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Unter dem Motto „Uns stinkt‘s“ gingen die Anwohner auf die Straße.

„Uns stinkt‘s“

Walchenseer gehen auf die Straße: Demo am See gegen Massenansturm aus München

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Der Walchensee bei Kochel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Verkehrschaos und Müll sorgen für Ärger bei den Anwohnern. Nun wird demonstriert.

Update vom 13. Oktober, 17 Uhr:

Für eine Demonstration gegen den Massenansturm am See hätte der Tag nicht besser gewählt sein können: Bereits um 9.20 Uhr war der Großparkplatz der Herzogstandbahn wegen Überfüllung geschlossen, und die Ausflügler suchten sich – wie immer an solchen schönen Tagen – „alternative“ Parkflächen. Als vor der angekündigten Demo ab 11.15 Uhr immer mehr Menschen mit kreativ gestalteten Plakaten am Café Bucherer erschienen, waren die Organisatoren sprachlos: „Es freut uns ungemein, dass so viele unserem Aufruf gefolgt sind“, sagte Freie-Wähler-Gemeinderat Reinhard Dollrieß in seiner Begrüßungsrede. Unter den Teilnehmern waren auch Vorstandsmitglieder der Kochler SPD sowie Bürger aus Jachenau, Wallgau und Krün. 

Hilde Reindl und Karl Asenstorfer.

Auffallend war, dass die Demonstranten sich nicht per se gegen Tourismus aussprachen. Sie zogen viel mehr zu Felde gegen „rücksichtslose Besucher“ (Mit-Organisator Frank Sommerschuh), die zum Beispiel Hauseinfahrten zuparken, Müllberge hinterlassen oder nachts in verbotenen Bereichen campieren. Die Bürger fordern mehr Kontrollen von den Behörden und hohe Strafen, etwa für Wildparker am Südufer. Man wolle, dass „den Ignoranten der Straßenverkehrsordnung der Kampf angesagt werde“, forderte Sommerschuh in seiner Rede und erntete dafür lautstarke „Bravo“-Rufe. „Wir schätzen unsere Gäste“, sagte Sommerschuh. „Aber wen wir nicht schätzen, sind Gäste, die sich nicht zu benehmen wissen.“

Bürger: „Wir wollen uns wehren“

Mit diesen Worten sprach Sommerschuh den Teilnehmern aus dem Herzen. Gekommen waren Menschen aller Altersstufen, von jungen Familien mit Kinderwagen bis hin zu Senioren. „Wir wollen uns wehren. Schweigen ist keine Lösung“, sagte Christine Knausenberger. Sie fordert, dass nach „den vielen Worten am Runden Tisch endlich Taten folgen müssen“. Hilde Reindl ärgert sich seit Jahren über die Falschparker in den Wohnstraßen oder am Südufer. Weise man diese daraufhin, „wird man massiv angepöbelt“. Ihr Mann sei sogar schon bedroht worden. Reindl verlangt mehr Präsenz von den Behörden und viel höhere Geldstrafen. Karl Asenstorfer pflichtet ihr bei: „Nur über den Geldbeutel kann man die Leute erziehen“, sagt der Betreiber des „Café am See“ aus Urfeld. Als die Demonstranten eine knappe Stunde mit Transparenten, Trillerpfeifen und Sprechchören zum Gasthaus Edeltraut marschierten, stand der Verkehr fast still. 

Christine Knausenberger

Fast alle Auto- und Motorradfahrer tragen es mit Fassung

Die vielfach überraschten Auto- und Motorradfahrer trugen es größtenteils mit Fassung: „Den Ärger kann man schon nachvollziehen“, sagte ein Motorradfahrer aus Donauwörth, und ein anderer Biker aus Karlsruhe bezeichnete die Plakate als „gut und vernünftig“. Es gab aber auch ungeduldige Fahrer, vor allem in der langen Schlange hinter dem Zug. In dieser mussten auch die Reisenden in einem RVO-Bus ausharren. In den Reihen der Demonstranten gingen auch Bürgermeister Thomas Holz und sein Stellvertreter Thomas Eberl (beide CSU). 

Für die Gemeinde hatte es eingangs Applaus gegeben, weil bald öffentliche Toiletten-Häuschen am Badestrand aufgestellt werden. „Damit ist eine unserer Forderungen erfüllt“, sagte Sommerschuh. 

Das sagt die Gemeinde

Andere Punkte seien nicht so einfach zu erfüllen, sagte Holz im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Etwa die Forderung, „Falschparker wie in Tirol zu bestrafen“. „In Österreich gelten ganz andere Gesetze.“ In Deutschland sei dafür nicht die Gemeinde, sondern der Bund verantwortlich, etwa bei der Straßenverkehrsordnung. Die am Runden Tisch besprochenen Punkte werden jetzt im November mit den verantwortlichen Ministerien besprochen, so Holz. Die Durchgangsstraße B 11 werde man immer haben. „Aber es wäre uns schon geholfen, wenn die B 11 nicht als Umleitung empfohlen wird, wenn die Autobahn nach Garmisch dicht ist.“ Zusammen mit der Gemeinde Jachenau wird Kochel demnächst im Kreishaushalt den Antrag stellen, am Walchensee „eine ausreichende Zahl an Rangern“ für 2020 zu beschäftigen. Die Walchenseer werden das aufmerksam verfolgen. „Wir bleiben am Ball“, sagte Sommerschuh nach der Demo. Denkbar sei, eine Versammlung einzuberufen, in der Bürger die Probleme ansprechen können. „Uns ist schon klar, dass die Gemeinde für einiges nicht zuständig ist“, sagte Sommerschuh. „Aber sie kann verschiedene Dinge auf höheren Ebenen anstoßen.“

Update vom 13. Oktober, 13.45 Uhr

Die Demo ist vorbei. Die Teilnehmerzahl war höher als erwartet. Eindrücke im Video:

Unter dem Motto „Uns stinkt’s“ werden am Sonntag die Bürger in Walchensee auf die Straße gehen. Wie berichtet, beginnt um 11.15 Uhr eine Demonstration gegen Verkehrsbelastung und die Folgen des Massentourismus am Walchensee. „Wir rechnen mit rund 80 Teilnehmern“, sagt Frank Sommerschuh vom Organisatorenteam auf Nachfrage des Tölzer Kurier.

Am Donnerstagabend hatten sich die Walchenseer zu einem Info-Abend getroffen, um die Veranstaltung vorzubereiten. Mit dabei war auch Bürgermeister Thomas Holz. Sommerschuh berichtet von einem „konstruktiven Austausch“: „Es ging auch darum, dass die Gemeinde daran arbeitet, die Toilettenhäuschen zu erneuern.“ Die Demonstranten werden nach einer Kundgebung am Café Bucherer entlang der Bundesstraße durch den Ort zum Gasthaus Edeltraut marschieren.

Protest in Walchensee: Verkehrsbehinderungen möglich

Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen, aber das ist den Teilnehmern gerade recht: „Wir wollen das schöne Wetter ausnutzen.“ Man wolle sich für eine gute Zukunft Walchensees einsetzen – sowohl für die Bürger als auch für Feriengäste, die am See ihren Urlaub verbringen.

Bericht vom 9. Oktober: Walchenseer Bürger demonstrieren gegen Massenansturm

Walchensee – Mit einer Demonstration wollen am Sonntag, 13. Oktober, Bürger in Walchensee auf Probleme hinweisen, die ihnen unter den Nägeln brennen: Die große Verkehrsbelastung, die Parkplatz- und die Toiletten-Situation für Ausflügler sowie die Müllentsorgung am See. Die Demonstration beginnt um 11.15 Uhr am Café Bucherer mit einer Kundgebung. Dann laufen die Teilnehmer mit Transparenten und Bannern über die Bundesstraße bis zum Gasthof Edeltraut.

„So wie es jetzt ist, kann es einfach nicht weitergehen“, sagt Frank Sommerschuh, der die Demo zusammen mit Julia Schuster vom Café Bucherer und Rainer Dollrieß von den Freien Wählern organisiert hat. Zur Vorbesprechung findet am Donnerstag, 10. Oktober, um 18 Uhr ein Info-Abend im Café Bucherer statt.

„Uns stinkt‘s“: Protest in Walchensee sorgt für Kontroversen

Die Ankündigung der Demo habe im Dorf für Diskussionen gesorgt, weiß Sommerschuh: „Die einen finden das gut, die anderen nicht.“ In den vergangenen Wochen habe es ja einen Runden Tisch zum Thema Walchensee gegeben. „Aber wir haben Sorge, dass versucht wird, manche Probleme auszusitzen, wenn in Walchensee jetzt im Winter wieder Ruhe einkehrt“, sagt Sommerschuh. Man wolle „aufrütteln“.

Demonstration in Walchensee: „Sogar Rettungsgassen zugeparkt“

Die Themen, die der Gruppierung wichtig sind, drehen sich um Verkehr und Massentourismus. „Die Parkplatzsituation ist an vielen Tagen verheerend. Selbst Wiesen, Privatwege und Rettungsgassen sind zugeparkt“, sagt Sommerschuh. Während man an der Strandpromenade am Kochelsee neue Toilettenhäuschen errichtet habe, gebe es am Walchensee „noch immer die furchtbaren Dixie-Klos“. Zudem würden die Mülleimer immer wieder überquellen.

Probleme in Walchensee: Tirol als Vorbild

Wie könnte man die Probleme lösen? Sommerschuh nennt ein Beispiel aus Leutasch in Tirol: „Dort gibt es viel mehr Kontrollen, und Falschparker werden schon mit Schildern auf die hohen Gebühren aufmerksam gemacht.“

Wie viele Teilnehmer am Sonntag kommen, vermag Sommerschuh nicht abzuschätzen: „Jeder Bürger aus Walchensee ist jedenfalls eingeladen.“

Protest am Walchensee: Bürgermeister will „aufrütteln“

Auch Bürgermeister Thomas Holz wird zu der Demonstration kommen, sagt er auf Anfrage. Die Verkehrsbelastung zu reduzieren, sei auch eine seiner Forderungen. „Denn so kann es nicht weitergehen.“ Bezüglich der Toiletten habe man beim Wikingermarkt eine neue ökologische Variante getestet (wir berichteten). „Wir kennen diese Forderungen und arbeiten an einer Lösung“, sagt der Bürgermeister.

In Bezug auf die Müllsituation hofft der Bürgermeister, dass die Demonstration jene Menschen erreiche, die ihren Abfall nicht mehr mit nach Hause nehmen: „Sie müssen aufgerüttelt werden, damit sie ihr Verhalten anpassen“, so Thomas Holz.

„Over-Tourism“ am Walchensee: Problem schon lange bekannt

Der Bürgermeister von Jachenau, Georg Riesch, hatte sich ebenfalls schon für eine Lösung des „Over-Tourism“ am Walchensee ausgeprochen und mit radikalen Konsequenzen gedroht. Im August waren Bilder vom Walchensee aufgetaucht, die den Müll und die teils ekligen Hinterlassenschaften mancher Besucher zeigten. Dies zeigte das Problem besonders deutlich, da die zuständigen Dienstleister aufgrund des Massensansturms von Touristen einfach nicht mehr mit der Säuberung hinterherkamen. Hinzu kommt, dass einige Gäste sich scheinbar nicht zu benehmen wissen. So kam es vor Kurzem zu einem kuriosen Vorfall, bei dem eine Österreicherin eine andere Frau am Ufer des Walchensees attackierte - und ds aus einem völlig absurden Grund.

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