Einstürzende Altbauten: Der Wasserturm ist eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Eigentlich sollten hier bereits Warnschilder für Fußgänger stehen, gestern Nachmittag waren aber weit und breit noch keine zu sehen.  dn

Achtung, Lebensgefahr!

Dachau - Es ist soweit: Der Wasserturm am MD-Gelände wird abgebaut. Denn es besteht Lebensgefahr. Das hat Oberbürgermeister Florian Hartmann in der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses verkündet.

Betreten kann man ihn schon lange nicht mehr, doch nun ist klar, dass bei einem Sturm Teile herabstürzen könnten - das hat ein Gutachter jetzt festgestellt.

Damit ist so ungefähr der schlimmste aller Fälle eingetroffen. Denn das bedeutet nicht nur, dass der Turm aus dem Stadtbild erst einmal verschwindet und keiner weiß, wann oder ob er wieder auftauchen wird - es bedeutet auch, dass all die Befürchtungen, die die Politiker gegenüber der DEG hegten, nun wahr geworden sind.

Die DEG, die Dachau Entwicklungsgesellschaft, ist die Investorin in das ehemalige MD-Gelände. Und die hat in den vergangenen Jahren relativ wenig Engagement gezeigt, was den Erhalt des Wasserturms angeht. Dominik Härtl (CSU) hatte den Wasserturm 2013 ins Gespräch gebracht. Er wollte den Erhalt des Wasserturms sichern - weil es ein Denkmal ist, und „ein Stück Heimatgeschichte“, so Härtl damals im Bauausschuss. Der hatte Härtls Antrag dann auch beschlossen (damals gegen die Stimmen der FDP, SPD und ÜB). Doch Härtl schwante wohl schon damals, dass der Erhalt des Industriedenkmals kein einfaches Unterfangen sein würde: „Wir wollen hier keinen Purtlhof“, mahnte er an. Das Bauernhaus in der Gemeinde Hebertshausen aus dem Jahr 1607 war im Februar 2013 eingestürzt, weil der Besitzer nichts für die Erhaltung getan hatte.

Jetzt hat Dachau seinen Purtlhof. Denn nun wird vom Gutachter „angesichts des stark geschädigten Zustandes des Wasserhochbehälters dringend zum Abbau geraten“. Den will die Stadt nun erzwingen, und zwar einen „denkmalfachlich begleiteten Abbau des Wasserhochbehälters, mit Dokumentation der Einzelteile sowie fachgerechter Lagerung“.

Dass die DEG den Wasserturm gerne abbaut und ihn dann auf dem ehemaligen MD-Gelände einlagert, das hat deren Geschäftsführer Herbert R. Ullmann schon im März angeboten. Doch schon damals war das Vertrauen in Ullmann nicht sonderlich groß - nun wird es weiter geschrumpft sein. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) hatte damals orakelt: „Wahrscheinlich müssen wir den Turm abbauen, in den Bauhof einlagern und auch noch bewachen, damit er ihn nicht auch noch z’amhauen kann.“ Auch Härtl fand in der gestrigen Sitzung deutliche Worte: „Alles, was ich will, ist, dass wir nicht verarscht werden.“ Ob er damit meinte, dass er nicht von der DEG oder nicht von der Stadt veräppelt werden wolle, war zunächst nicht ganz klar - schließlich hat der jetzige OB noch vor zwei Jahren gegen den Erhalt des Wasserturms gestimmt. Doch dessen Einstellung hat sich wohl gewandelt: „Auch ich sehe die Gefahr, dass wir verarscht werden“, entgegnete er. Deshalb werde die Sache bereits „anwaltlich erarbeitet“.

Vermutlich ist aus dem maroden Industriedenkmal nun eine Sache des Prinzips geworden - und eine gewaltige Vertrauensfrage.

Nina Praun

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