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Ein Dixi-Klo und eine Müllhalde auf der Wiese nach einem langen Badetag - warum nehmen die Leute ihr Zeug nicht wieder mit?

„Beschwerden gingen unter die Gürtellinie“

Nach Ekel-Alarm am Walchensee: Badegäste müllen Toiletten zu - und beschweren sich dann

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Die Gemeinde Kochel regiert jetzt auf die Aufregung um die Bilder von zugemüllten und vollgestopften Dixi-Klos.

+++ Update vom 23. August +++

Walchensee - Die Gemeinde Kochel stellt am Walchensee zusätzliche mobile Toilettenhäuschen auf. Damit reagiert das Rathaus auf die Aufregung um zugemüllte und verstopfte Dixi-Klos. Die Zustände dokumentiert hatte zuletzt die Wasserwacht – die Bilder wurden in den sozialen Medien hundertfach weiterverbreitet und kommentiert. 

Das Vorgehen, an den großen Badeplätzen im Gemeindegebiet Mobil-Toiletten aufzustellen, sei „keine Ideallösung“, räumt Bürgermeister Thomas Holz in einer Pressemitteilung ein. Es habe aber „bislang weitestgehend funktioniert“. 

Heuer aber „verwechseln rücksichtslose Nutzer die Kabinen leider immer öfter mit Müllentsorgungsstationen, sodass diese ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen können“. Klagen darüber gingen auch im Rathaus ein – zumal Unbekannte an einem Dixi-Klo einen Zettel mit der Aufforderung angebracht hatten, Reklamationen seien an die Gemeindeverwaltung zu richten. 

Laut Holz gingen die Beschwerden „teilweise unter die Gürtellinie“ – obwohl es es sich bei den Toiletten doch „um eine reine Service-Leistung“ handele, zu der die Gemeinde nicht verpflichtet sei, wie Rathaus-Geschäftsführerin Nicole Lutterer ergänzt.

Dienstleister kann Toiletten am Walchensee nicht häufiger leeren

Die Lage zu verbessern, bezeichnet Holz als „schwieriges Unterfangen“. „Einfach mehr Kabinen aufzustellen führt nicht zum Ziel, da dann alle gleichermaßen verdreckt werden“, meint er. Eine häufigere Leerung der Toiletten könne der aktuelle Dienstleister für Sanitäranlagen personell gerade nicht stemmen. Andere Unternehmen wiederum weigerten sich, die Anlagen fremder Anbieter zu reinigen. 

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Die kurzfristige Lösung sieht nun so aus, dass „an den am meisten belasteten Stellen“ weitere Toilettenhäuschen aufgestellt werden. Sie werden aber erst dann geöffnet, wenn die anderen Dixi-Klos voll sind und daher gesperrt werden. Geleert und gereinigt werden dann alle zum Ende der Woche. „Das ist ein Test. So soll gewährleistet werden, dass zum Wochenende sowie zum Start in die Woche stets saubere Toiletten zur Verfügung stehen“, sagt Holz. Bislang gibt es zum Beispiel im Ort Walchensee drei Dixi-Klos, zwei davon in der Nähe des Wikingerdorfs „Flake“, eines am anderen Ende der Ortschaft. 

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Für die Zukunft schwebt Holz eine größere stationäre Toilettenanlage vor. Eine schon weit gediehene Idee auf Privatgrund im Bereich Seestraße habe sich vorerst zerschlagen. Über eigene Grundstücke im Bereich der Badeplätze verfüge die Gemeinde nicht. Deswegen stünden nun weitere Gespräche an. Holz erklärt, dass das Vorhaben wegen der hohen rechtlichen Anforderungen an die Abwasserentsorgung in Ufernähe komplex sei.

Der ursprüngliche Bericht vom 20. August

Walchensee/Jachenau – Vom Walchensee kommen normalerweise wunderschöne Bilder – doch die Fotos, die sich seit Sonntag über die sozialen Medien verbreiten, sind alles andere als angenehm anzuschauen: Die Wasserwacht Walchensee hat auf Facebook und Instagram den Müll-Wahnsinn vom Seeufer dokumentiert. Die Beiträge wurden hundertfach kommentiert und geteilt und erreichten weit über 10.000 Menschen.

„Was für ein schöner Tag! Aber Leute. . . warum müsst ihr euren Müll bei uns abladen oder auf den Boden werfen? Ihr kommt hierher, weil es so schön ist – dann tut doch auch das Eure dazu und nehmt euren Müll wieder mit nach Hause, damit es auch schön bleibt!“, schreibt die Wasserwacht auf Facebook.

Badegäste am Walchensee werfen Müll in die Büsche oder über die Hecke zur Wasserwacht

Die dazugehörigen Bilder von kunstvoll auf einer Hundetoilette aufgestapeltem und auf dem Boden verstreutem Müll sprechen Bände. Besonders unschön ist ein Foto aus einem Dixi-Klo, wo vom Einweggrill über einen Einweg-Kaffeebecher bis zur Bananenschale allerlei auf dem Boden aufgehäuft ist und auch die Kloschüssel schier überläuft mit Dingen, die dort nicht hineingehören beziehungsweise hinuntergespült gehören.

Aufgetürmter Müll: Dieses und weitere Bilder vom Walchensee erregen Unmut. 

Laut Wasserwacht-Chef Alois Grünwald ist dieser Anblick trauriger Alltag. „Der Müll wird überall in die Büsche geschmissen“, beklagt er. Auch auf dem Gelände der Wasserwachtstation finde er ständig Abfall, der über die Hecke geworfen wurde. Und einige Badegäste würden sogar ihr großes Geschäft auf dem Areal erledigen.

Frau kugelt sich am Walchensee die Schulter aus: Rettungsdienst dringt nur langsam zur Einsatzstelle vor 

Am Sonntag habe sich zudem die Situation wiederholt, dass der Rettungsdienst nur schwer zu einem Einsatz am Südufer vordrang. „Eine Frau hat sich im Wasser die Schulter ausgekugelt“, sagt Grünwald. Der Rettungswagen aus Kochel habe erst auf dem Kesselberg im Stau gestanden und sei dann auf der zugeparkten Mautstraße „nur in Schrittgeschwindigkeit vorangekommen“.

Ein weiteres Frusterlebnis hatte Grünwald, als die Wasserwacht Badende auf der streng geschützten Insel Sassau auf das Betretungsverbot hinwies. „Wir haben dann zu hören bekommen: ,Das ist doch an den Haaren herbeigezogen, was wollt Ihr?“

Feuerwehr und Ranger nehmen am Walchensee Camper ins Visier

Neben der Wasserwacht bescheren die Auswüchse am Walchensee noch weiteren Ehrenamtlichen zusätzliche Arbeit: Seit Kurzem gehen abwechselnd Freiwillige der Feuerwehren Walchensee und Jachenau zusammen mit Isar-Rangern auf nächtliche Streife. Die Tour, bei der der Walchenseer Kommandant Klaus Melf am Samstag dabei war, dauerte von 22 bis 3.30 Uhr am nächsten Morgen. „Die Ranger erklären alles sehr gut und bleiben ruhig“, sagt Melf. „Da braucht man schon gute Nerven.“

Entsprechend hätten auch viele Personen, die angesprochen wurden, einsichtig reagiert. Die – auch in der Grillschale – verbotenen Feuer hätten sie gelöscht oder ihre Wohnmobile, die gegen das Nachtparkverbot verstießen, weggefahren. Einzelne seien uneinsichtig gewesen, hätten gar mit dem Anwalt gedroht. Die Ranger hätten dann die Polizei angerufen und den Hörer an die widerspenstigen Camper weitergereicht.

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Standard sei es, dass die Ranger Führerschein oder Ausweis fotografieren und ans Landratsamt weiterleiten. Die Untere Naturschutzbehörde kann dann Verfahren einleiten. Wie viele Camper da waren, hat Melf nicht mitgezählt. Um die 30 bis 40 könnten es aber gewesen sein, meint er. Zudem entdeckte die Patrouille fünf Feuerstellen oder Grills.

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Ähnlich fällt die Bilanz des Jachenauer Kommandanten Andreas Demmel nach zwei Einsätzen aus. Am Mittwoch vor Mariä Himmelfahrt sowie am vorangegangenen Freitag seien 34 oder 35 Verstöße gegen das Nachtparkverbot festgestellt worden. „Feuer war dagegen fast kein Thema“, sagt Demmel. Von der Reaktion der Ausflügler „war ich eigentlich positiv überrascht“, sagt der Kommandant. „Bis auf ein oder zwei schwarze Schafe haben alle die Platzverweise akzeptiert und sind ohne zu murren weggefahren.“

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Einig sind sich Melf und Demmel, dass die Nachtschichten für die Feuerwehr nur eine Übergangslösung sein könnten, bis das Landratsamt kommendes Jahr hoffentlich mehr bezahlte Ranger einstelle. „Die Bereitschaft ist bei uns da, weil es auch unsere Heimat ist“, sagt Demmel. „Aber als Ehrenamtlicher muss ich sagen, dass es eigentlich nicht unsere Aufgabe ist und wir das auf Dauer nicht leisten können.“

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