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„Demenz und Leben“: Stefan Löwl, Christa Kurzlechner und Bernhard Seidenath (v.l.) stellten die Hintergründe zur Aktionswoche vor.

Aktionswoche zum Thema Demenz

Gemeinsam gegen das Vergessen

Dachau - Eine Woche lang wird das Thema Demenz in allen Facetten beleuchtet, in Vorträgen, Filmen, Theateraufführungen, Vernissagen und Gottesdiensten. Im Mittelpunkt stehen die Patienten, deren Menschenwürde – aber auch die pflegenden Angehörigen.

„Demenz und Leben – gemeinsam – im Landkreis Dachau“: So lautet der Titel der geplanten Aktionswoche rund um das Thema Demenz vom 18. bis zum 25. September. Die Veranstaltungswoche soll im ganzen Landkreis über die Erkrankung und mögliche Hilfen informieren.

Das oft tabuisierte Thema Demenz wird eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet – in Vorträgen, Film- und Theateraufführungen, Vernissagen sowie Gottesdiensten. Landrat und Schirmherr Stefan Löwl erklärt: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Demenz in der Zukunft vermehrt auftreten wird.“ Und was früher eine Sache der Familie oder der Nachbarschaft gewesen sei, nehme heute gesellschaftliche Dimensionen an, sagt der Landrat. „Die Zeiten haben sich geändert, weshalb die Betreuung und Pflege eines Erkrankten nicht mehr nur die Angelegenheit der Angehörigen ist. Uns ist es wichtig, den Alltag und die Demenz zu vereinen.“ Daher hat sich der Landkreis der bundesweiten „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ angeschlossen. 

Die Krankheit weiter zu erforschen, ist dringend notwendig, sagt Bernhard Seidenath, Landtagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag. „Voraussichtlich wird sich die bayernweite Zahl der Demenzkranken bis 2050 auf 420 000 verdoppeln. Statistisch gesehen ist bereits jeder zweite über 90-Jährige betroffen.“ Im Landkreis Dachau, einem der zuzugsstärksten Kreise Bayerns, werden deshalb laut Seidenath mobile Pflegedienste, stationäre Behandlungsmöglichkeiten und anderweitige Hilfestellungen großräumig und zukunftsorientiert ausgeweitet, wie etwa mit den kürzlich neu eingeweihten Räumen in Indersdorf. Der Landkreis Dachau habe eine Vorbild- und Schlüsselfunktion. 

Rund 70 Prozent der dementen Menschen werden laut Seidenath von Angehörigen versorgt. Deshalb stehen nicht nur die Patienten, sondern auch Angehörigen in der Aktionswoche im Mittelpunkt. Christa Kurzlechner, zuständig für soziale Angelegenheiten im Landratsamt Dachau, ist auf die große Unterstützung aus dem Landkreis sehr stolz: „An dem Projekt beteiligen sich 14 Einrichtungen mit insgesamt 17 Veranstaltungen – das zeigt, wie eng Pflegedienste und -heime, Kirchen und Ehrenamtliche aus der Region zusammenarbeiten und das Miteinander mit den Betroffenen suchen.“ 

Ziel der Aktionswoche sei es zum einen, die Versorgung zu verbessern und das Hilfsnetz transparenter zu gestalten, sowie zum anderen jegliche Ängste oder Schamgefühle zu verbannen, „um dem schwierigen Thema mit Leichtigkeit begegnen zu können“, sagt Christa Kurzlechner. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg. „Für den Anfang ist es wichtig, einen Ort zu schaffen, um darüber zu sprechen“, so Christa Kurzlechner. Ihr gefallen besonders die kreativen Ansätze dazu. „Eine besondere Inspiration war für mich das Buch mit dem rührenden Titel ,Das Herz wird nicht dement‘. Im Gegensatz zu den kognitiven Fähigkeiten nimmt das Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung im Alter nämlich nicht ab“, erklärt sie. 

Und genauso wenig, wie die Lebenserwartung von der Demenz beeinträchtigt ist, sei es die Menschenwürde. Dieser philosophische Ansatz ist ebenfalls ein bedeutender Teil der Aktionswoche. 

Deren Initiatoren und Mitwirkende hoffen auf zahlreich besuchte Veranstaltungen sowie eine zukünftig niederschwelligere Gestaltung von Demenzbetreuung. Löwl, Seidenath und Kurzlechner sind sich einig: Dieser sich entwickelnde gesellschaftliche Prozess wird in Zukunft weiter auf kommunaler Ebene unterstützt werden. Weitere Angebote für das nächste Jahr sind bereits in Planung.

Susanne Just

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