Anna von Boetticher mit dem Kochler Tauchlehrer Frank Bittner. Foto: Manni Klotz

Anna von Boetticher knackt deutsche Bestmarken:

Neue Tauchrekorde am Walchensee

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Walchensee – In der deutschen Apnoetauch-Szene werden zwei neue Rekorde bejubelt: Anna von Boetticher stellte am Freitag und am Samstag am Walchensee zwei neue Süßwasser-Bestmarken auf. In der Disziplin „variables Gewicht“ schaffte sie 60 Meter, in der Disziplin „No Limits“ sogar 70 Meter.

Schafft sie es oder schafft sie es nicht? Die Tauchsportszene war gespannt, ob Anna von Boetticher zwei neue Rekorde aufstellen würde. Die 46-Jährige, geboren und aufgewachsen in Icking, gehört nicht nur deutschlandweit, sondern weltweit zu den Besten der Freitauchszene. Beim sogenannten Apnoetauchen geht man ohne Druckluftflasche ins Wasser, also nur mit angehaltenem Atem. 

Boetticher hat zahlreiche deutsche Rekorde aufgestellt und in vier Weltmeisterschaften dreimal Bronze geholt. Bei ihrem tiefsten Tauchgang gelang ihr mit 125 Metern Tiefe der Weltrekord in der Disziplin „Tandem No Limits“, zusammen mit ihrem Coach und Tauchpartner Andrea Zuccari. Am Walchensee war von Boetticher aber allein im Wasser. Sie brach die bisherigen deutschen Süßwasser-Rekorde in den Disziplinen „variables Gewicht“ (am Freitag) und „No Limits“ (am Samstag). Am Freitag tauchte von Boetticher 60 Meter tief (bisherige Bestmarke: 47 Meter), am Samstag sogar 70 Meter (bisher: 44 Meter). 

 

(Video: Susanne Huber.)
Die Jury bestand aus den Apnoeauchern Ekaterina Romanova und Frank Bittner. Letzterer ist auch Apnoetaucher und -lehrer und betreibt in Kochel eine Tauchschule. Er kennt von Boetticher seit vielen Jahren und lud sie ein, an den Walchensee zu kommen. Bittner konnte auch das benötigte Equipment für den Tauchgang bereitstellen und koordinierte die gesamte Veranstaltung. Die Taucher wurden von Vertretern der Fachpresse begleitet. Die Wasserwacht Walchensee und eine Ärztin waren ebenfalls dabei.

Ausgangspunkt war eine schwimmende Plattform, von der aus von Boetticher ins Wasser glitt. Dabei half ihr ein sogenannter Schlitten – eine mit Blei beschwerte Konstruktion, die an einem vorher auf die entsprechende Tiefe eingestelltem Seil entlang glitt. Die 46-Jährige fuhr alleine in die Tiefe, bis sie spürte, dass der Schlitten unten angekommen war. Dann begann das Aufsteigen. Mehrere Sicherheitstaucher kamen von Boetticher, die einen kleinen Tauchcomputer mit Tiefenmessung am Arm trug, jeweils bis in einer Tiefe von gut 20 Metern entgegen und begleiteten sie auf den letzten Metern bis zur Oberfläche. Für jeden Rekord brauchte die Taucherin jeweils knapp zwei Minuten. 

„Ich öffne erst die Augen, wenn ich unten bin“, sagte sie am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Wasser war sechs Grad kalt. „Wenn man im Walchensee tiefer als 40 Meter taucht, wird es stockfinster und pechschwarz“, sagt sie. „Aber das Wasser ist glasklar.“ Von Boetticher hatte eine LED-Lampe auf ihrer Maske. „Im schwachen Schein sah ich das Seil und den Schlitten.“ 

Im Gegensatz zu den Gerätetauchern besteht bei Freitauchern nicht die Gefahr, dass durch Luftanhalten beim Aufstieg die Lunge verletzt wird. „Natürlich birgt auch diese Sportart Gefahren, die man aber durch Training und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen minimieren kann“, erklärt Bittner. 

Einen solchen Freitauchrekordversuch aufzustellen, erfordert  viel Vorbereitung. Sehr wichtig sind auch die letzten Minuten, bevor es losgeht. „Man muss sich konzentrieren, entspannen, den Puls runterbringen“, sagt Bittner. Anna von Boetticher hat dabei ihre ganz eigene Technik. „Die Wasserwachtler dachten zuerst, ich komme auf ihr Boot und mache eine Stunde Yoga“, erzählte sie lachend. „Aber nein. Damit haben wir nur gescherzt.“ Sie könne am besten abschalten, wenn sie lache und Scherze mache. Am Allerwichtigsten sei für sie aber die Wärme. „Deshalb habe ich mich vorher auch in eine Rettungsdecke gehüllt.“ 

Am Freitag sei es am Walchensee „wirklich ungemütlich“ gewesen. Die Taucherin war schon am 8. Juli angereist, um sich vorzubereiten. Allerdings klappte das Training nicht so wie erwartet: „Es war oft stürmisch.“ Deshalb sei sie auch selbst gespannt gewesen, wie die Rekordversuche laufen würden. „Natürlich kann ich es so oft probieren, wie ich will. Aber man kann nicht zweimal am Tag unter 50 Meter tauchen.“

Neue Tauchrekorde am Walchensee

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