+
Der Blütenstand der Wetterkerze zeigt Sepp Haslinger wie der kommende Winter wird.

Benediktbeurer liest die Königskerze

Sepp Haslinger: So hart wird der Winter 2015/2016

  • schließen

Benediktbeuern - Er ist der Mann mit der Königskerze - und er weiß, wie der Winter wird: Sepp Haslinger hat für den Tölzer Kurier seine "Wetterkerze" gelesen. Das Ergebnis gibt's im Video.

Es wird ein langer schneereicher Winter. Zum ersten Mal schneit’s Mitte Oktober, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ergiebig. Und der Schnee bleibt lange. Bis Ostern. Und das ist 2016 erst Ende März. So lautet zumindest die Prognose vom Haslinger Sepp aus Benediktbeuern. Woher er das weiß? Der ehemalige Hüttenwirt „liest“ jedes Jahre die Königskerze. Aus deren Blütenstand um Mariä Himmelfahrt herum will der 73-Jährige erkennen, wie viel Schnee der kommende Winter bringt. Und Haslinger fühlt sich durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre bestätigt.

Sepp Haslingers Königskerze: "Meine Vorhersage war schon richtig"

Dass der Tölzer Kurier im vergangenen Winter seine Prognose als falsch bezeichnet hat, wurmt Haslinger immer noch. Er hatte einen schneearmen Winter vorhergesagt, dann aber schneite es in und um Tölz schon recht ergiebig. „Nein, nein, meine Vorhersage war schon richtig“, sagt Haslinger. Im Loisachtal – und da stehen die Wetterkerzen, die er liest – habe nicht viel Schnee gelegen. „Und wenn war’s nur Pulverschnee. Und das ausgerechnet Tölz in eine Schneeschneise liegt…“ Aber nirgendwo habe eine Straße wegen Lawinengefahr gesperrt werden müssen, führt Haslinger an. Ein deutliches Zeichen für einen schneearmen Winter.

Und der Benediktbeurer hat noch einen Beleg für die Richtigkeit seiner Vorhersage. Ein Fuhrunternehmer aus Kempten habe ihn 2014 angerufen und gefragt, wie viele Leute er für den Winterdienst einstellen solle. „Ich hab‘ gesagt, halb so viel wie im Jahr davor. Heuer hat er mich wieder angerufen und gesagt: ,Das war genau richtig.‘“

Winter laut Sepp Haslingers Königskerze: Dann kommt der Schnee

Jetzt lautete der Rat Haslingers an den Unternehmer freilich anders: „Heuer wird er wieder deutlich mehr Leute brauchen.“ Haslinger zeigt auf die vielen Blütenstände der Königskerze. „Der erste Schnee kommt mit Sicherheit in der zweiten Oktoberhälfte.“ Da im unteren Teil des Gewächses aber auch ein paar nicht aufgeblühte Knospen sind, glaubt Haslinger, „dass es zwischendurch natürlich auch einige goldene Oktobertage gibt“. Die Leonhardifahrten Anfang November würden aber auf jeden Fall im Schnee stattfinden. Das gilt auch für den Benediktbeurer Christkindlmarkt am 2. Adventssonntag. „Die werden die Dächer an den Standl abstützen müssen, sonst brechen die zusammen“, scherzt der 73-Jährige. Weihnachten dagegen könnte milder werden. „Wenn wir viel Sonne haben, könnte der Schnee über die Feiertage schon um einiges weniger werden.“ Aber noch im alten Jahr beginne es dann wieder zu schneien. „Und der Schnee bleibt dann bis Ostern liegen. Ich glaube, die Skiliftbetreiber werden sich mit dem Thema Kunstschnee eher nicht befassen müssen.“

Viele würden seinen Rat suchen, sagt Haslinger. Neben dem Räumdienst-Vertreter aus Kempten rufe ihn auch immer der Betreiber einer Rodelbahn in Garmisch-Partenkirchen an – genauso wie ein „Streusalz-Tandler“, der wissen wolle, wie viel Salz er einlagern müsse. „Viele, die anrufen, wollen aber auch wissen, wie man die Königskerze liest“ – oder erzählen ihm, wie die Königskerze in ihrem Garten aussieht. Wer es übrigens selbst einmal probieren will, muss unbedingt darauf achten, wie richtige Kerzen-„Art“ zu erwischen.

Für Wettervorhersagen eignet sich nämlich nur die kleinblütige Königskerze, Verbascum thapsus. Sogar zu einem Vortrag vor angehenden Botanikern sei er bereits eingeladen worden, berichtet Haslinger. Und auch der eine oder andere Tourist im Loisachtal macht sich auf die Suche nach dem Haslinger Sepp, dem Mann, der weiß, wie der Winter wird.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BMW-Fahrer rast Max (14) tot - Augenzeuge beschreibt dramatischen Moment 
Unglaubliche Szenen spielten sich in der Nacht des 15. November in München ab. Ein Autofahrer raste in eine Gruppe Jugendlicher. Ein 14-Jähriger kam dabei ums Leben.
BMW-Fahrer rast Max (14) tot - Augenzeuge beschreibt dramatischen Moment 
Trotz gültiger Fahrkarte: Frauen werden in BOB zu Schwarzfahrern - „Verlieren mit uns zwei weitere Kunden“
Eine Fahrt mit der BOB von München nach Lenggries endete für eine Gruppe Frauen aus dem Isarwinkel alles andere als schön. Sogar die Polizei wurde geholt. Die BOB …
Trotz gültiger Fahrkarte: Frauen werden in BOB zu Schwarzfahrern - „Verlieren mit uns zwei weitere Kunden“
Auf der B472 bei Bichl: BMW-Fahrer überholt trotz Gegenverkehrs
Wegen Nötigung und Straßenverkehrsgefährdung ermittelt die Polizei gegen einen bislang noch unbekannten BMW-Fahrer.
Auf der B472 bei Bichl: BMW-Fahrer überholt trotz Gegenverkehrs
Daniel Götz fühlt die Seele des Laufsports: „Das Drumherum nehme ich nun viel besser wahr“
Der ehemalige Lauf-Profi Daniel Götz hat nach einer Zwangspause die Freude am Wettkampf zurückerlangt und die Oberland-Challenge zum dritten Mal gewonnen; allerdings …
Daniel Götz fühlt die Seele des Laufsports: „Das Drumherum nehme ich nun viel besser wahr“

Kommentare