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Autofahrer bremst Radler aus

Ein Radfahrer stürzte vergangenes Jahr am Walchensee über seinen Lenker, weil ein Autofahrer ihn abrupt ausgebremst hatte. Zuvor hatte es ein Wortgefecht gegeben. Jetzt wurde die Sache vor Gericht verhandelt - mit überraschendem Ausgang.

Kochel am See/Wolfratshausen Bei Sonnenschein wollten zwei Freunde im Juli vergangenen Jahres eine Tour mit ihren Mountainbikes um den Walchensee unternehmen. Für einen der beiden endete der Ausflug in der Notaufnahme. Er war über seinen Lenker gestürzt – weil ein Auto den Radfahrer abrupt ausgebremst hatte. Der Mann zog sich eine Schlüsselbeinfraktur zu. Der Autofahrer aus Walchensee musste sich jetzt wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße eingestellt.

Die Anklage klang dramatisch: Erst habe der Autofahrer laut gehupt, als er die nebeneinander fahrenden Radler auf engstem Raum überholt hatte, lieferte sich im Anschluss ein Wortgefecht mit einem der beiden und bremste sie abschließend so stark aus, dass der Fahrer stürzte und sich sein Fahrrad überschlug.

Der 52-jährige Autofahrer räumte alle Vorwürfe – vom Hupen bis zur Diskussion – vorbehaltlos ein. Nur die unvermittelte Vollbremsung nicht. Nachdem er die beiden Radler, die trotz Gegenverkehrs nebeneinander fuhren, beim Überholen laut anhupte, habe er eine Geste gegen sich wahrgenommen – „ein Scheibenwischer oder der Mittelfinger.“ Das wollte der 52-Jährige nicht auf sich sitzen lassen und nahm den Fuß vom Gas. Am geöffneten Fahrerfenster tauschten er und der Radfahrer einige Nettigkeiten aus.

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„Ich weiß, dass ich falsch gehandelt habe, ich hätte einfach weiterfahren sollen“, räumte der Angeklagte ein. Das wollte er am Tattag nach einer kurzen Diskussion auch, bremste allerdings sein Auto nach wenigen Metern voll ab. Der zweite Radfahrer – derjenige, der rechts auf der Straße fuhr und nicht die Diskussion mit dem Autofahrer suchte – verletzte sich bei diesem Bremsmanöver.

Für seine Vollbremsung hatte der Angeklagte aus Walchensee eine Erklärung: „Es war das Auto einer Verwandten. Ich habe ihr die Reifen gewechselt und wollte dann eine Testfahrt machen.“ Da er es gewohnt ist, privat mit einem anderen Automodell zu fahren und zudem dicke, klobige Wanderschuhe getragen hatte, „habe ich beim Schalten aus Versehen die Bremse erwischt“. Als er das bemerkte, habe er schon den Schmerzensschrei des verletzten Radlers gehört.

Der merkt die Auswirkungen des Unfalls noch heute. „Ich habe noch bis August eine Platte und elf Schrauben am Schlüsselbein“, berichtete er von seinen Verletzungen. Der Geschädigte erinnerte sich, dass der Angeklagte direkt nach dem Vorfall aus dem Auto ausgestiegen und sich sofort entschuldigt habe. „Er hat gesagt, dass es ein Versehen war und es ihm leid tut“. Auch im Krankenhaus habe der Fahrer ihn besucht. Auf die Frage, ob der Geschädigte noch Interesse an einer Strafe für den Fahrer habe, antwortete der 53-Jährige: „Kein Interesse, nein.“

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Das Verfahren gegen den Mann aus Walchensee wurde schließlich gegen die Zahlung von 3000 Euro eingestellt. Richter Helmut Berger mahnte: „Das ist eine ganz große Ausnahme.“ Einig waren sich der Richter und alle Aussagenden in einem Punkt: „Die ganze Situation war überflüssig hoch tausend“, meinte Berger. (Dominik Stallein)

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