Der Tölzer Meteorologe Kai Zorn (li.) präsentiert unter anderem das Wetter auf Sat1. Der Haslinger Sepp (re.) aus Benediktbeuern kann aus dem Blütenstand der Wetterkerze ablesen, wie der Winter wird.

Meteorologe vs. Wetterkerze

Gibt es weiße Weihnachten?

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Bad Tölz/ Benediktbeuern - Zum Heiligen Abend gehört eigentlich auch Schnee. Doch heuer schaut es bislang eher mau aus. Gibt es vielleicht doch noch weiße Weihnachten? Der Tölzer Kurier hat zwei Experten befragt, die es wissen könnten:

Den Tölzer Meteorologen Kai Zorn und den Benediktbeurer Sepp Haslinger. Das sind ihre Prognosen:

Zorn: „Es steht auf Messers Schneide“

Weiße Weihnachten? „Das steht heuer auf Messers Schneide“, sagte der Tölzer Meteorologe Kai Zorn (wetter.com) beim Besuch in unserer Redaktion am Freitagabend.

Da nämlich lagen den Meteorologen zwei Modelle vor: „Wir haben zum einen ein großes Hochdruckgebiet über Grönland und dem Nordatlantik. Dieses unterbindet die Westströmung. Als Gegenspieler wuchtet ein großes Tiefdruck-System vom Nordmeer über Skandinavien bis nach Russland ein ,Kaltluftmonster‘ nach Süden“, erklärte der Fachmann. „Dieses ,Monster‘ beinhaltet in 1500 Metern Höhe Luftmassentemperaturen von minus 10 bis minus 20 Grad.“

Zeitgleich, so erklärt Zorn weiter, „lungere“ auf der anderen Seite im Mittelmeer eine Luftmasse, die in 1500 Metern Höhe um die 10 Grad plus habe. „Diese Luftmassen stehen südlich von uns vor den Toren Mitteleuropas und sagen: ,Kuckuck, da sind wir!‘“

Entsprechend Jahreszeit und Physik hätte die Wucht der Kaltluft aus dem Norden die besseren Karten. „Nun kommt aber das berühmte Zünglein an der Waage“, sagt Zorn. „Bildet sich aus dem Mittelmeer-Raum ein Hoch, das nach Osteuropa zieht, haben wir frühlingshafte Temperaturen. Sickert jedoch die Kaltluft langsam über Westeuropa, kommt die Eisesluft auf direktem Weg zu uns, und der Winter ist da. Nicht überall mit Schnee, aber mit Kälte“, sagt Zorn.  Die wissenschaftlichen Modelle berechnen derzeit beides parallel. 

Der Tölzer rechnet damit, dass es im Februar und März eine kalte Winterperiode geben wird, „aber nicht mit allzu viel Schnee“. Seit Juli 2013 befinde man sich in Mitteleuropa in einer „Super-Warmzeit“, vergleichbar mit dem mittelalterlichen Wärmeoptimum vom 9. bis 12. Jahrhundert. Diese Phase könnte jetzt zu Ende gehen oder unterbrochen werden – für Zorn gibt es Anzeichen dafür.

Haslinger: „Nix wird’s mit Schnee“

Weiße Weihnachten? Sepp Haslinger winkt ab. „Ich habe doch schon im August gesagt, dass das nichts wird“, sagt der Wetterprophet aus Benediktbeuern. Der 72-Jährige ist nämlich fest davon überzeugt, dass um Mariä Himmelfahrt am 15. August der Blütenstand der Königskerze anzeigt, ob und wann es im folgenden Winter Schnee gibt.

Heuer trugen die Blumen schon im zweiten Jahr in Folge keine oder so gut wie keine Blüten. Für den Haslinger Sepp bedeutet das: Auch diesen Winter bleibt die weiße Pracht aus. „Ich wasche meine Hände in Unschuld, ich kann ja nur das sagen, was die Wetterkerze anzeigt“, sagt der ehemalige Hüttenwirt.

Was die Blume im Sommer erkennen lässt, „das hat bis jetzt immer gestimmt“, ist Haslinger überzeugt. „Das haben mir auch schon die alten Leute gesagt, wenn ich früher am Stammtisch mit ihnen zusammengesessen bin und mein Wasser getrunken habe.“

Alle anderen Methoden der Wetterprognose sind für den Benediktbeurer nichts weiter als „Märchen“ und „Pipifax“. Bisweilen sei er ja selbst versucht, auch auf andere vermeintliche Erfahrungswerte oder Bauernregeln zurückzugreifen. „In meiner Jugend habe ich auch gehört, dass auf einen warmen Herbst ein eisiger, schneereicher Winter folgt.“ Demgegenüber habe heuer aber einmal mehr die Wetterkerze Recht behalten. 

Aber war da im Sommer nicht doch diese eine kleine Blüte in der Mitte der länglichen Königskerze? Könnte das nicht Schnee um die Wintersonnenwende bedeuten, also vielleicht doch noch weiße Weihnachten? Haslinger macht keine Hoffnung. „Die Wetterkerze zeigt ja Niederschläge an, unabhängig von der Temperatur.“ Die einzelne Blüte, die habe ihre Entsprechung schon in den Regenfällen der vergangenen Tage gefunden.

Von Christiane Mühlbauer und Andreas Steppan

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