Vor eher mäßig gefüllten Reihen legte Bürgermeister Josef Janker am Donnerstagabend Rechenschaft ab. Foto: arp

Zwischen Fakten und Fiktion

Alpamare-Debatte in der Bürgerversammlung

Bad Tölz - Erwartungsgemäß rückte die Zukunft des Alpamare nebst Plänen für Wellness-Anlagen in den Fokus der Bürgerversammlung. Gut gemeinte Vorschläge prallten auf rechtliche Unmöglichkeiten.

Das war klar. Das Thema Alpamare beherrschte die mäßig besuchte Bürgerversammlung, auch wenn die Stadt in einer Woche dazu eine eigene Diskussionsveranstaltung anbietet. Bürgermeister Josef Janker redete sich in Rage.

Das Stadtoberhaupt selbst hatte das Thema in seiner Rückschau aufs Jahr 2013 angeschnitten. Die Bürger nahmen den Ball auf und warfen ihn zurück. Willibald Raab vom Freundeskreis Badeteil zum Beispiel, der für weitere Gespräche mit der Jod AG plädierte und dafür die Idee der Tölzer Quellen als Grundlage ansah. Er interpretierte die Ablehnung des Jod-AG-Angebots (Umbau bei laufendem Betrieb) durch den Stadtrat als Ende aller Verhandlungen und berief sich dabei auf Aussagen von Jod-AG-Chef Anton Hoefter. „Haben Sie nun das Mandat, für Dr. Hoefter zu sprechen?“, wunderte sich Janker und stellte klar, dass man das Angebot der Jod AG aus mehreren Gründen abgelehnt habe, aber natürlich weiterhin gesprächsbereit sei.

Michael Voigt, Neubürger mit junger Familie, konnte gar nicht verstehen, dass die Stadt auf das Thema Wellness setzt und damit dem Spaßbad Alpamare Konkurrenz macht. So würden beide Bäder defizitär. Gerade ein Spaßbad sei für Familien aber eine Attraktion. Die Stadt habe 44 Jahre davon profitiert, ohne Geld zu investieren. Da könne man nun auch das Alpamare unterstützen.

In ein bestehendes Unternehmen einen Defizitausgleich zu stecken, sei einer Kommune rechtlich gar nicht erlaubt, erwiderte Janker. Er stellte im Übrigen klar, dass sich das Thema Spaßbad auch für die Jod AG erledigt habe. Das habe keine Zukunft mehr.

Ulrich Mohr befürchtete Heilbrunner Zustände. „Wenn das Alpamare geschlossen wird, wird auch das Hotel Jodquellenhof zumachen. Und dann sieht das Badeteil in 10 bis 15 Jahren wie eine Bauruine aus.“

Von solchen Schließungsplänen habe er keine Kenntnis, gab ihm der Bürgermeister zur Antwort. „Das habe ich auch nie in den Mund genommen.“ Entsprechende Ankündigungen im Bürgerbegehren habe die Stadt nicht zu verantworten. „Das muss die Jod AG mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens ausmachen.“

Dann wurde Janker grundsätzlich und kritisierte heftig die Gerüchte und Spekulationen, die von uninformierten Bürgern leider nach draußen getragen würden. Er zitierte zwei Beschwerdebriefe von Touristen an die Tourist-Info. In einem beriefen sich die Urlauber auf Informationen einer Geschäftsangestellten im Badeteil, wonach die Stadt Tölz schuld sei, dass die Wandelhalle geschlossen sei und außerdem beabsichtige, den Grund rundherum für teures Geld an Wohnbauträger zu veräußern. Janker stocksauer: „Das ist ein Schmarrn, wie es höher nicht geht.“ Schließlich gehörten weder der Grund, noch die Wandelhalle der Stadt. Mit solchen Behauptungen werde der Stadt Bad Tölz aber „schwer geschadet“.

In einem zweiten Brief beklagte sich ein Urlauber-Ehepaar über mehrere Gaststätten-Schließungen in Tölz und berichtete, dass man bei einem Besuch im Jodquellenhof vom Personal gesagt bekommen habe, dass die Stadt schuld sei an der baldigen Schließung von Alpamare und Hotel.

Solche Behauptungen wies der Bürgermeister vehement zurück. „Wir laufen uns hier die Hacken ab und engagieren uns, und dann so etwas.“ Nicht zuletzt deshalb will die Stadt nun das Dialogforum am 10. April um 19 Uhr im Kurhaus einberufen. Janker erkennt Aufklärungsbedarf: „Wir müssen reden, reden, reden.“

cs

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