Am Wehr in Krün wird Wasser für das Walchensee-Kraftwerk abgeleitet.
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Am Wehr in Krün wird Wasser für das Walchensee-Kraftwerk abgeleitet.

Konzession Walchenseekraftwerk: 13 Vereine und Verbände unterzeichnen Positionspapier

Gemeinsam für den Wildfluss Isar

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Transparenz. Das war eines der Schlüsselwörter in der Pressekonferenz am Montag, zu der 13 Vereine und Verbände geladen hatten. Das Thema: Die Vorstellung eines gemeinsamen Positionspapiers zur Neukonzessionierung des Walchenseekraftwerks. Alle waren sich einig, dass dieser Prozess unter größtmöglicher Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden sollte, so dass auch der größtmögliche Schutz der Natur gewährleistet wird.

Walchensee - „Es geht um eine Jahrhundertchance der Wiedergutmachung für ein Herzstück der bayerischen Naturlandschaften“, sagte Richard Mergner vom Bund Naturschutz (BN).

2030 läuft die Konzession des Walchenseekraftwerks ab – das heißt die Rechte zur Umleitung und Nutzung des Wassers für die Energieerzeugung werden neu vergeben. Und genau in diesem Prozess wollen diese Vereine und Verbände ein Wörtchen mitreden: der Bund Naturschutz, der Deutsche Alpenverein, die Notgemeinschaft Rettet die Isar jetzt und auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV). „Es geht darum, eine Balance zu finden zwischen Energiewende und Naturschutz“, erklärte Markus Erlwein (LBV). Denn seit der Inbetriebnahme des Walchenseekraftwerks habe die Natur teilweise erheblichen Schaden erlitten, so Fabian Unger (LBV). An manchen Stellen sei der Wildfluss Isar nur noch ein Rinnsal. Einige typische Lebensformen und Arten – wie etwa der Flussregenpfeifer, die Gefleckte Schnarrschrecke oder die Tamariske – seien hoch bedroht. „Es gibt einen erheblichen Einfluss durch die Wasserkraft.“

„Ein weiter so kann es nicht geben“

Ein „Weiter so“ könne es nicht geben, sagte LBV-Vorsitzender Norbert Schäffler. „Wir dürfen die biologische Vielfalt nicht der Energiewende opfern.“ Man fordere nicht, dass das Kraftwerk zurückgebaut werde. „Aber wir wollen eine klare, wissenschaftliche Untersuchung, damit es eine Balance geben kann zwischen regenerativer Energie und dem Schutz der Arten.“

Im Positionspapier haben die 13 Unterzeichner daher ihre Forderungen festgelegt. Dazu gehören: „Es muss eine Lösung geben für mehrere Generationen und sich fundamental was ändern“, sagte Johannes Schnell vom Fischereiverband. „Wir müssen weg kommen von der Privatisierung und hin dazu, dass der Staat es in der Hand hat.“ Sonst stehe man als Verband immer als Bittsteller da, wenn man ökologisch etwas ändern wolle. Außerdem müssten alle aktuellen gesetzlichen Verpflichtungen und Vorgaben eingehalten werden. Es dürfe keine zusätzlichen oder neuen Wasserkraft- oder Stauanlagen oder Geschiebesperren geben. Die Unterzeichner fordern zudem eine Befristung auf maximal 20 Jahre im Fall eine Neukonzessionierung. Auch möchten sie, dass Naturschutzvereine und -verbände sowie die Öffentlichkeit am gesamten Verfahren beteiligt werden – Stichwort Transparenz. „Es soll nicht mit Hinterzimmerpolitik die Konzession verlängert werden“, erklärte Mergner. Die Forderungen sehen außerdem Ersatzgelder vor für die bisher durch den Kraftwerksbetrieb entstandenen Beeinträchtigungen des Ökosystems. Um Grundlagen für den künftigen Betrieb zu haben, müssten beispielsweise die Mindestwasserabflüsse ermittelt werden. In Zukunft müssten laut der Forderungen ein ökologisch verbesserter Betrieb des gesamten Systems inklusive der Nebenflüsse gewährleistet sein.

„Wir wollen jetzt Druck aufbauen“

„Wir haben hier eine große Chance am Haken“, sagte Schnell. „Wir wollen jetzt den Druck aufbauen, auch über die Öffentlichkeit“, sagte Schäffler. „Die Zeit haben wir noch. Alle Vereine und Verbände sind bereit, sich einzubringen. Es kann uns gelingen, hier eine Balance herzustellen.“

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