Fische starben, es stank zum Himmel: Im Sommer 2013 wurde die Glonn massiv verschmutzt, als die Odelzhauser Kläranlage (hinten) versagte und Keime und Fäkale über ein Rohr in den Fluss gelangten. Heute stehen zwei Verantwortliche vor Gericht.

Abwasserskandal Odelzhausen

Ex-Bürgermeister und Betriebsleiter angeklagt

Odelzhausen - Der Odelzhauser Abwasserskandal geht laut Staatsanwaltschaft auf zwei Hauptschuldige zurück: auf den  Betriebsleiter der Firma Dahlhoff, Michael Zillner (48), und auf Ex-Bürgermeister Konrad Brandmair (59). Sie müssen sich am Amtsgericht Dachau verantworten.

Ende Juli 2013 versagte die völlig überlastete Odelzhauser Kläranlage ihren Dienst. Für 8000 Einwohnergleichwerte, wie es so schön auf Amtsdeutsch heißt, war sie gebaut. Doch floss in jenen Tagen zum Teil Abwasser für 11 000 Einwohner durch die Leitungen. Und so streikte die Technik. Mit fatalen Folgen für die Umwelt: Über ein dickes Rohr wälzte sich eine enorme Schmutzfracht mit Keimen und Fäkale von der Kläranlage über die Felder in die Glonn. Fische starben, es stank zum Himmel. „Es kam zu einer massiven Verschmutzung und Zerstörung des Flusses Glonn auf mehreren Kilometern flussabwärts“, so die Staatsanwaltschaft.

Zum Himmel stinkt auch die Tatsache, dass in der Gemeindeverwaltung bekannt war, dass die Kläranlage hoffnungslos zu klein war. Gegenmaßnahmen: Fehlanzeige. Bürgermeister Konrad Brandmair habe alles gewusst – seit mindestens Anfang 2010 – so die Ermittler.

Der mittlerweile abgewählte Konrad Brandmair, einst wegen seiner hemdsärmeligen Art und seines Humors beim Volk geschätzt, machte seinerzeit noch einen schlechten Witz, als er über das vom Landratsamt verhängte Badeverbot im Fluss, das er für überflüssig erachtete, meinte: „Da müsste man bis ans Schwarze Meer ein Badeverbot aussprechen.“ Aus dem einstigen Original Konrad Brandmair ist der Einsiedler Konrad Brandmair geworden, der den Kontakt zur Öffentlichkeit scheut. Heute, einen Tag vor seinem 60. Geburtstag, wird Brandmair aus der Diaspora zurückkehren müssen, um auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Er sei verantwortlich für den Skandal, heißt es in der Anklageschrift. Vorsätzliche Gewässerverunreinigung heißt es im Strafgesetzbuch.

Doch noch ein weiterer harter Stuhl wird im Saal bereit gehalten. Darauf wird Michael Zillner sitzen, der Betriebsleiter der Firma Dahlhoff Produktion & Services GmbH. Der bundesweit größte Hersteller von Thekensalaten hatte seit November 2012 sein Abwasser eingeleitet, wobei die Anlage da schon zu 39 Prozent überlastet war. Die Gemeinde gestattete Dahlhoff dennoch, Schmutzwasser in Höhe von 1000 Einwohnergleichwerten einzuleiten. Laut Anklage flossen aber sogar 4000 in die Leitungen. Im Dezember 2012 sei Dahlhoff von der Gemeinde aufgefordert worden, „verfahrenstechnische Maßnahmen“ vorzunehmen, um den Missstand zu beheben. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten Fachleute und der Klärmeister vor einem Störfall gewarnt. Die Firma habe aber erst ein halbes Jahr später effektiv gehandelt, so die Anklage.

Nicht einzelne Belastungsspitzen der Kläranlage seien für die Havarie ursächlich gewesen, so die Anklage, sondern die vorangegangene, längerfristige Überlastung der Kläranlage in Verbindung mit den erhöhten Abwassertemperaturen im Sommer. Diese Umstände hätten beide Angeklagten zumindest billigend in Kauf genommen.

Die heute auf dem Firmengelände der Firma Dahlhoff vorhandene Vorreinigungsanlage sei laut den Ermittlungen nach dem Störfall innerhalb von nur zwei Wochen errichtet worden. Seniorchef Alfons A. Dahlhoff sagte hingegen in einem Gespräch mit den Dachauer Nachrichten, dass die Firma nach dem Glonn-Desaster im Oktober 2013 einen Vorbescheidsantrag auf Bau einer eigenen Vorkläranlage gestellt habe. Doch die Gemeinde hätte sage und schreibe bis April 2014 gebraucht, um diesen zu genehmigen, so Dahlhoff gegenüber den Dachauer Nachrichten. „Als eine zuständige Mitarbeiterin mal vier Wochen in Urlaub war, blieb alles einfach liegen“, sagte Dahlhoff damals. In dem Prozess, der heute um neun Uhr beginnt, sind 16 Zeugen geladen.

Thomas Zimmerly

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