Sein Beitrag zur Ortsumfahrung fehlt auch in diesem Jahr nicht: Willi Metz (Mitte) erkundigt sich nach dem Stand der Dinge. foto: hab

Alle Bürger rundum zufrieden? Nicht ganz

Dachau - Wenn der Schuh drückt, ist die Bude in der Regel voll. Dass bei der Bürgerversammlung in Pellheim viele Plätze unbesetzt blieben, darf die Stadtpolitik als gutes Zeichen werten. Also alle rundum zufrieden? Nicht ganz.

Nach der jährlichen Bestandsaufnahme im Gasthaus Liegsalz durch OB Peter Bürgel (CSU) fanden sich nur wenige Wortmeldungen und somit überschaubare Kritik. Bürgel zog in seinem Jahresbericht zunächst eine durchweg positive Bilanz.

Die Stadt Dachau ist im vergangenen Jahr um etwa 900 Einwohner auf rund 44 700 Einwohner gewachsen - ein „maßvoller, verständlicher Zuwachs“, findet der OB, gemessen an der attraktiven Lage im Münchner Norden. In 58 Sitzungen fasste der Dachauer Stadtrat über 430 Beschlüsse.

Etwa zur Kinderbetreuung, für deren Finanzierung jetzt 11,4 Millionen in die Hand genommen werden. Das bedeutet 300 zusätzliche Betreuungsplätze für die insgesamt 28 Kindertagesstätten in Dachau. Ein „vorbildliches Engagement“, lobt der OB. Doch vor allem für die neuen Krippenplätze ist Dachau, wie auch ganz Bayern, auf der Suche nach ausgebildeten Erziehern, die den vom Staat geförderten Andrang bewältigen können.

Ein besonderes Lob sprach der OB seinem Kulturamt aus: „Wir haben ein reichhaltiges Kulturangebot, um das uns viele Städte beneiden“, stellte Bürgel mit Stolz fest und spielt damit allen voran auf den erfolgreichen Dachauer Musiksommer an. „Das ist ein Stück Lebensqualität.“ Dass in diesem Bereich keine Abstriche gemacht werden müssen, liegt auch am bisher größten Haushalt, den Dachau je hatte. Mit 108 Millionen Euro Volumen „können wir zufrieden sein“, so Bürgel. Obwohl die europäische Schuldenkrise auch in Dachau als dunkle Wolke am Horizont schwebt, findet der OB: „Wir sind finanziell vergleichsweise gut aufgestellt.“

Mit den vorhandenen finanziellen Mitteln sollen im neuen Jahr mehrere Großprojekte angepackt werden. Neben dem Bau der Turnhalle Augustenfeld steht der Neubau des Hallenbads und die Altstadtparkgarage auf dem Plan.

Und auch für die Pellheimer Freiwillige Feuerwehr brachte Bürgel eine gute Nachricht: Bis Ende Oktober soll das neue Feuerwehrfahrzeug seinen Weg in den nordwestlichen Ortsteil gefunden haben und dort dann auch einen neuen Garagenanbau vorfinden. Eine Fotopräsentation mit Aufnahmen von Dachaus Höhepunkten des vergangenen Jahres, darunter die Konzerte des Dachauer Musiksommers, die Theateraufführung am MD-Gelände oder die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Ampertaler, bildete den Abschluss des Vortrags.

Nicht alle Ausführungen des OBs wurden von den Pellheimern und Bürgern aus den umliegenden Ortsteilen wohlwollend aufgenommen. Etwa die Ankündigung, dass die Busse im Dachauer Nahverkehr modernisiert werden. „Eine Klimaanlage im Bus hilft uns leider nichts, denn hier fahren ja keine“, kritisierte Walter Niedermeier aus dem Ortsteil Lohfeld. Der Vorwurf ist nicht neu, doch Bürgel stellte klar: „Eine eigene Buslinie hier raus ist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten momentan nicht sichtbar.“ Im Klartext: Es lohnt sich nicht. Als Alternative zum Stadtbus erinnerte Bürgel dabei an das Anrufsammeltaxi.

Auch der Wunsch nach mehr Radwegen, etwa in Richtung des Hebertshausener Bahnhofs, werde sich in naher Zukunft vermutlich nicht realisieren lassen. Anderen Sorgen, wie ungenügendem Winterdienst in Lohfeld und Geruchsbelästigungen aus der Kanalisation in Pullhausen will der OB nachgehen. In einer Wortmeldung wurde zudem das Aus des Dachauer Stadtstrands bedauert.

Eine Bürgerversammlung in Pellheim ohne einen Beitrag zur Ortsumfahrung? Nein, das gab es auch in diesem Jahr nicht. Willi Metz erkundigte sich beim OB nach dem neuesten Stand der vor sich hin schlummernden Umgehungsstraße und kündigte gleich mit an, dass er derartige Planungen auch weiterhin erbittert bekämpfen werde. Doch zu diesem seit Jahren diskutierten Thema kann auch OB Peter Bürgel keine neuen Informationen beitragen. Er beschwichtigte jedoch und sagte zu Willi Metz: „Wenn es was Neues gibt, erfahren Sie es als erstes.“ Der Schuh drückt eben immer ein bisschen, aber in diesem Jahr nicht allzu fest.

Dominik Göttler

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