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Weihbischof Wolfgang Bischof

Weihbischof sauer nach Leonhardi-Exzess

Bad Tölz - Der Leonhardi-Ritt am Samstag in Bad Tölz glich teils einem regelrechten Saufgelage. Weihbischof Wolfgang Bischof zeigt sich sauer und sagt im tz-Interview: "Das darf nicht mehr passieren."

Da taumelten Betrunkene ineinander, da gab’s Schlägereien, da wurde eine Alkohol-Leiche nach der anderen verarztet: Der Leonhardi-Ritt am Samstag in Bad Tölz glich teils einem regelrechten Saufgelage. Die Folge: Jetzt denkt die Kreisstadt sogar über ein Alkoholverbot am Kalvarienberg nach!

„Diese Ausschreitungen haben ein schlechtes Licht auf Bad Tölz geworfen“, war gestern aus dem Rathaus zu hören. Und das vor hohem Besuch: Erzbischof Reinhard Marx und der für Tölz zuständige Weihbischof Wolfgang Bischof waren zu der Wallfahrt angereist. Wie reagiert nun die Kirche auf die Exzesse? Die tz besuchte den Weihbischof und sprach mit ihm über die Vorfälle:

Herr Weihbischof, was sagen Sie zu den Ausschreitungen bei der traditionellen Leonhardifahrt in Bad Tölz?

Weihbischof Wolfgang Bischof: Ich bin sehr betroffen. Es sollte alles unternommen werden, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Hier fehlte bei manchen das Verständnis für eine Wallfahrt, bei der es darum geht, seine Anliegen vor Gott zu bringen und den Segen zu erhalten.

Es gab Schlägereien und zig Alkoholleichen …

Wolfgang Bischof: Leider. Was mich mit Sorge erfüllt, ist das generelle Phänomen, dass mittlerweile große Veranstaltungen – seien es geistliche oder weltliche – oft zum reinen Vergnügen missbraucht werden. Da geht es nur noch ums Happening. Der eigentliche Anlass rutscht in den Hintergrund.

Die Stadt Bad Tölz denkt sogar über ein Alkoholverbot bei der Feier nach.

Wolfgang Bischof: Wir werden natürlich mit der Stadt zusammenarbeiten und unsere Hilfe anbieten, wenn es um Verbesserungen geht. Verbote lösen das eigentliche Problem aber nicht immer. Und wir Katholiken sind ja nicht weltfremd. Zu Leonhardi gehört auch die Geselligkeit, auch ein Schnaps, wenn es recht kalt ist. Die Frage stellt sich aber nach dem Maß.

Viele Jugendliche waren schon morgens betrunken…

Wolfgang Bischof: Da geht es um die persönliche Sinnfrage. Die Alkohol-Exzesse sind ein Problem unserer Zeit. So etwas geschieht, wenn Jugendliche flüchten, weil nichts Rechtes mit sich anzufangen wissen. Es fehlt ihnen das Verständnis für Prioritäten. Hier können wir ihnen helfen, ein neues Bewusstsein zu entwickeln.

Was bedeutet das für die Leonhardifahrt?

Wolfgang Bischof: Wir sollten verstärkt darauf achten, dass wieder verbindlich gilt: Erst kommt das Geistliche, dann das Weltliche – und beide Seiten stehen in einem sinnvollen Miteinander.

So mancher spricht nach den Ausschreitungen gar von einem Werteverfall.

Wolfgang Bischof: So pessimistisch bin ich nicht. Denn wir dürfen nicht vergessen: Es waren ja viele, viele Wallfahrer da, die andächtig an der Veranstaltung teilgenommen haben. Die kamen, um zu beten, den Segen Gottes zu erhalten und sich mit anderen Gläubigen auszutauschen. Die schöne Tradition der Leonhardifahrt wird sicher weiter bestehen.

Armin Geier

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