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Mit dem Sportboot auf der Donau: Wolfgang Jais aus Pipinsried ist öfters hier unterwegs.

Christophorus-Medaille für Pipinsrieder

Wolfgang Jais rettete einen Ertrinkenden

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Er war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sagt Wolfgang Jais lapidar. Immerhin hat er so einen Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Der 42-jährige Pipinsrieder wird heute vom Ministerpräsidenten mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet.

Pipinsried/Regensburg– Ministerpräsident Markus Söder lädt heute zu einem Festakt im Antiquarium der Münchner Residenz ein: 99 Lebensretter werden mit der Bayerischen Rettungsmedaille oder mit der Christophorus-Medaille geehrt, unter ihnen Wolfgang Jais aus Pipinsried. Der Sportbootfahrer hat vor knapp zwei Jahren in der Donau zusammen mit einem Ehepaar einen Mann vor dem Ertrinken gerettet.

Der 42-Jährige hat an dem Sommertag am 24. Juli 2016 einen Ausflug mit seiner Frau Susanne (40) und den Kindern Heidi (10) und Maja (3) und mit der Familie eines Freundes unternommen: eine Bootstour auf der Donau, „mit ein bisschen Sightseeing in Regensburg“, und die Befreiungshalle bei Kelheim biete „einen erhabenen Anblick vom Wasser aus“. Wolfgang Jais, der zusammen mit seiner Frau eine Nutzfahrzeug-Werkstatt in Indersdorf betreibt, ist begeisterter Sportbootfahrer, er hat ein Sechs-Meter-Hartschalenboot. So machte sich die Familie Jais am Morgen auf nach Pentling, um das Boot dort ins Wasser zu lassen. „Von dort aus sind wir zusammen mit meinem Spezl Tobias Schneller und seiner Familie die Donau runter gefahren“, berichtet Wolfgang Jais. Auf dem Rückweg, am späten Nachmittag, passierte es dann kurz vor der Steinernen Brücke in Regensburg. „Mehrere Boote sind langsam hintereinander her getuckelt, am Ufer war eine seichte Sandbank, wo Leute gebadet haben.“ Plötzlich ein Aufruhr und Geschrei: In der starken Strömung trieb ein Mann im Wasser. „Die vor uns im Boot haben uns auf den Mann aufmerksam gemacht, der sich eigentlich schon mehr unter der Wasserlinie befand“, erzählt Wolfgang Jais. Die Frau aus dem Boot vor ihnen, Astrid Kainz aus Regensburg, wie sich später herausstellte, sprang kurzerhand ins Wasser. „Der ist schon untergegangen, aber Frau Kainz hat ihn am Krawattl gepackt.“ Wolfgang Jais steuerte sein Boot zu den beiden – „das war eine schwierige Sache wegen der Strömung“. Jais zögerte keine Sekunde und zog zusammen mit seinen Mitfahrern den Verunglückten auf sein Boot, danach Astrid Kainz – kurz vor einem Brückenpfeiler. Es ging alles ganz schnell: „Uns hat es zwischen die festliegenden Schiffe getrieben und an die Hafenmauer.“ Susanne Jais kümmerte sich derweil um den Verunglückten, „der mehr tot als lebendig war, aber noch bei Bewusstsein“, so Susanne Jais. Sie deckten ihn mit Handtüchern zu. Schließlich konnten sie an einem Steg anlegen. Dort warteten Wasserwacht und Notarzt, die den jungen Mann versorgten, ein Rettungshubschrauber kam angeflogen. „16 Jahre alt war er damals“, wie Wolfgang Jais im Nachhinein erfahren hat. Der junge Mann hat seiner Meinung nach einfach zu sehr gegen die Strömung angekämpft, „er hätte sich treiben lassen sollen, bis das Wasser ruhiger wird und er ans Ufer schwimmen kann“. So habe er seine Kräfte vergeudet.

„Der 16-Jährige hat halt Glück gehabt“, sagt Jais beiläufig. Er war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dass er geholfen hat, „ist selbstverständlich, das hätte jeder gemacht“. Er ist nach der Rettungsaktion sofort zurück zum Anhänger, „wir haben das Boot aus dem Wasser und sind heimgefahren“. Erst am Abend, berichtet er, sei ihm und seiner Frau bewusst geworden, dass der Mann ertrunken wäre, wären sie nicht da gewesen. „Da kriegst man dann schon das Zittern“, sagt Wolfgang Jais nachdenklich. 

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