Gerichtsurteil

2700-Euro-Strafe für Flaschendieb

Dachau - Ein Dachauer Lkw-Fahrer hatte eine zweite Einnahmequelle entdeckt, um schnell die Haushaltskasse aufzubessern. Jetzt ist er nicht nur seinen Job los, sondern muss auch noch viel Geld zahlen.

Der Schwund war mysteriös: Seit einem Jahr sind einem Discounter Pfandflaschen abgegangen. Also begaben sich Mitarbeiter auf Flaschenspurensuche: Sie beobachteten einen verdächtigten Lkw-Fahrer, 45, aus Dachau. Auf dessen Laster entdeckten sie Pfandflaschen im Wert von 180 Euro, dazu Kaffee und drei Kuscheldecken. Vor dem Amtsgericht Freising wurde dem 45-Jährigen jetzt der Prozess gemacht.

Der Mann transportierte regelmäßig Pfandflaschen und so genannte Retour-Ware von dem Geschäft in München-Schwabing nach Neufahrn (Kreis Freising). Auf dem Hof der Filiale übernahm ein Kollege die Fuhre. Ab Neufahrn kam die Ware nach Bad Tölz und von dort aus zur Zentrale bei Regensburg. „So funktioniert das in der Theorie“, sagte der Anwalt des 45-Jährigen.

Der Verteidiger erklärte, dass der Lebensmittelkonzern ein Subunternehmen mit der Logistik beauftragt hätte. „Das läuft nicht immer wunschgemäß“, sagte er. Die 

Ware sei in Neufahrn nicht mehr gescannt worden. Die Transportkette sei deshalb nicht überprüfbar. „Meistens gibt es erst Ende der Woche einen korrigierten Lieferschein.“ Es sei vorgekommen, dass die Fahrer mehr Säcke mit Pfandflaschen übernehmen mussten, als auf dem Lieferscheine verzeichnet waren.

Wenn der Lastwagen aus Bad Tölz voll war, sei der Angeklagte auf seiner Fuhre hängen geblieben, erläuterte der Verteidiger. Dann habe der Fahrer die Ladung zwischenlagern oder wieder mitnehmen müssen. Da die Ware in Neufahrn nicht gescannt wurde, habe der Angeklagte nichts in der Hand gehabt, um zu beweisen, was mit der Ware passiert ist.

Drei Revisoren hatten sich im Herbst 2014 für mehrere Tage an die Fersen des Angeklagten geheftet. Seit über einem Jahr stimmten in Schwabing die Bilanzen nicht mehr. Differenzen seien ihr vor allem bei den Pfandflaschen aufgefallen, berichtete eine Zeugin. Sie sagte aus, beobachtet zu haben, wie der Dachauer an einem frühen Morgen im November mehr Säcke mit Pfandflaschen aufgeladen hatte, als er in Neufahrn übergab. „Wir haben das fotografiert.“

Laut ihrem Kollegen hatte der 45-Jährige zudem sechs Gläser mit Kaffee und drei Fließkuscheldecken eingepackt. Die Ware soll er aus verschlossenen Kartons genommen und auf seinem Lastwagen versteckt haben. In einem Sack Pfandflaschen sind 200 Flaschen zu 30 Euro. Bei dem Discounter sind immer wieder Säcke weggekommen „Das müssen Hunderte sein“, vermutete der Anwalt.

In einem Sack Pfandflaschen sind 200 Flaschen zu 30 Euro. Bei dem Discounter sind immer wieder Säcke weggekommen „Das müssen Hunderte sein“, vermutete der Anwalt. 

Zur Verteidigung seines Mandanten argumentierte er, dass Diebesgut dieser Art unmöglich zu Geld zu machen sei: „Was meinen Sie, wie das aussieht, wenn da einer mit einem mannsgroßen Sack über der Schulter einen Laden betritt?“

Die Richterin glaubte dem Angeklagten trotzdem nicht, dass er die Ladung wieder abliefern wollte. Gegen den 45-Jährigen sprach, dass er das dem vermeintlichen Diebesgut auf dem Laster bis zu seinem Zuhause nach Dachau fuhr. Dort alarmierten die Revisoren die Polizei.

Deren Aussage hielt die Richterin für glaubwürdig. Sie sah kein Motiv , warum sie den Mann hätten schaden wollen. Gegen den Lkw-Fahrer sprach zudem, dass nach seiner fristlosen Kündigung keine Fehlbestände mehr gemeldet wurden. Das entlastet den Fahrer aus Bad Tölz.

Der Angeklagte wurde deshalb zu einer Geldstrafe über 2 700 Euro (90 Tagessätze zu 30 Euro) verurteilt. Immerhin in einem Punkt hat er Glück: Ab einer Verurteilung über 90 Tagessätzen gibt es einen Eintrag ins Führungszeugnis. Weil der Angeklagte bisher nicht vorbestraft war, ist er darum noch einmal herum gekommen.

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