Mieten steigen weiter

Akute Wohnungsnot in Dachau

Dachau - Wohnst du noch oder lebst du schon? Eine Frage, die für viele Dachauer immer mehr an Brisanz gewinnt. Der Grund: Es gibt schlichtweg zu wenig bezahlbaren Wohnraum im Landkreis.

„Es ist sehr wohl so, dass in Dachau eine Wohnungsnot besteht. Ich gehe davon aus, dass einige hunderte Wohnungen fehlen“, erklärt Wolfgang Winter, der Vorsitzende des Mietervereins Dachau. Wohnungen in Dachau seien nicht nur schwer zu finden, sondern auch teuer. „Dachau ist Teil des Ballungsraums Münchens, die Leute folgen den Arbeitsplätzen. Angebot und Nachfrage bestimmen eben den Preis“, meint Winter. Viele Mieter hätten finanzielle Probleme wegen der hohen Mieten, erfährt Winter bei seiner Arbeit immer wieder.

Laut Mietspiegel vom Januar 2012 liegt der durchschnittliche Preis für einen Quadratmeter im Landkreis bei 8,35 Euro. „Im Januar 2014 wird es eine Neuerstellung des Mietspiegels geben; da rechnen wir damit, dass der Preis wieder gestiegen ist“, vermutet Josef Hermann von der Stadt. Um die Preisspirale zu stoppen, hat der Familien- und Sozialausschuss beschlossen, bei der Staatsregierung einen Antrag auf Senkung der Kappungsgrenze zu stellen. Das würde bedeuten, dass künftig ein Vermieter die Miete innerhalb von drei Jahren nur noch um 15 Prozent erhöhen darf, anstatt wie bisher um 20 Prozent.

Vor allem ältere Menschen, Familien und Alleinerziehende haben immer größere Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt. Das spiegelt sich auch in der Nachfrage für die Sozialwohnungen wider. „Wir bauen kontinuierlich neue Wohnungen“, erklärt Hendrik Röttgermann von der Stadtbau Dachau GmbH, die für einen Großteil der Dachauer Sozialwohnungen verantwortlich ist. Wer in eine Sozialwohnung ziehen will, muss kein Sozialhilfeempfänger sein, das Einkommen darf aber Höchstgrenzen nicht überschreiten.

Derzeit hat die Stadt 590 Sozialwohnungen. Alle sind belegt, 279 Personen stehen auf der Warteliste. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Nachfrage leicht erhöht, im Schnitt liegt sie bei250 Anträgen. Die Entscheidung, wer schließlich eine Sozialwohnung bekommt, basiert zum einen auf dem Dringlichkeitsprinzip, zum anderen wird die Länge der Wartezeit berücksichtigt. Für eine Single-Wohnung in der Stadt Dachau vergehen meist zwei bis drei Jahre bis zum Einzug, bei einer Wohnung für Familien können es auch einmal drei bis vier Jahre sein.

Auch die 213 Sozialwohnungen des Landkreises sind allesamt belegt, es gibt ebenfalls Wartelisten. „Die Zahl der vorgemerkten Wohnungssuchenden ist in den vergangenen fünf Jahren zwar ungefähr gleich geblieben. Trotzdem kann es in Einzelfällen auch einmal mehrere Jahre dauern, bis man eine Wohnung bekommt“, erläutert Markus Meckler vom Landratsamt. Besonders groß sei die Nachfrage in den größeren Gemeinden wie Karlsfeld.

Insgesamt ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Stadt und Landkreis Dachau momentan so prekär, dass sogar immer mehr Leute obdachlos oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Markus Meckler: „Zur Zeit sind 50 Erwachsene und 20 Kinder obdachlos. Die Tendenz ist steigend, auch wenn wir versuchen, im Voraus schon viel abzufangen.“ Besonders häufig sind Asylbewerber davon betroffen: „Anerkannte Asylbewerber müssen wegen der vollen Asylbewohnerheime sofort eine Unterkunft finden, der Druck ist groß“, erklärt Hermann.

(cla)

Rubriklistenbild: © dpa

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