+
In die frühere Leonardisklinik in Bad Heilbrunn sind mittlerweile 40 eh emalige Bewohner des Tölzer „Jodquellenhofs“ umgezogen. 

Sachstand Asyl

Weniger Neuzugänge, alte Probleme

  • schließen

Derzeit kommen mit zehn bis 20 Menschen pro Woche deutlich weniger Asylbewerber im Landkreis an als noch vor einem Jahr. Trotzdem steht das Landratsamt weiterhin vor großen Herausforderungen. Die wohl größte: Die Bleibeberechtigten auf dem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt unterzubringen.

Bad Tölz-Wolfratshausen–Zumal der Anteil der anerkannten Flüchtlinge steigt. Schon jetzt machen sie laut dem aktuellen Sachstandsbericht Asyl ein Drittel der Flüchtlinge aus, die in Asylunterkünften im Landkreis leben. Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer zufolge werden diese 606 „Fehlbeleger“ weiterhin in den staatlichen Unterkünften geduldet, weil sie keine Wohnung finden. „Niemand muss befürchten, obdachlos zu werden“, sagt Peischer.

Zusätzlich verschärft wird das Problem dadurch, dass die Behörde momentan noch nicht abschätzen kann, wie viele Flüchtlinge ihre Verwandten nachholen werden. „Familiennachzug ist nicht planbar, da er von vielen Faktoren abhängig ist.“ Prinzipiell hat aber jeder anerkannte Asylbewerber drei Monate lang das Recht, seine Verwandten zu sich zu holen. Wie viele Personen das maximal sein dürfen, ist nicht festgelegt. Das Landratsamt rechnet damit, dass in den kommenden Monaten viele auf diesem Wege in den Landkreis kommen werden.

Und auch sonst dürften künftig wieder mehr Asylbewerber den Weg in die Region finden. Denn rein rechnerisch gibt es zirka 2600 Plätze im Landkreis, wenn die Regierung von Oberbayern heuer nach und nach alle Gemeinschaftsunterkünfte übernimmt. Auf die Belegung hat der Landkreis dann keinen Einfluss mehr.

Zum Stichtag 9. Mai lebten 1787 Asylbewerber im Landkreis. 556 Menschen davon sind Kinder unter 18 Jahren. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Afghanistan (526), gefolgt von Nigeria (206) und Syrien (71). Die Asylbewerber verteilen sich auf 152 Liegenschaften. Die Regierung von Oberbayern betreibt die Gemeinschaftsunterkünfte (GU) an der Peter-Freisl-Straße und an der Anton-Höfter-Straße in Tölz, an der Jahnstraße in Geretsried sowie Am Loisachbogen und an der Heimgartenstraße in Wolfratshausen. Die ehemalige Leonardis-Klinik in Bad Heilbrunn und die Filigranhalle in Geretsried werden noch vom Landratsamt betrieben. Wann die Unterkünfte an die Regierung übergeben werden, steht noch nicht fest.

Peischer glaubt aber nicht, dass in den nächsten Monaten tatsächlich weitere 800 Flüchtlinge dazukommen. Denn aus Rücksicht auf die individuelle Situation der Menschen werden die Zimmer in den Unterkünften zum Teil nicht vollständig belegt. „So kann es durchaus vorkommen, dass ein Fünf-Bett-Zimmer mit nur drei Personen belegt ist“, sagt Peischer mit Blick auf Familien.

Im „Jodquellenhof“ in Bad Tölz leben inzwischen übrigens keine Asylbewerber mehr. 84 davon sind nach Auskunft der Regierung in die neue Gemeinschaftsunterkunft an der Anton-Höfter-Straße umgezogen, wo es insgesamt 165 Plätze gibt. 40 weitere ehemalige Bewohner des „Jodquellenhofs“ wurden in die ehemalige Leonardis-Klinik nach Bad Heilbrunn verlegt.

Wie berichtet hatten sich im Vorfeld 660 Heilbrunner in Unterschriften-Listen eingetragen, um eine Belegung zu verhindern. Laut Ingrid Spindler, der Vorsitzenden des örtlichen Helferkreises, läuft es nun aber „ganz gut“. Viele der Flüchtlinge seien bereits anerkannt und bräuchten nicht mehr so viel Unterstützung. „Ich habe nichts Negatives gehört.“

Wie sich die Situation in der Region entwickelt, vermag das Landratsamt nicht zu sagen. „Für 2017 ist es schwierig, brauchbare Prognosen über die tatsächlich zu erwartenden Flüchtlingszahlen anzustellen“, sagt Peischer. Deshalb will die Behörde auch nicht voreilig Platzkapazitäten abbauen. Man müsse eine Balance finden zwischen Leerstand und Notstand.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unter neuer Führung in die fünfte Jahreszeit
Für viele ist sie noch weit entfernt, beim Maschkeraverein Bichl aber hat die fünfte Jahreszeit schon begonnen. „Lassts’es kracha, lasst’es fliangn“, rief Bürgermeister …
Unter neuer Führung in die fünfte Jahreszeit
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Montagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Montagabend
Schneeglätte: Drei Unfälle
Die winterlichen Straßenverhältnisse wurden am Sonntag drei Fahrern zum Verhängnis. Bei den drei Unfällen entstand über 30 000 Euro Sachschaden.
Schneeglätte: Drei Unfälle
Ein Hauch Rotlichtmilieu in der Heimatbühne
Es ist eine Geschichte, wie man sie häufig in der Zeitung lesen kann: Von einem, der alles hat, aber noch mehr haben will und zum Schluss ganz tief fällt: die …
Ein Hauch Rotlichtmilieu in der Heimatbühne

Kommentare