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Topfit und quietschfidel sind die Kaninchen in Altomünster.

Besuch in der Kaninchen-Nothilfestation in Altomünster

Virus bedroht einheimische Kaninchen

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Der Landkreis Dachau ist ein Krisengebiet. Und zwar für Kaninchen: Das schreckliche Virus RHD treibt hier plötzlich sein Unwesen. Es verbreitet sich über weite Strecken rasend schnell – und endet fast immer tödlich. Der einzige Schutz: eine Impfung.

Landkreis– Es ist ein tödliches Virus, dieses RHD: Erst wird das Kaninchen apathisch, bekommt Fieber. Dann kommen Blutungen und Krampfanfälle dazu. Innerhalb weniger Stunden ist das Tier tot. „An einem Tag merkt man noch nicht einmal was, am nächsten Morgen liegt es tot im Stall“, berichtet Björn Moldenhauer, der zusammen mit seiner Freundin Nicole Bechmann die Kaninchen-Nothilfe Altomünster betreibt. Ein Albtraum für das Paar.

Die beiden haben zwölf eigene Tiere, drei sind derzeit bei ihnen in Pflege. Allesamt schöne Tiere, topfit, quietschfidel, mit glänzendem Fell und aufgewecktem Blick. Den Herrschaften geht’s gut, das sieht man. Denn: Sie werden artgerecht gehalten. Das ist bei einem Kaninchen ein ganz schöner Aufwand. Ein kleines Häuschen als Stall (gut verschließbar gegen Ausbruchsversuche und Raubtiere), ein paar Quadratmeter Auslauf samt Buddelmöglichkeit, zum Fressen Grünzeug, Salat, Gemüse und Kräuter, frisches Wasser, die passende Streu fürs Kaninchenklo und: die große Liebe. Da sind die Kaninchen nämlich sehr eigen. Sie wollen nicht mit jedem dahergelaufenen Typen ihr Leben verbringen. Nein, da muss schon die einzig wahre Seelenverwandtschaft her. Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick, manchmal nähern sich die Tiere langsam und vorsichtig an, „ganz wie beim Menschen“, sagt Moldenhauer. Wenn dagegen keine Sympathie vorhanden ist, fliegen schon mal kräftig die Fetzen, dann müssen die Tiere schnell getrennt werden. Alternativ zur großen Liebe gibt es auch WGs, etwa Geschwister, die sich gut verstehen. Bei Moldenhauer leben derzeit zwei WGs und drei Pärchen.

Ein Kaninchen ist kein Anfängertier, sagen Nicole Bechmann und Björn Moldenhauer. Das Paar betreibt die Nothilfestation in Altomünster. 

Dabei fing alles ganz harmlos an: Vor zwei Jahren zog das Paar in ein Haus in Altomünster. Nicole Bechmann wollte unbedingt ein Haustier, also holten sie das erste Kaninchen in den Garten, ein namenloses Wesen aus schlechter Haltung. Bald gesellte sich das zweite dazu (einsam ist ja nix für die Tiere) – und so sammelten sich die zwölf Kaninchen an. Die meisten gerettet, vier aus einer ungewollten Schwangerschaft. Mittlerweile sind alle kastriert. Mehr dazukommen sollen auch nicht – kein Platz mehr. Im Juli gibt es zwar noch Zuwachs, aber menschlichen: Das Paar bekommt das erste gemeinsame Baby. Das dritte Kind im Haus, Björn Moldenhauer hat zwei Töchter aus erster Ehe.

Mit dem tierischen Zuwachs ist das Paar zu echten Experten in Sachen Kaninchen geworden: Was ist das beste Futter, welches das beste Streu, das effektivste Desinfektionsmittel? Der 42-Jährige und die 36-Jährige sind auf diesem Gebiet sowieso Profis: Er ist Rettungssanitäter, sie Krankenschwester. Auch deshalb liegt ihnen die Sache mit dem Virus so am Herzen.

Sie haben nun schon mehrer Todesfälle in Dachau, Karlsfeld, Unterweikertshofen und dem Landkreis Fürstenfeldbruck mitbekommen. „Wir sind in einem Krisengebiet“, sagt Moldenhauer. Es gibt keinen Schutz vor Ansteckung, auch die Innenhaltung hilft nichts. „Das Virus überträgt sich über das Fressen, Kleidung, Spielzeug, Mücken – auch über den Wind“, erklärt Nicole Bechmann.

Der einzige Schutz gegen das schreckliche Virus ist die Impfung. Selbst die kann das Kaninchen zwar nicht immer vor der Erkrankung schützen, doch dann verläuft sie milder, das Kaninchen hat gute Chancen zu überleben. Mit der Kaninchen-Nothilfe hat das Paar schon einen Sammel-Impftermin organisiert. Denn die Impfungen werden deutlich billiger, je mehr Impfstoff auf einmal bestellt werden kann. 

In Zukunft will das Paar per Kaninchen-Nothilfe vor allem beratend tätig sein – in Sachen artgerechter Haltung. Es soll Infoabende und Beratungsscheine geben, mit dem Tierschutzverein und dem Veterinäramt sind sie bereits im Gespräch, sagt Moldenhauer. „Unsere wichtigste Botschaft: Ein Kaninchen ist kein Anfängertier.“

Infos und Tipps

zu der RHD-Impfung und zur Kaninchenhaltung im Allgemeinen gibt es bei der Kaninchen-Nothilfe Altomünster, etwa auf Facebook oder per E-Mail: kaninchen-nothilfe-altomuenster@hotmail.com

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