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Eine geplante Straße zwischen der 2047 und dem Gewerbepark spaltet die Bürger

Verwaltungsgericht hat entschieden

Altomünster gewinnt Holzweg-Streit

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Das Verwaltungsgericht hat entschieden: Altomünster darf eine Straße durch die Natur bauen, um ihr Gewerbegebiet anzubinden. Doch der Widerstand bleibt.

Altomünster – Wenn man einem Auswärtigen die Lieblichkeit des Dachauer Hinterlands verdeutlichen will, schickt man ihn zu Josef Mair. Vom Garten seines Hauses in Ruppertskirchen aus sieht man praktisch nichts als: Wälder, Wiesen, Felder und sanfte Hügel. Nur in ganz weiter Entfernung erkennt man die Staatsstraße 2047.

Wenn es nach dem Willen der Gemeinde Altomünster geht, ist es aber bald vorbei mit dem Idyll. Vor Mairs Garten wird dann eine Straße verlaufen, die auf rund 1,2 Kilometern Länge das Gewerbegebiet Altomünster mit der St 2047 verbindet.

Der Beschluss fiel bereits im Dezember 2009, 15 Monate später gründete sich eine Bürgerinitiative namens „Holzweg 21“, um das Projekt zu verhindern; bald sprang auch der Bund Naturschutz auf den Zug der Straßen-Gegner auf, ein juristisches Tauziehen begann. Vorläufiger Schlusspunkt: Das Münchner Verwaltungsgericht bestätigte, dass die Gemeinde – allen naturschutzrechtlichen und sonstigen Bedenken zum Trotz – die Straße als „überregionale Anbindung“ an die St 2047 bauen darf.

Florian Mair, Vorsitzender der 450 Mitglieder starken BI „Holzweg 21“, sieht darin nun „einen klaren formalen Schritt. Der Ball ist über der Linie“. Aber, um in der Fußballsprache zu bleiben: „Ein geschossenes Tor ist noch kein gewonnenes Spiel!“ Mit anderen Worten: Die BI und der Bund Naturschutz werden weiterkämpfen.

Dass sie durchaus Argumente haben, können vermutlich selbst die Befürworter der Straße nicht bestreiten. Das Projekt würde teuer, Mair spricht von Kosten in „sicher zweistelliger Millionenhöhe“. Die Zahl der Nutzer der Straße dürfte sich in Grenzen halten: Laut BN-Kreisvorsitzendem Dr. Roderich Zauscher wäre der einzige Nutznießer des Baus das Betonwerk Huber. Aber, so fragt er, „muss der Steuerzahler wirklich für eine Straße zahlen, die nur einem Gewerbebetrieb nutzt“?

BI-Chef Mair sieht es ähnlich: „Wieso nimmt man so viele Leute in Geiselhaft für ein Projekt, das gar nicht mehr in die Zeit passt? Wer macht so was? Das ist dermaßen sinnlos!“

Für Mair und Zauscher ist daher klar, dass sie das Projekt notfalls mit einem Bürgerbegehren bekämpfen werden. Der Bund Naturschutz überlegt zudem, das jüngste Urteil aus München anzufechten und – falls möglich – Revision vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof einzulegen. Zauscher zufolge geht es schließlich um nichts weniger als „einen wunderschönen Teil unserer tertiären Hügellandschaft, der unwiederbringlich zerstört wäre“.

Bei der Gemeinde Altomünster beschäftigt sich mit Michael Reiter mittlerweile der dritte Bürgermeister mit der Straße. Er hatte sie quasi geerbt von seinen Vorgängern Anton Kerle und Konrad Wagner. Reiter ist ein vehementer Verfechter des Straßenbauprojekts: „Wir brauchen es als Entlastung für unseren Ort!“ Vor allem die Ortsteile Deutenhofen, Stumpfenbach und Oberzeitlbach würden unter dem täglichen, von Dachau kommenden Verkehr leiden. Navigationsgeräte nämlich, so führt Reiter aus, würden den Autofahrern aus der Großen Kreisstadt als beste Verbindung nach Altomünster nicht die St 2047 vorschlagen, sondern „unsere ganz kleinen Straßen hintenrum“. Die Folge: „In Oberzeitlbach fahren täglich 800 Autos am Kindergarten vorbei!“ Die nun geplante Straße sei daher die von vielen Bürgern gewünschte „neue Verbindung Richtung Dachau“.

Dass sich die Gemeinde Altomünster in Zeiten von Corona und schwindenden Gewerbesteuereinnahmen dieses Projekt leisten kann, daran lässt der Bürgermeister keinen Zweifel: „Wir haben das Geld!“

Und auch den Naturschutz-Verfechtern kann er Argumente entgegenhalten: Die gewählte Trasse sei nun mal mit Abstand die kürzeste gewesen, mit dem „kleinsten Eingriff in die Natur“. Abgesehen davon sei „Umweltschutz ja auch, wenn ich statt sieben Kilometer nur einen fahre“. Zudem hätte sich die Gemeinde schon vor langer Zeit ökologische Ausgleichsflächen gesichert.

Felder, Hügel, ein Wäldchen: Hier soll die Straße einmal verlaufen. 

Wie es nun weitergeht? Für den Bürgermeister ist der Fall klar: Mit dem nun rechtskräftigen Bebauungsplan wird das Verfahren vorangetrieben, „die Grundtrasse steht“. Klar, gibt Reiter zu, so ganz abgeschlossen sind die Grundstücksfragen noch nicht, „der eine oder andere Quadratmeter mehr wäre schon schön“. Aber die Sache noch mal grundsätzlich im Gemeinderat diskutieren, das wird nicht passieren: „Wir haben ja den Beschluss.“

Josef Mair ist übrigens derjenige, von dem Bürgermeister Reiter „den einen oder anderen Quadratmeter“ gerne hätte. Doch diese Verhandlungen dürften schwierig werden. Für Mair ist die Straße nämlich „eine absolute Schnapsidee“.

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