1865 darf aussiedeln

Dachau - Der TSV 1865 Dachau darf sein Stammgelände an der Jahnstraße aufgeben und ausziehen. Das beschloss der Bauausschuss am Dienstag.

Am Ende brachte der Bau- und Planungsausschuss sogar noch einen einstimmigen Beschluss zustande: Alle 15 Mitglieder hoben die Hand dafür, dass „die Verwaltung beauftragt wird, weitere Schritte zur Verlagerung des TSV baldmöglichst vorzubereiten und zur Entscheidung vorzulegen“. Da stimmten dann sogar die drei Bedenkenträger mit, die sich und der Stadt zuvor ein Hintertürchen offenlassen wollten. Doch mit 12:3 Stimmen hatte das Gremium die Formulierung abgelehnt, wonach „die Entwicklung des TSV-Stammgeländes zunächst nicht weiterverfolgt wird“.

Die Betonung lag auf dem Wörtchen „zunächst“. Man sollte doch die Möglichkeit in Betracht ziehen, „dass noch vieles schiefgehen kann“, hatte Thomas Kreß (Grüne) die besagte Formulierung begründet. Mit ihm stimmten später aber nur Jasmin Lang und Kai Kühnel (Bündnis für Dachau).

Der Tenor im Ausschuss war indes ein ganz anderer: „Ohne wenn und aber“ müsse man für den Sportverein ein Zeichen setzen, ein Signal, fand etwa Sportreferent Günter Dietz (CSU). Das hörten die rund 70 Vereinsmitglieder im rappelvollen Zuhörerraum des alten Sitzungssaals im Rathaus natürlich gern. Eilig hatte der Sitzungsdienst noch Stühle herbeigeschafft, doch das reichte angesichts des Andrangs bei weitem nicht aus - rund ein Dutzend Zuhörer musste stehen, einige junge Sportler setzten sich sogar einfach auf den Parkettboden.

Das geforderte immissionsschutzrechtliche Gutachen wurde im Übrigen nicht vorgestellt, dieses war den Fraktionsvorsitzenden in kleiner Runde von Ingenieur Dr. Gerhard Steger aus München bereits erläutert worden. Den Ausführungen in der Tischvorlage war unter anderem zu entnehmen, dass selbst bei Anwendung des so genannten Altanlagenbonus etwa bei den Fußball-Bayernligaspielen die zulässigen Lärmschutzwerte überschritten werden. Fazit: Selbst der Bestandsschutz reicht nicht dafür aus, dass der derzeitige Sportbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Dieses Ergebnis bewirkte sogar bei der zuletzt so zögerlichen SPD-Fraktion den Meinungsumschwung: Mit den neuen Informationen sei „klar, dass eine Sanierung der jetzigen Anlagen nicht in Frage kommt“, erklärten die Genossen in einer in der Sitzung verteilten Presseverlautbarung. Drei Gründe hätten zu dieser Meinung geführt: „Ein Abriss und Neubau an derselben Stelle brächte den Sportbetrieb des Vereins in weiten Teilen zum Erliegen. Zum anderen kommt die Weiternutzung auch aus Emissionsschutzgründen nicht in Betracht (...). Zudem stößt der Verein an einigen Stellen an Kapazitätsgrenzen“, hieß es. Diese wesentlichen Informationen seien „uns in der letzten Legislaturperiode bedauerlicherweise vorenthalten worden“, betonte die SPD-Fraktion.

Einer der Zuhörer, Sebastian Stirner, der Vorsitzende des TSV 1865, war anschließend „einfach nur froh, dass die Achterbahnfahrt zu Ende ist und endlich ein klares Zeichen gesetzt wurde“. Seine Gefühlslage war dennoch zwiegespalten: „Einerseits bin ich beruhigt, andererseits aber auch angespannt angesichts der großen Aufgaben, die jetzt vor uns liegen.“ (tor)

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