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Von Montag bis Ende November wird es zwischen Altomünster und Dachau nur Schienenersatzverkehr geben. Die veraltete Linie A wird in der Zeit von Grund auf modernisiert.

Diesellok-Ära geht zu Ende

Jetzt verschwindet der Bummerl von der A-Linie

Dachau - Sonntag um 23.36 Uhr endet eine Ära: Dann nämlich fährt der letzte, von einer Diesellok gezogene Zug von Dachau nach Altomünster. Ein Abschiedsbesuch.

Der Unterschied zwischen einer S-Bahn und einer Diesellok ist laut Karsten Gehle himmelweit. „Wie zwischen einer Mercedes E-Klasse und ’nem Trekker!“ Gehle muss es wissen, er ist Lokführer. Auf die Frage, was denn so schön sei am Führen einer Diesellok, muss er deshalb erstmal tief Luft holen, dann sagt er: „Das Feeling. Das ist einfach noch echte Handarbeit. Man riecht das Öl, den Diesel. Und Strom beschleunigt einfach ganz anders.“

Gehle wird die Linie A zwischen Dachau und Altomünster, die liebevoll auch Bummerl genannt wird, vermissen. „Ein traumhaftes Arbeiten“ sei es gewesen, und das sage er, obwohl er erst seit Januar auf der Strecke im Einsatz war. Wie es beruflich mit ihm weiter geht, kann und will Gehle noch nicht sagen. „Jedenfalls erst mal zurück nach Nordrhein-Westfalen.“

Noch echte Handarbeit: Lokführer Karsten Gehle am Steuer seiner Diesellok.

Tatsächlich ist die Linie A in jeder Hinsicht ein Unikum. Laut Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp war die Strecke zwar formal Eigentum der S-Bahn München, bezog bislang aber weder Züge noch Personal von der S-Bahn. Die Züge des Typs VT 423 - VT steht für Verbrennungstriebwagen - wurden von der Südostbayernbahn mit Sitz in Mühldorf am Inn geliefert. Das Personal stammte von der in München stationierten DB Regio. Weil dieses Bahn-Tochterunternehmen aber - Achtung, jetzt wird es kompliziert - seit Dezember 2013 den Zuschlag für den Betrieb der Werdenfelsbahn nach Garmisch-Partenkirchen bekommen hatte, wurden alle Mitarbeiter in Richtung Werdenfelsbahn abgezogen. Von Januar bis morgen arbeitete daher aus ganz Deutschland rekrutiertes Leih-Personal auf der Linie A - wie eben Karsten Gehle.

Bahn-Sprecher Honerkamp zufolge würde die S-Bahn München Lokführer wie Gehle gerne anstellen. „Der ganze Bahn-Konzern sucht derzeit händeringend Lokführer, das ist sein sehr stark nachgefragter Beruf!“ Alle ausgeliehenen Kräfte bekämen derzeit daher ein Übernahmeangebot.

Zwar wird sich mit den neuen Elektrotriebwagen des Typs ET 423 die Art des Zugfahrens ändern, das Arbeitsumfeld immerhin bleibt erhalten. „Die Gemütlichkeit der Strecke, die Fahrgäste, die Kollegen hier“ sind es laut Gehle nämlich auch gewesen, die das Arbeiten im Landkreis Dachau so besonders gemacht hätten.

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Zum Beispiel, berichtet er, hätte eine Rentnerin einmal ihre Handtasche im Zug vergessen. Weil die alte Dame kurz vorher bei der Bank Geld abgehoben habe, sei das Portemonnaie mit 800 Euro gefüllt gewesen. Dennoch habe sich ein ehrlicher Finder bei ihm im Lokführerstand gemeldet. „Die Frau war überglücklich, als ich ihr die Handtasche zurückgegeben habe.“ So etwas, sagt der Norddeutsche, sei ihm anderswo nie passiert.

In der Münchner Bahn-Zentrale sieht man das Ende der Linie A naturgemäß etwas sachlicher. Seit Jahrzehnten war der zirka 30 Kilometer lange Abschnitt zwischen Dachau und Altomünster einzigartig im riesigen S-Bahnnetz. Eine Abschiedsfeier sei daher nicht geplant, so Honerkamp. Der Abtransport der alten Triebwagen nach Mühldorf soll schon am Montag beginnen.

Stefanie Zipfer

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