1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Altomünster

„Sie waren so unendlich glücklich“ ‒ Bewegende Trauerfeier für Franzi und Severin

Erstellt:

Von: Nikola Obermeier

Kommentare

Rund 600 Trauergäste nahmen Abschied von Franzi Fischer und Severin Obert.
Rund 600 Trauergäste nahmen Abschied von Franzi Fischer und Severin Obert. © Gisela Huber

Franzi F. (19) und Severin O. (20) sind bei einem tragischen Bergunfall ums Leben gekommen. Seitdem herrscht Fassungslosigkeit in ihrer Heimat.

Pipinsried – „Danke Franzi, dass ich deine Freundin sein durfte.“ Und: „Severin, wir haben so viel geilen Scheiß erlebt.“ Und immer wieder: „Wir können gar nicht fassen, was passiert ist.“ Diese Fassungslosigkeit wurde auch bei der wunderschön gestalteten Trauerfeier am Dienstagnachmittag auf dem Pfarrplatz in Pipinsried deutlich. Die Trauergäste weinten gemeinsam, hielten sich in den Armen, spendeten sich Trost. Und sie erinnerten sich gemeinsam an Franzi F. (19) aus Pipinsried und Severin O. (20) aus Glonn, die am 25. Juni bei einem Bergunfall ums Leben gekommen sind.

Junges Paar stirbt bei Bergunglück: 600 Trauergäste nehmen Abschied

Auf Tischen am Rande des Pfarrplatzes, im Schatten der großen Bäume, hatten die Familien und Freunde Bilder von Franzi und Severin aufgestellt: Bilder aus ihrer Kindheit, mit ihren Geschwistern und Eltern, von Familienfeiern. Bilder, auf denen die beiden sich küssen, miteinander lachen. „Sie waren unendlich glücklich, das sieht man auf den Fotos“, sagte der Theologe Dr. Christian Rupprecht, der die Trauerrede hielt.

Der Theologe versuchte, „etwas in Worte zu fassen, was man nicht sagen kann“. Und er wusste von den Fragen, „die uns jetzt plagen: Hätten wir das irgendwie verhindern können? Hätte Gott am Berg seine schützende Hand den beiden nicht reichen können?“ Auf diese Fragen gebe es keine Antwort, so der Redner. „Die Frage nach dem Warum müssen wir loslassen, um in Frieden weiterzuleben.“

Bewegende Trauerfeier für Franzi und Severin

Die Trauerrede wurde umrahmt von berührender Musik, der Musiklehrer von Franzi sowie eine Jugendliche sangen und spielten auf der Gitarre die Lieblingslieder von Franzi und Severin. Der Trauerredner beschrieb auf berührende Art und Weise die Verstorbenen. Franzi, ehrlich, gewissenhaft, fair und lebenslustig, die alleine mit ihrer Anwesenheit schon Fröhlichkeit in einen Raum zauberte und die jeder schätzte für ihre liebevolle Art. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Severin, der schon immer die Natur liebte und mit seinem Bruder die Glonner Rocker aus der Taufe hob. Vom ersten Ausbildungsgehalt kaufte er sich eine E-Gitarre – später hatte er ein neues Heiligtum: sein Auto.

„Franzi und Severin hätten nicht gewollt, dass man an ihrem Tod zerbricht.“

Theologe Dr. Christian Rupprecht

Seit dem Sommer 2019 waren die beiden ein Paar. Sie waren unzertrennlich, sagte Rupprecht, jedes Wochenende waren sie zusammen, unter der Woche führten sie stundenlange Telefonate, sie waren unendlich glücklich. „Ein harmonisches Paar, verankert in ihren Familien.“

600 Trauergäste nehmen Abschied von Franzi und Severin

Anfang 2021 entdeckten Franzi und Severin das Bergwandern, später auch Klettersteige. „Sie waren immer vorbereitet, gerüstet, haben alles penibel geplant.“ Der erste gemeinsame Urlaub führte an den Fuße des Großglockners. „Sie übten im heimischen Zimmer, sich von der Decke abzuseilen.“

Am Samstag, 25. Juni, machten sie sich früh am Morgen auf den Weg in das Karwendel. Das Ziel: die Tiefkarspitze. Um 15 Uhr bekamen die Eltern eine Whatsapp: „Wir sind schon auf dem Rückweg.“ Das GPS zeigte, dass die beiden abstiegen. Plötzlich fehlte das Signal. „Ein ganzes Felsstück muss sich gelöst haben und hat Franzi und Severin mitgerissen“, sagte Rupprecht.

Trauerfeier für junges Paar: Erinnerungen an zwei wundervolle Menschen

Der Trauerredner blickte in viele weinende Gesichter. „Franzi und Severin hätten nicht gewollt, dass man an ihrem Tod zerbricht.“ Und er forderte die Trauernden auf, sich zu erinnern an die vielen schönen Momente mit diesen zwei wunderbaren Menschen: „Denn man lebt zweimal. Das erste Mal in der Wirklichkeit und das zweite Mal in der Erinnerung.“

Sie waren immer gut vorbereitet

„Bei der letzten Übung war Severin noch dabei.“ Mit diesen Worten begann Peter Doll, Vorsitzender der Feuerwehr Markt Indersdorf, seine kleine Rede, in der er den Familien von Franzi und Severin zeigen wollte, dass sie mit der Trauer nicht alleine sind. Er ließ Severins Werdegang in der Feuerwehr Revue passieren, erzählte, dass Severin so oft wie möglich zu Einsätzen mit ausrückte. „Wir haben ein Bild von ihm in seinen Spint gestellt.“

Severin wird gemeinsam mit seiner Franzi im Familiengrab von Franzis Familie beigesetzt

Während die Musik weiterspielte, konnten die Trauergäste noch auf eine besondere Art Abschied nehmen: indem sie einen persönlichen Gruß oder ein kleines Bild auf die Särge in der Aussegnungshalle schrieben oder malten. Die Beisetzung wird im engsten Familienkreis stattfinden, auf dem Friedhof in Pipinsried. Severin wird gemeinsam mit seiner Franzi im Familiengrab von Franzis Familie beigesetzt. So bleiben sie zusammen.

Unser Dachau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare