ Bauer beteuerte: „Nein. Es zählen Fakten, Fakten, Fakten.“ Wenig später erlitt der Bürgermeister trotzdem eine Abstimmungs-Niederlage.

Dann gingen die Diskussionen hinter geschlossenen Türen weiter. „Da haben wir noch mal die Argumente vorgetragen und gezeigt, dass unser Vorschlag alternativlos ist“, so Bauer. Die Gemeinde wird nun Angebote einholen. 

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