Zusammenlegung von Wahllokalen abgelehnt

Wählen ist Demokratie und Geselligkeit

In den nächsten zehn Jahren gibt es einen regelrechten Wahlmarathon. Wählen zu dürfen ist aber nicht nur ein demokratisches Privileg, sondern manchmal sogar ein geselliges Ereignis.

Von Sabine Schäfer

Altomünster – Leidenschaftlich und teilweise regelrecht humorvoll diskutierte der Marktgemeinderat am Dienstagabend beinahe über jeden Tagesordnungspunkt der Sitzung. Die von der Verwaltung vorgeschlagene Zusammenlegung von Stimmbezirken wurde allerdings geradezu wie eine Herzensangelegenheit der Räte behandelt.

Mit einer Graphik und diversen Auswertungen zu Wahlergebnissen warb Kämmerer Michael Eggendinger darum, zuständig auch für die Organisation von Wahlen im Gemeindebereich Altomünster, die bislang 13 Stimmbezirke auf vier zu reduzieren. Grund sei, dass die „Präsenzwähler“ immer weniger werden und die Briefwählerzahlen progressiv steigen, wie sich Bürgermeister Anton Kerle ausdrückte und daher „dringenden Handlungsbedarf“ sah.

Michael Eggendinger machte dies an Zahlen fest. Von rund 6000 Wahlberechtigten und 4000 Wählern sei jeweils nur rund die Hälfte in den Wahllokalen. Zusätzlich zu den 13 Urnenwahllokalen müssten aber noch fünf Briefwahlbezirke ausgezählt werden. „Das ist fast nicht mehr zu schaffen“, meinte Eggendinger und sprach zudem davon, dass die Verwaltung mit der Zahl der Wahlhelfer am Rande der Kapazität sei.

Deswegen sollte es nach Eggendingers Plan nur noch die Stimmbezirke Altomünster-Süd geben (mit Stumpfenbach, Wahllokal: BRK-Seniorenwohnen), Altomünster-Nord (mit Pipinsried, Wahllokal: Kindergarten Kleine Strolche in Altomünster), Zeitlbachtal (Oberzeitlbach, Unterzeitlbach, Hohenzell, Kiemertshofen, Wahllokla: Kindergarten Oberzeitlbach) und Weilachtal (Randelsried, Wollomoos und Thalhausen, Wahllokal: Kindergarten Wollomoos).

Vehement aber verteidigte die Hohenzeller Gemeinderätin Martina Englmann (CSU) das Wahllokal in ihrem Ort. Zur Wahl zu gehen sei in Hohenzell ein „geselliges Ereignis“ mit Kaffee und Kuchen. Und man komme als Gemeinderätin mit den Leuten in Kontakt, so Martina Englmann, die zudem feststellte, dass es in Hohenzell auch kein Problem sei, Wahlhelfer zu finden. Sie betonte, dass man vor allem älteren Leuten, die keine Briefwahl machen, keinen Gefallen tue, Wahllokale aufzulösen.

Auch Michael Stich hielt es für eine „emotionale Sache“, ein Wahllokal zu schließen.

Josef Obeser (FW) glaubt, das Schließen eines Wahllokals sei gefühlsmäßig mit dem Schließen eines Wirtshauses oder einer Bankfiliale vergleichbar und stellte fest: „Wenn sich die Leute dann so abgeschnitten fühlen, dann ist der Schritt von 13 auf 4 zu groß.“ Markus Hagl fasste zusammen: „Unser Ziel muss es sein, die Wahlbeteiligung hoch zu halten. Durch die Schließung von Wahllokalen wird sie aber geringer.“

Selbst als Bürgermeister Anton Kerle auf ein „zukunftsfähiges Konzept“ drängte, wollte sein Gremium hier nicht mitgehen. Mit 17 zu 4 Stimmen wurde der Vorschlag der Verwaltung abgelehnt. Nun wird die Entscheidung an den Gemeindechef zurückgegeben.

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