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Rege diskutierten die Zuhörer vor und nach der Diskussion auch an den Tischen. 

DN-Podiumsdiskussion der Altomünsterer Bürgermeisterkandidaten

Gemeindeentwicklung im Fokus

Jede Menge Fragen von DN-Lesern und aus dem Publikum hatten die beiden Bürgermeisterkandidaten Anton Kerle (CSU) und Michael Reiter (Freie Wählergemeinschaft Altomünster) bei der DN-Podiumsdiskussion zu beantworten. Zwei Themen waren besonders brisant.

VON GISELA HUBER

Altomünster – Naturgemäß nicht immer vertraten die beiden Bürgermeisterkandidaten in der Podiumsdiskussion die gleiche Meinung, es gab auch den einen oder anderen Einwand oder eine Spitze vom Gegner.

Wohnraum

Die Frage von Moderatorin Sabine Schäfer, wie stark der Druck auf Altomünster ist, erschwinglichen Wohnraum im Speckgürtel Münchens zu schaffen und dabei die Gemeinde lebens- und liebenswert zu erhalten, wurde mit der Frage von Markus Zieglwallner nach Kriterien für Balance zwischen Bebauung und Infrastruktur ergänzt. Dazu gab es teils unterschiedliche Antworten. „Der Druck ist enorm“, meinte Anton Kerle. Es werde zwar viel gebaut, doch auch die Bedürfnisse von Wohnraum würden immer größer. „Das frei stehende Einfamilienhaus werde es in Zukunft nicht mehr geben“, signalisierte er und an die bestehenden werden jetzt schon an-, um oder draufgebaut. Berücksichtigen müsse man auch den gesellschaftlichen Wandel mit Singles oder mehr älteren Menschen. Eine zumutbare Verdichtung innerhalb des Ortes werde wohl stattfinden.

Das sah auch Michael Reiter so und plädierte dafür, dies auch in den Ortsteilen zu tun und vor allem alte Hofstellen bebaubar zu machen, wo es vernünftig ist. Freilich müssten dabei Parkplätze, die Zufahrten und die Nähe zu den Nachbarn berücksichtigt werden. Allerdings war auch er für Nachverdichtungen im Ort, „aber mit Fingerspitzengefühl, wie zum Beispiel an den Reitwiesen“.

Gemeindeentwicklung

Siegfried Bradl fragte nach einem Gemeindeentwicklungsplan für Altomünster und die Ortsteile, den er schon seit Jahrzehnten vermisse. „Es wird zu Einzelthemen geredet, aber nicht um ein ganzes Konzept“, so Bradl. Dazu erklärte Anton Kerle, dass der Gemeinderat erst kürzlich ein solches mit der Städtebauförderung und „mit Bürgerbeteiligung natürlich“ auf den Weg gebracht habe. „Ich hab schon viele Konzepte kommen und gehen sehen und viele landen in der Schublade“, bemerkte Michael Reiter. Ihm wäre es lieber, wenn diese Dinge dann auch zusammen mit den Bürgern umgesetzt würden.

Infrastruktur

Dieses Thema wurde gleich von mehreren Personen im Vorfeld oder direkt angesprochen. Elke Ozminski wollte wissen, welche Ideen die Kandidaten haben, die Infrastruktur mit Kindergarten, Wertstoffhof, Supermarkt und mehr an das schnelle Wachstum des Ortes anzupassen. „Wir bauen gerade eine neue Kindergartengruppe“, erklärte Michael Reiter. Denn alle Kindergärten in der Gemeinde seien voll. Auch die Schüler würden mehr, die Schülerbetreuung stets erweitert und selbst den Verkehr gelte es zu beachten. „Vielleicht werde man doch noch mal eine Umgehungsstraße brauchen.“

Auch Anton Kerle zeigte sich froh, dass man im Bereich des Kindergartens alle gesetzlichen Ansprüche erfüllen könne. In Sachen Wertstoffhof sei der Landkreis zuständig, wohl aber die Gemeinde, was die Parkplätze anbelange. Hier wurde und werde gerade die Anzahl am Bahnhof erweitert. Allerdings räumte er ein, dass man die Parkplätze im Ort vielleicht doch einmal mit einem Zeitlimit belegen müsse. Thomas Polster fragte nach weiteren Supermärkten, speziell einen Drogeriemarkt. „Der Plan liegt in der Schublade“, wusste Michael Reiter, denn der Gemeinderat habe abgelehnt. Anton Kerle erklärte dazu, dass ein Plan vorgelegen habe und ein weiterer Anbieter doppelt so groß hätte bauen wollen. „Nicht mit mir“, so der Bürgermeister, „denn dann verlieren wir die Geschäfte im Ort, die vor allem auch für ältere Menschen wichtig sind.

Daniela Weinberger wollte wissen, wie es denn mit einem Bürgersaal oder Pfarrsaal aussehen würde, zumal eine Nutzung des Klosters nicht in Sicht ist. Die Planung für einen Pfarrsaal sei schon vorhanden, so Kerle, er würde jedoch nicht den Pfarrgarten für einen Bau, sondern lieber den Bereich des Klosterstadels dafür wählen. Im März habe er wieder ein Gespräch mit der Diözese, dann werde man weitersehen.

Dass man da im Moment nicht weiterkommt, das sah auch Michael Reiter so. Er plädierte allerdings dafür, Geld für solche Dinge anzusparen, für Zeiten, in denen die Einnahmen nicht mehr so sprudeln wie jetzt.

Dreifachturnhalle

Wie es denn mit dem Bau einer längst erforderlichen Dreifach-Turnhalle aussieht, wollte Weinberger noch wissen. Auch hier habe man bereits einen fertigen Plan, doch keine Förderungsmöglichkeiten, wie Anton Kerle erklärte. Für die Schule selbst sei nämlich die bestehende Zweifach-Turnhalle ausreichend. Wenn, dann müsse man gemeinsam mit einem Verein bauen und auch einen Saal dabei in Betracht ziehen. Das konnte Michael Reiter unterstreichen. Auch er fand, dass man das gemeinsam anpacken müsste.

Naturbad

Das dritte Thema von Daniela Weinberger galt der Realisierung des Naturbades. Da er von Anfang an beim Verein Naturbad dabei ist, äußerte sich Michael Reiter als Erster dazu. Da die angesparten Mittel zu gering waren, könnte jetzt mit dem Angebot des Erholungsflächenvereins der Bau vielleicht doch verwirklicht werden. Aber auch eine gute Infrastruktur dazu sei wichtig.

„Der Michael hat mir gut zugehört und genau das gesagt, was ich schon x-mal erklärt habe“, konterte Anton Kerle, was Reiter vehement von sich wies. Kerle betonte ebenfalls, dass die Rahmenbedingungen für den Bau so gut wie noch nie seien und ein Bad eine Bereicherung für jeden Ort wäre. Der Betrieb sei in jedem Fall gesichert.

Demografie im Wandel

„Ob denn auch dem demografischen Wandel der Bevölkerung in Zukunft Rechnung getragen wird, um auch Ältere am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen“, war eine weitere Frage. Im Moment werde durch die Familienstrukturen noch vieles abgefangen, glaubt Anton Kerle, der bedauerte, dass der Probebetrieb von Ruftaxis nicht angenommen und damit wieder eingestellt wurde. Sein Ziel sei es kleine Bürgerbusse zu schaffen, wenn die Zeit dafür reif ist. Für Michael Reiter war nicht nur die Flächengemeinde wichtig, sondern auch die Barrierefreiheit und Mobilität in Altomünster mit seinen großen Höhenunterschieden.

Straßenausbauten, Naturschutz, Lichtverschmutzung und das Kloster waren weitere kleine Punkte.

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