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Nur noch ein Wrack blieb von dem Kleinbus, der am Pfingstmontag 2015 in einem Wald nahe Walchensee zerschellte. Sechs junge Menschen wurden bei dem schrecklichen Unfall verletzt. Der Fahrer mit mehr als 2,5 Promille Alkohol im Blut wurde jetzt verurteilt.

Unfall mit Kleinbus bei Walchensee

Fahrer verurteilt: „Eine Armada von Schutzengeln im Einsatz“

Walchensee/Wolfratshausen - Sechs junge Menschen überlebten wie durch ein Wunder, als ihr Kleinbus nahe Walchensee regelrecht zerschellte. Jetzt musste sich der Fahrer (22) vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte hatte zum Unfallzeitpunkt mehr als 2,5 Promille Alkohol im Blut. An den Vorfall kann er sich nicht erinnern. „Ich weiß davon nichts mehr, ich bin erst im Krankenhaus in Murnau wieder aufgewacht“, erklärte der Mittenwalder. Gemeinsam mit Freunden hatte er das Countryfestival in Walchensee besucht. Er sei „nur froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist“, sagte der vom Geschehen noch deutlich mitgenommene Zimmerer.

Es war schon nach 7 Uhr in der Früh, als der Beschuldigte das Fest verließ und sich ans Steuer des Toyota setzte. Zwei Freunde stiegen mit ihm in das Auto, in dem sich bereits drei weitere junge Leute zum Schlafen gelegt hatten. Keiner von ihnen hat richtig mitbekommen, was auf der Fahrt Richtung Wallgau passierte. Nach den polizeilichen Ermittlungen muss der Bus auf Höhe des Katzenkopfs gegen einen Bordstein geschrammt sein. Der Fahrer steuerte abrupt nach links gegen. Das Auto schoss durch die Leitplanke, hob wie von einer Sprungschanze ab, flog 30 Meter durch die Luft, touchierte zwei Buchen und blieb schließlich 15 Meter tiefer in einem Bachbett liegen.

„Es ist kaum zu glauben“, sagte die Staatsanwältin, nachdem sie die Unfallfotos angeschaut hatte. „Man kann nur von Glück sagen, dass wir nicht wegen fahrlässiger Tötung in fünf Fällen hier sitzen.“

Nur zwei der sechs Insassen (fünf aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, einer aus der Jachenau) im Alter zwischen 18 und 24 Jahren wurden schwerer verletzt. Der Fahrer selbst erlitt eine Gesichtsschädelfraktur. Seine Freundin (18) musste aus dem Fahrzeug herausgeschnitten werden. Ihr Becken war fünfmal gebrochen, sie lag 23 Tage im Krankenhaus, war sechs Monate krankgeschrieben. Die weiteren Beteiligten krabbelten mit leichten Schrammen aus dem völlig demolierten Auto. Mit drei Rettungshubschraubern waren die jungen Leute ins Unfallkrankenhaus nach Murnau geflogen worden. „Da habt ihr brutales Glück gehabt“, brachte es Richter Helmut Berger auf den Punkt.

Wie der Angeklagte an den Zündschlüssel kam, konnte nicht geklärt werden. Er selbst hatte sich am Vorabend von einem Freund zum Fest fahren lassen („damit ich kein Auto da stehen hab’“). Der eigentliche Fahrer des Toyota, 19 Jahre alt und ebenfalls aus Mittenwald, hatte den Schlüssel im Laufe des Abends einer Bekannten gegeben („damit keiner auf die Idee kommt, zu fahren“).

Richter Berger verurteilte den Mittenwalder zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss der Verurteilte 2000 Euro an den Drogenberatungsverein Condrobs zahlen, der Führerschein bleibt noch 14 Monate eingezogen.

Miteinbezogen in die Gesamtstrafe wurde ein Urteil aus dem letzten Jahr: Wegen versuchtem Raub war der junge Mann zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Auch damals spielte Alkohol eine große Rolle. Seit dem Unfall habe er keinen Tropfen mehr angerührt, versicherte der 22-Jährige.

Rudi Stallein 

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