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Mehrere Tanzpaare
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Die Burschenballkönigspaare von 2020: Kathrin Mayr und Andreas Gärtner (links), Luis Prummer und Andrea Felber (gegenüber).

Gesellschaftliches Großereignis

Wegen Corona entfällt der Burschenball in Altomünster

Am heutigen Samstag (9.1.) hätte das gesellschaftliche Großereignis in Altomünster stattgefunden: der traditionelle Burschenball. Wegen Corona muss er entfallen.

Altomünster – Es ist kein Wunder, dass die Altomünsterer ihren Ball so hoch halten und er all die Jahre überdauert hat. Der Burschenball war früher ein Privileg für die Altomünsterer allein. Noch nicht einmal ein Stumpfenbacher hatte Zutritt, wie der langjährige Hochzeitslader und Tanzmeister Anderl Oswald immer erzählt hat. Und der Ball war stets ein Treffpunkt für die ganze Prominenz, angefangen vom Pfarrer, über Bürgermeister, bis zu sonstigen Honoratioren der Gemeinde. Die Burschenballkönige – derer gab es schon immer zwei – mussten also aus dem Hauptort kommen, genauso die Königinnen.

Dabei war es früher gar nicht üblich, dass die einzelnen Königspaare schon miteinander verbandelt waren. Doch ist so manches Paar später vor den Traualtar getreten. Erst in den 1970er Jahren wurde erstmals eine Königin von auswärts zugelassen.

Die Ballkönige hatten außerdem einige Regeln einzuhalten. Dass der Ball bis heute ein strenger Schwarz-Weiß-Ball geblieben ist, zeugt von seiner Beliebtheit und dem offensichtlichen Wunsch, einmal ganz schick auszugehen. Deshalb oblag es dem Ballkönig auch, dass er seine Königin mit einem Blumenstrauß abholte. Übrigens hatten die anderen Burschen ebenfalls diese Verpflichtung, wenngleich der Strauß bescheidener ausfallen durfte. Die Königinnen und Mädchen hatten im Gegenzug eine Burschenballschleife gefertigt oder malen lassen, die sie an den Ärmel des Partners hefteten, wenn der Tanzmeister sie dazu aufforderte.

Doch bis es so weit war, mussten die Vorjahreskönigspaare erst einmal unter viel Applaus in den Kapplerbräusaal einziehen, danach wurden schon mit Spannung die neuen Königspaare erwartet. Elegant waren sie all die Jahre, die Damen mit den tollen Ballkleidern und die Herren in den dunklen Anzügen. Ein einziges Mal schlüpften die Könige Karl Buchberger und Jakob Pettinger sogar in einen „Gehsthintre“, also in den Frack, was besonders beklatscht wurde.

Waren die Burschenballkönigspaare nach viel „Gschau“ endlich bei der Bühne angekommen, wurden die Burschenballkönigsketten von den Vorjahreskönigen an ihre Nachfolger übergeben und diese so für eine Faschingssaison lang in Amt und Würden versetzt.

Erinnerung: Rosi Wackerl und Jakob Pettinger sowie Maria Kreitmair und Karl Buchberger. Beide Paare haben später übrigens geheiratet. 

Schließlich gehört es bis heute zudem zum guten Auftakt des Abends, dass die Königspaare jeden Tisch herzlich begrüßen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten brachten sie dazu immer Rosen mit, die sie an den Tischen verteilten.

Dann konnte der Ball endlich losgehen mit dem Aufruf des Tanzmeisters zur Aufstellung der festlichen Polonaise. Anderl Oswald, Robert Schäfer, Hermann Well, Markus Schury, Karl Buchberger, Kaspar Glas und seit einigen Jahren Sebastian Oswald hatten diese Aufgabe inne und sorgten im offiziellen Teil für einen reibungslosen Ablauf. Mit Spannung wurde dabei stets der Königswalzer erwartet, den die beiden Königspaare immer mit neuen Figuren einstudieren, die sich vor allem Hermann Well einfallen lässt und mit ihnen einübt. Der Ehrenwalzer für alle ehemaligen Burschenballkönige aber durfte genauso wenig fehlen wie die Francaise, dieser alte Gesellschaftstanz, der ebenfalls immer getanzt wurde. Aufgespielt wurde auf dem Akkordeon lange Jahre von Josef Schweighart und seit einiger Zeit von Gisela Bradl.

Nach dem „Frasä“ wird der Ball schließlich offiziell frei gegeben und dauert bis in den Morgen. Doch – und auch das ist Tradition – die Burschenballkönige laden ihre Gäste danach nach Hause zum Kaffeetrinken ein. Damit nicht genug der alten Spielregeln: Nach nur wenig Schlaf und meistens noch einen ziemlichen Rausch geht es am Sonntagmittag weiter zum Burschenballkönigsumzug. Mit Pauken und Trompeten oder nur letzterem, aber viel Krach, frisch gebundenen Strohschärpen und für Notfälle auch mit einem Heuwagerl, geht oder ging es dann von Wirtshaus zu Wirtshaus, wo die illustre Gesellschaft sich nochmal austobt, bevor die Schärpen verbrannt und damit alles Böse beseitigt wurde.

Übrigens gab es zum 125. Burschenball 1984 für die Königspaare Christian Fest und Karin Neumaier sowie Günter Biberger und Elfriede Pettinger um Mitternacht von den beiden damaligen Burschenvorständen Wolfgang Wiedemann und Eberhardt Goll eine schöne Überraschung. Sie schleppten eine große Jubiläumstorte herbei, deren Vielzahl von Kerzen die Königinnen ausblasen mussten.

Beim 150. Burschenball 2009 regierten Richard Ostermeir jun. und Karoline Lenz zusammen mit Manuel Stowasser und Nadine Remuss. Sie entzündeten um Mitternacht ein kleines Feuerwerk zum Jubiläum. Eine Besonderheit gab es im Jahr 1991: Damals wollte einfach niemand Burschenballkönig werden. Nach langen Überlegungen und dem Zutun von Hermann Well entschlossen sich die Burschen dann, die Königspaare der letzten zehn Jahre einziehen zu lassen, was auch hervorragend sogar mit 16 Paaren geklappt hat. Übrigens wurde in diesem Jahr dem Faschingstreiben aber im Februar ein jähes Ende bereitet, denn durch den Golfkrieg und der damit verbundenen Sorge vor Anschlägen wurde der Fasching offiziell für beendet erklärt. Heuer sind es also Andreas Gärtner mit Kathrin Mayr und Luis Prummer mit Andrea Felber, die vergeblich auf ihre Ablösung warten. Sie hoffen natürlich, dass es dann im nächsten Jahr endlich wieder heißen kann: „Auf gehts zum 162. Burschenball“.

Gisela Huber

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