450 Höhenmeter sind zu überwinden: Diese Kletterroute am Herzogstand ist anspruchsvoll.

Tölzer war an Erschließung beteiligt

Steile, wilde Nordflanke: Die neue Kletterroute am Herzogstand ist nichts für Anfänger

Ist die alpinistische Erschließung der Alpen längst abgeschlossen? Von wegen: Jede Generation Kletterer sucht und findet in den Bergen immer wieder neue Herausforderungen. Sogar am Herzogstand.

Kochel am SeeDank Seilbahnerschließung ist der Herzogstand ein Gipfel, den viele Menschen leicht erreichen können. Doch nur den wenigsten ist klar, dass er auch eine steile, wilde Nordflanke hat.

Dort hat der Münchner Kletterer Daniel Hirsch zusammen mit Ralf Böhme aus Bad Tölz im vergangenen Sommer eine neue Kletterroute erschlossen, die seither zahlreiche Kletterer wiederholt haben. Zu ihnen zählt Uwe Kalkbrenner aus Bad Heilbrunn: „Eine tolle Tour“, schwärmt er. „Wir waren richtig begeistert, dass so etwas praktisch vor unserer Haustüre noch möglich ist.“ Im alten Zebhauer-Kletterführer „Bayerische Voralpen“ wird eine nicht datierte und keinem Erstbegeher zugeordnete Route durch die „Nordostwand“ aufgeführt, die als „brüchig und ausgesetzt“ beschrieben wird. Ihre Erstbegehung erfolgte schätzungsweise in den 1920er-Jahren. Die neue Tour orientiert sich teilweise an dieser Linie. Doch während der oder die Erstbegeher den „Weg des geringsten Widerstands“ verfolgt hatten, sind Daniel Hirsch und Ralf Böhme bewusst auch in Bereiche mit gutem Fels, dafür aber höherem Schwierigkeitsgrad ausgewichen.

Lesen Sie auch: Am Herzogstand - König Ludwig steht persönlich vorm Berggasthof

Dennoch sind die rein klettertechnischen Schwierigkeiten der neuen Route (maximal IV+) vergleichsweise immer noch sehr moderat. Aber das darf keinesfalls zu Fehleinschätzungen verleiten: „Die Tour verlangt große Erfahrung und ist nicht ungefährlich“, sagt Uwe Kalkbrenner. Der Fels sei oft sehr brüchig, und es drohe Steinschlaggefahr. Kommt man in Not, sei eine Bergung mit dem Hubschrauber kaum möglich. Zudem sei die Orientierung schwierig und die Route mit 17 Seillängen undeiner Abseilstelle auch ziemlich lang. Die Erstbegeher haben gebohrte Standplätze und wenige Zwischenhaken eingerichtet.

Neben viel heikler Schrofenkletterei und anspruchsvollem Gehgelände gibt es im oberen Wandteil tatsächlich auch vier Seillängen mit richtig schönem Fels, wo es über die wasserzerfressenen Platten der Gipfelschlucht hinaufgeht. Oben am Ausstieg endet das eindrucksvolle, durchgängig sehr alpine Ambiente dann ganz abrupt: Da steht man plötzlich zwischen vielen verblüfften Wanderern, die mit der Seilbahn und über die zahme Südflanke des Berges heraufgekommen sind. „Die halten uns für verrückt“, meint Daniel Hirsch, „aber damit können wir Bergsteiger ganz gut leben.“

Lesen Sie auch: Wanderer stürzt am Herzogstand vor den Augen seiner Frau in die Tiefe

Auf seiner Internetseite www.bergheimat.net betont Daniel Hirsch, dass die Tour „nichts für Plaisirkletterer“ sei: Anfänger und Gelegenheitskletterer seien hier „total fehl am Platz“. Außerdem sollte man nur bei ganz sicherem Wetter und mit Zeitreserven einsteigen. Bei ihm und auf weiteren Bergsteigerportalen wie www.hikr.org und www.krxln.de findet man übrigens ausführliche Beschreibungen und sehr gute Bildstrecken von dieser wilden Tour.

Die Klettertour „Zum Herzog“ ist nichts für Anfänger

„Nach einem Gespräch mit der Bergwacht Kochel bitten wir, die Tour nicht zu unterschätzen“, schreiben die beiden Erstbegeher bei der Routenbeschreibung ausdrücklich. „Ein Bergwachteinsatz in diesem Gebiet wäre recht problematisch. Anfänger und Gelegenheitskletterer sind hier total fehl am Platz.“ Man solle nur bei sicherem Wetter und ausreichender Zeitreserve einsteigen. Es handle sich um eine alpine Klettertour in teils brüchigem Hauptdolomit, die für reine Felskletterer nicht lohnenswert sei. Der Zustieg erfolgt von der Kesselberg-Passhöhe über den ehemaligen Reitweg in Richtung Herzogstandhäuser bis zum Abzweig des Pionierwegs nach Schlehdorf. Über diesen geht es am Rand der Wiesen ein paar Minuten entlang, um am westlichen Rand steil hinauf den obersten Wiesensporn zu erreichen. Die Wiesenrippe sei ein guter Anseilplatz, so die Experten. Als Abstieg wird der Wanderweg empfohlen. Für Kletterer noch wichtig zu wissen: „Friends“ und Keile sind nicht einsetzbar.

Rainer Bannier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das Mehrgenerationenhaus in Wackersberg nimmt Gestalt an
Es ist ein Vorzeigeprojekt, das jetzt immer mehr Gestalt annimmt: das Mehrgenerationenhaus in Oberfischbach. Jetzt wird eine passende Gemeinschaft gesucht.
Das Mehrgenerationenhaus in Wackersberg nimmt Gestalt an
„Unmenschlich und entwürdigend“: Mann (21) wird nach Afghanistan abgeschoben - er war noch nie dort
Die Abschiebung eines 21-Jährigen aus Bad Tölz nach Kabul sorgt für große Betroffenheit in Helferkreisen. Der junge Mann war zuvor noch nie in Afghanistan.
„Unmenschlich und entwürdigend“: Mann (21) wird nach Afghanistan abgeschoben - er war noch nie dort
Veranstaltung im Kurhaus weckt Vorfreude auf die Wintersportsaison
Unter dem Motto „Dein Winter. Dein Sport – regional“ diskutierten Profis aus Wintersport, Tourismus und Wissenschaft im Kurhaus über die Zukunft des Skifahrens. 
Veranstaltung im Kurhaus weckt Vorfreude auf die Wintersportsaison
Christlicher Bauernverein Lenggries: Es bleibt beim „Bauernmontag“
Der Christliche Bauernverein Lenggries hält seinen Jahrtag traditionell immer an einem Montag ab. Ist das noch zeitgemäß? Immerhin gehen heute viele Landwirte …
Christlicher Bauernverein Lenggries: Es bleibt beim „Bauernmontag“

Kommentare