Drei langgediente Gemeinderäte der Freien Wählergemeinschaft verabschieden sich

Wechsel in Altomünster

Drei langgediente Gemeinderäte der Freien Wählergemeinschaft verabschieden sich

In Altomünster sind in der kommenden Legislaturperiode drei langjährige Gemeinderäte der Freien Wählergemeinschaft nicht mehr dabei. Ein Abschiedsgespräch:

Altomünster – Er kann über Gebäudesituierungen und deren Wirkung auf die Umgebung referieren, über Trauf- und Firsthöhen oder Bauleitplanungen. Josef Obesers Fachwissen als Architekt war 24 Jahre lang gefragt im Marktgemeinderat, im Bauausschuss und im Gemeindeentwicklungsausschuss. Für eine weitere Periode ließ sich der Freie-Wähler-Gemeinderat nicht mehr aufstellen. Es sei jetzt genug, findet er.

1995 habe der damalige FW-Bürgermeister Konrad Wagner und der frühere Sprecher der Freien Wählergemeinschaft, Josef Seidenschwarz, bei ihm zuhause in Wollomoos angerufen und ihn gebeten, für den Gemeinderat zu kandidieren. Die Aufgabenstellung sei gewesen, einen Baufachmann in die Gruppierung zu bekommen. Das sei auch sein anfänglicher Ansporn und seine Zielsetzung gewesen, in der Gemeinde Altomünster vor allem in Baufragen mitwirken zu dürfen.

Der mittlerweile 60-Jährige fand es nie schwierig, Beruf, Familie und Ehrenamt zu vereinen. „Als Selbstständiger war ich es gewohnt, verschiedenste Termine, auch abends, unter einen Hut zu bekommen. Eventuell sieht’s meine Frau etwas anders“, meint Obeser. Es sei heute noch so, dass die meisten seiner Bauherren berufstätig sind und somit erst am Abend zu Besprechungen Zeit haben.

Die Gemeinderatsarbeit sei ihm immer wichtig gewesen. Es habe zwar einige Entscheidungen gegeben, wo er anderer Meinung gewesen sei, doch erinnere er sich an keine spezielle, „die mir beim Nachdenken heute noch aufstößt. Demokratie lebt von Mehrheitsentscheidungen, manchmal ist man eben nicht bei der Mehrheit“, sieht es Josef Obeser pragmatisch.

Über ganz viele Entscheidungen habe er sich aber gefreut. „In den letzten 24 Jahren durften wir Gemeinderäte die Gemeinde Altomünster mit vielen Projekten anschieben. Es ist einiges passiert. Wir sind eine lebens- und liebenswerte Vorzeigegemeinde. Das hat schon Spaß gemacht, das mitgestalten zu dürfen“, freut sich der Wollomooser.

Auch in baulicher Hinsicht habe sich viel getan, erinnert Obeser an den Rathaus- und Sparkassenumbau, oder an den Hechthof, wenngleich die Bürokratie und komplexere Aufgaben stetig mehr würden und Entscheidungen schwierigen machten.

Nach so langer Zeit habe er schließlich die Einsicht gewonnen, den Platz im Marktgemeinderat frei zu machen. „Jetzt kommen neue Kräfte zum Zug.“

Seine beiden mittlerweile erwachsenen Kinder sind längst aus dem Haus. Mit der gewonnenen Zeit „könnten Unternehmungen mit meiner Frau zunehmen“. Er habe sich zudem vorgenommen, mehr Sport zu machen. „Schau ma mal“, gibt er sich philosophisch.

Josef „Fips“ Wiedmann ist mit gefühlt allen Altomünsterern per du. 18 Jahre lang war er stets gut gelaunt für die Freien Wähler im Gemeinderat, im Haupt- und Finanzausschuss sowie im Rechnungsprüfungsausschuss. Im März ist der Vermessungsbeamte, der im Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung München tätig war, in Ruhestand gegangen und schließt nun auch die Gemeinderatsarbeit ab. Sein Anspruch war stets, seine Berufserfahrungen einzubringen. Gleiches galt für seine Arbeit in den verschiedenen Vereinen, wie etwa der Jagdgenossenschaft oder dem TSV. Sechs Jahre lang war der Fips auch zweiter Bürgermeister. Nachtbürgermeister nannte er sich, da er viele Termine abends wahrgenommen habe. „Damit habe ich nie ein Problem gehabt“, so Wiedmann. Das nahm ihm auch jeder sofort ab, wenn er bei den Zusammenkünften der Freien Wähler darüber fröhlich Bilanz zog.

Geärgert habe er sich eigentlich nie in seinem Ehrenamt. „Dafür bin ich zu sehr Demokrat. Man muss auch andere Entscheidungen zulassen“, meint der 64-Jährige. Allerdings sei eine gute Vorbereitung auf die Sitzung für ihn immer wichtig gewesen.

Für Josef Wiedmann gab es sogar Highlights: dass man den gesunden Menschenverstand bei der Sanierung der Schultreppe 4 habe walten lassen, „denn mit Geld, das mir nicht gehört, muss ich sorgfältig umgehen“, betont er. Zudem freut er sich, dass das Bürgerprojekt Altonet so gut eingeschlagen hat.

Die Gemeinderatsarbeit habe sich in so einer langen Zeitspanne natürlich verändert, nicht nur, was die Personen betrifft. Außerdem gebe es keine klassischen Wortführer mehr, findet Wiedmann. „Heute sagt jeder, was er denkt.“ Die Bürgerschaft habe sich ebenfalls gewandelt. „Ich hoffe nicht, dass es immer mehr Bedenkenträger gibt. Das Lachen darf nicht verloren gehen.“ Das münzt Wiedmann sowohl auf den Gemeinderat wie auf die Bürger. Für den Gemeinderat könne er aber sagen: „Es gab immer einen respektvollen Umgang miteinander.“ Deswegen habe er zu keinem Zeitpunkt einfach aufhören wollen.

Ihm wird auch nicht bange um den Zugewinn an Freizeit. Schließlich arbeite seine Frau noch. Da kümmert er sich vermehrt um den Haushalt. Auch seine Ehrenämter und sein Wald halten ihn auf Trab. Zudem sei er in den Kreistag gewählt worden, worauf er sich gut vorbereiten wolle. Ganz wichtig ist dem Altomünsterer sein früheres Arbeitsumfeld. Mit vielen Kollegen aus ganz Bayern sei er gut vernetzt und befreundet. Die wollen sich alle gegenseitig besuchen.

18 Jahre lang war auch Dr. Bernhard Stöhr im Gemeinderat sowie im Sozial- und im Kulturausschuss. Gerade diese Arbeit habe ihm viel Freude gemacht. Stöhr führt dabei unter anderem die Ausrichtung von Festen wie etwa das Eisenbahnfest oder seit neuestem das „Stromlos“-Fest an. Als der Tierarzt für die Freien Wähler in den Gemeinderat gewählt wurde, sei sein Ziel gewesen, immer gut zuzuhören und sich reinzuarbeiten in die Materie.

Diese Arbeit, die Familie und seine Vorstandsarbeit beim Reit- und Fahrverein sei gut miteinander vereinbar gewesen. Es sei jedoch ein- oder zweimal vorgekommen, dass er wegen eines Tiernotfalls eine Sitzung verlassen musste, erinnert sich der 67-Jährige.

Hinter den meisten Entscheidungen des Marktgemeinderats habe er stehen können, so der Altomünsterer. Er habe eigentlich nie einen triftigen Grund gesehen, dieses Ehrenamt hinzuschmeißen. „In den letzten Jahren schien es mir aber so, dass die Diskussionen langatmiger wurden, dass es nicht mehr so viel Kompromissbereitschaft wie früher gibt“, resümiert er.

Langweilig werde es ihm nach dem freiwilligen Ausstieg aus dem Gemeinderat bestimmt nicht, ist sich Dr. Bernhard Stöhr sicher. „Ich arbeite ja noch.“

Aus der FW-Fraktion der scheidet auch noch Johannes Öttl nach sechs Jahren freiwillig aus. 

 SABINE SCHÄFER

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