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Der Maibaum ist weg: Die Diebe hinterließen nur einen Zettel. Traurig schauen (v. li.) die Heimleiterin des Josefistifts, Bettina Emmrich, und die Bewohnerinnen Maria Schlichtner, Maria Nagl und Gertraud Scherzer. 

Schreck am Morgen

Wo ist der Josefistift-Maibaum?

Der Tölzer Josefistift ist seinen Maibaum los. Er wurde geklaut. Mitten in der Nacht. Doch die „Diebe“ haben einen Hinweis hinterlassen: „Wir rühren uns.“

Bad Tölz – War das ein Schreck in der Morgenstunde: Gewitzte Diebe sind im Schutz der Dunkelheit in der Nacht zum Donnerstag in den Garten des Tölzer Altenheims Josefistift eingedrungen und haben den Maibaum mitgehen lassen. Der 13-Meter-Baum sei, so berichtet Heimleiterin Bettina Emmrich, vermutlich mit vereinten Kräften über die Mauer gehievt worden. Zurück blieb nur ein Zettel der „Diebe“ mit dem Hinweis: „Wir rühren uns.“ Die Spurenlage ist dürftig. Es gibt Zeugenaussagen, die eine Gruppe von jungen Leuten in der Salzstraße beobachtet haben wollen. Einer davon, offenbar der Boss der Bande, soll über 1,90 Meter groß sein, zwischen 20 und 30 Jahre alt und blonde Haare haben.

Die Täter haben sich, so sagt Bettina Emmrich, inzwischen tatsächlich telefonisch bei ihr gerührt und Verhandlungen über die Auslöse des wertvollen Stücks aufgenommen. „Keine Polizei“ lautet die wichtigste Forderung der offenbar zu allem entschlossenen Entführer. Sie sei, sagt eine nach diesen aufregenden Stunden sichtlich aufgewühlte Heimleiterin schließlich „zu allem bereit gewesen“, um den Maibaum auszulösen.

Auslöse-Angebot: ein Weißwurstessen 

Schließlich soll er am Dienstagnachmittag um 15 Uhr im Beisein möglichst vieler Besucher im Garten aufgestellt werden. Als Auslöse habe sie deshalb den Tätern ein Weißwurstessen angeboten, das diese auch akzeptierten. Sie hätten, ergänzt Emmrich, am Telefon übrigens sehr nett geklungen und auch ihre Motive erläutert. Zum einen hätten sie „diesem schönen Maibaum“ nicht widerstehen können. Zum anderen hätten sie als junge Tölzer unbedingt in Kontakt mit den Alten im Josefistift kommen wollen. Da sei ihnen jedes Mittel recht gewesen. Da lächelt auch Bettina Emmrich.

Bei den Senioren war man gestern Nachmittag nach einem aufregenden Tag vor allem beruhigt, dass der Maibaum zurückgegeben und aufgestellt wird. Am Morgen, so berichtet Karin Schweiger, Leiterin der Betreuung, war das noch anders. Da hätten in der Runde manche der älteren Herrschaften laut aufgeschrien, als der Maibaum-Diebstahl bekannt gegeben wurde. Einige seien gar aufgestanden und hätten nach dem Baum suchen wollen. 

Christoph Schnitzer

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