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Rund 100 Tiere leben im Rotwild-Wintergatter in Vorderriß.

Wildfütterung in Vorderriß

Einfach eine Schau

Vorderriß - Unter dem Motto „Auf der Pirsch nach dem Hirsch“ gibt es wieder Schaufütterungen in Vorderriß. Zahlreiche Interessierte kamen zur Premiere und bestaunten das majestätische Rotwild.

Wer nicht pünktlich ist, hat Pech gehabt. Um 15.30 Uhr nämlich werden die Besucher vom Parkplatz rund 700 Meter hinter dem Gasthaus Post in Vorderriß abgeholt. Ein ganzer Bus voll Touristen – unter anderem aus Holland – ist heute angereist. Aber auch viele Isarwinkler sind gekommen, um die Hirsche zu beobachten. „Ich bin Wiederholungstäterin“, sagt beispielsweise Bettina Mayer aus Reichersbeuern. Der kurze Fußmarsch zum Futterplatz wird gemeinsam angetreten. „Bitte staad sein“, mahnt der Mitarbeiter des Tölzer Forstbetriebs, bevor es los geht.

Seit 2007 gibt es neben dem Forsthaus ein Beobachtungsgebäude. Das sieht aus wie eine hohe Garage. Im ersten Stock drängen sich die Besucher dicht an dicht, um möglichst nah an die beiden geöffneten Klappen zu kommen, durch die man die Futtertische im Blick hat. „Wir freuen uns, dass so viele zur ersten Schaufütterung gekommen sind“, begrüßt Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann die erwartungsfrohe Menge. Wichtig sei, möglichst still zu sein. „Und bitte beim Fotografieren nicht blitzen. Das ängstigt die auch“, mahnt Plochmann.

„Der Hirsch ist nicht der Mann vom Reh“

Während draußen ein Mitarbeiter schon Heu und Grassilage in den Trögen verteilt, gibt es drinnen noch Wissenswertes über Rotwild, „unser größtes heimisches Wild“, sagt Plochmann und räumt noch mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. „Der Hirsch ist nicht der Mann vom Reh.“ Wie denn dann der weibliche Hirsch heiße, überlegt ein Zuschauer leise. „Hirschin?“ Nein, das höre sich komisch an. „Hirschkuh“, murmelt die Frau neben ihm.

Anders als Rehwild lebt Rotwild gesellig im Rudel, erklärt der Forstbetriebsleiter weiter und erläutert dann, warum es die Wildfütterungen überhaupt braucht. Denn eigentlich sind Hirsche ziemlich gut für den Winter gerüstet. „Die Tiere befinden sich im Energiesparmodus – im Winter wachsen sie beispielsweise nicht. Zudem können sie auch Futter mit wenig Nährstoffen gut verwerten.“ Allerdings seien die typischen Winterquartiere der Tiere in tieferen Lagen verloren gegangen. „Die weiten Flussauen gibt es nicht mehr, oder sie werden landwirtschaftlich genutzt“, sagt Plochmann. Autobahnen, andere Straßen und die dichte Besiedelung verhindern zudem die Wanderungen des Rotwilds. Um zu verhindern, dass die Tiere verhungern oder durch Verbiss großen Schaden im Bergwald anrichten, hat der Forstbetrieb die Winterfütterungen eingerichtet. 15 davon gibt es im gesamten Zuständigkeitsbereich, der von Mittenwald bis Seeshaupt reicht. „Wir füttern 800 bis 900 Tiere“, sagt Plochmann. Im rund 30 Hektar großen Wintergatter in Vorderriß leben derzeit knapp 100 davon – darunter einige Kälber, aber auch ein kapitaler ungerader 18-Ender. „Weil der Winter so mild ist, sind noch nicht alle Tiere da“, sagt Plochmann.

Erst füttern, dann futtern

Draußen kratzt der Mitarbeiter mit der Schaufel über die hölzernen Futtertische. Das Scharren ist für das Wild offensichtlich das Signal, dass angerichtet ist. Die ersten Hirschkühe und Hirsche stehen am Waldrand bereit. Kurzes Zögern, dann tasten sich die Mutigeren vor. Langsam trauen sie sich aus dem Wald näher heran. Einige laufen noch einmal kurz zurück, weil ein Geräusch sie erschreckt hat. Schließlich aber siegt der Hunger. Sie senken die Köpfe und beginnen zu fressen. Im Inneren der Schaukanzel werden Ferngläser und Kameras gezückt. „Mei, schee“, flüstert eine Frau, als sich das ganze Rudel um die Futterplätze schart.

20 Minuten und unzählige Fotos später sind alle satt und wieder im Wald verschwunden. „Toll, wir haben heute wirklich alles gesehen“, sagt Bettina Mayer, die „Wiederholungstäterin“. Ganz begeistert ist auch Amelie Mayer, die heute zum ersten Mal dabei war. „Sonst sieht man die Tiere ja nie so geballt. Es war schon beeindruckend, als sie aus dem Wald gekommen sind.“

Weil es der erste Fütterungstermin in diesem Winter war, gibt es für die Besucher auch noch ein Schmankerl: Glühwein, Kinderpunsch und Hirschsalami. „Denn es sind nicht nur sehr schöne Tiere, sondern auch sehr wohlschmeckende“, sagt Plochmann. Mancher findet das vielleicht etwas makaber. Aber hier gilt folgender Witz: Woran erkennt man, dass man in Oberbayern ist? Ein Tourist sagt: „Oh, dieses Tier ist aber süß“, und der Oberbayer entgegnet: „Ja, und schmecken duat’s aa guad.“

Schaufütterungen gibt es ab sofort jeden Mittwoch und Freitag bis Februar. Treffpunkt ist (pünktlich) um 15.30 Uhr der Parkplatz rund 700 Meter hinter dem Gasthaus Post. Das Mitnehmen von Hunden ist nicht gestattet. Weitere Infos gibt es auf www.baysf.de – und hier auf der Unterseite des Tölzer Forstbetriebs.

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