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Er bereichert den Büroalltag seiner Kolleginnen: Andreas Reiner arbeitet in einer Dachauer Buchhaltung – trotz Asperger-Syndrom.

27-Jähriger mit Asperger-Syndrom bereichert Dachauer Unternehmen

Der Autist, den keiner mehr missen will

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Dachau - Andreas Reiner ist Autist und zu 50 Prozent schwerbehindert. Jahrelang war er davon überzeugt, dass er in einer gewöhnlichen Firma keine Chance hat. Nun arbeitet der 27-Jährige Teilzeit in der Buchhaltung – und seine Kollegen können sich den Berufsalltag ohne ihn nicht mehr vorstellen.

Bedächtig sitzt Andreas Reiner an seinem Schreibtisch und kuvertiert Briefe ein – inmitten eines kleinen Dachauer Büros mit seinen drei Kolleginnen. Anfangs war es schon ein wenig komisch für ihn mit so vielen fremden Personen zusammen zu sein, erzählt er ruhig. Denn Andreas hat das Asperger-Syndrom.

Reiner fällt es schwer, mit fremden Menschen zusammen zu sein, einen Plausch zu halten oder generell zu kommunizieren. Außerdem filtert sein Gehirn die Geräusche um ihn herum nicht: „Ich werde mit Reizen überflutet und nehme den Geräuschpegel insgesamt besonders hoch wahr“, erklärt Reiner. Nicht gerade eine optimale Voraussetzung für einen Bürojob – aber Andreas Reiners Kolleginnen nehmen Rücksicht auf ihn, sprechen leiser und akzeptieren, wenn er bei einer Firmenfeier früher nach Hause geht oder nicht beim Mittagessen dabei ist. Dadurch fühlt sich auch Andreas Reiner mittlerweile sehr wohl in der Abteilung. Rechnungen einkuvertieren, Briefe frankieren oder Akten einscannen, gehören in der Buchhaltung zu seinen Aufgaben. „Es sind vor allem Tätigkeiten, die für Andere zur Routine und langweilig werden, aber Andreas macht es sehr zuverlässig und gründlich“, erklärt seine Chefin Kathrin Laas. 

Seine drei Kolleginnen waren anfangs skeptisch, wie es wohl sein würde, mit einem 27-jährigen Autisten zusammenzuarbeiten – aber jetzt wollen sie Andreas Reiner nicht mehr missen. „Er passt optimal ins Team“, sagt Chefin Kathrin Laas: „Alle wissen über Andreas und sein Asperger-Syndrom Bescheid und wir versuchen einfach ganz normal, damit umzugehen.“ Alltag ohne den 27-Jährigen? Für das Dachauer Team nicht mehr vorstellbar. 

Doch lange Zeit haderte der zurückhaltende Mann mit seiner Entwicklungsstörung. Erst vor rund drei Jahren bekam er die Diagnose für das Asperger-Syndrom. Zuvor gingen die Therapeuten von einer sozialen Phobie aus. Als Autist tat sich Reiner nach der Mittleren Reife schwer, eine passende Arbeitsstelle zu finden. „Ich habe mich jahrelang vergeblich beworben, aber oft ist es wegen meines Abbruchs von Ausbildungen nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch gekommen“, erzählt Reiner.

Nach vielen Bewerbungen wandte sich Andreas Reiner an den Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath. Der bemühte sich, für den Autisten einen Arbeitsplatz zu finden. „Wenn man Rücksicht auf den Anderen nimmt, dann ist Inklusion für alle in der Gesellschaft eine Win-Win-Situation“, betont Seidenath. Schließlich lernte der Politiker die Geschäftsführerin Dorothee Jennrich bei der Verleihung des Partnersteins (eine Auszeichnung für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf) an die Firma Thorlabs kennen und sie sprachen über Andreas Reiner – und Jennrich gab Andreas Reiner eine Chance, die der 27-Jährige genutzt hat. 

Eigentlich wollte Andreas Reiner Fremdsprachenkorrespondent werden. Er spricht Englisch, Spanisch, Finnisch und Chinesisch. Das Problem: Als Fremdsprachenkorrespondent war Kommunikation unumgänglich. Als er die Ausbildung zum zweiten Mal abbrach, kam der Tiefpunkt: „Ich habe gedacht, dass ich nie in meinem Leben arbeiten kann und bekam schwere Depressionen.“

Damals wusste Reiner nicht, dass er Autist ist. Er wusste nur, dass er in seiner vorherigen Arbeit als Datenerfasser besser klarkam. Ihm machen „Aufgaben Spaß, die sich immer wieder wiederholen“ und bei denen er für sich arbeiten kann, wie der 27-jährige selbst sagt – in der Buchhaltungsabteilung ist er deshalb endlich angekommen.

Anna Schwarz

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