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Abschied von den Klostermauern: Mit Claudia Schwarz verlässt die letzte Bewohnerin das Kloster Altomünster. Damit endet ein langer Rechtsstreit mit dem Ordinariat, das das Kloster nach der Auflösung übernommen hat.

Rechtsstreit damit beendet

Letzte Bewohnerin verlässt Kloster Altomünster - mit Seitenhieb auf Ordinariat

Die Zeit von Claudia Schwarz im Kloster Altomünster ist zu Ende. Nachdem sie den Rechtsstreit um ihren Verbleib in dem alten Gemäuer verloren hatte, packte sie am Mittwoch ihre Sachen und verließ das Kloster - aber nicht, ohne dem Ordinariat noch ein letztes Mal eins auszuwischen.

Altomünster - Ein großes Presseaufgebot sammelte sich am Mittwochmorgen am Kloster Altomünster. Zahlreiche Fotografen, Pressevertreter und Kamerateams wuselten um das von einem Sicherheitsdienst bewachte Klostergelände und warteten auf eine Frau: Claudia Schwarz, jene Postulantin und gelernte Juristin, die sich bis zuletzt durch beinahe sämtliche Instanzen geklagt hatte, um in dem Kloster bleiben zu dürfen. Doch zum angesetzten Termin der Pfortenöffnung und dem offiziellen Auszug aus dem Gebäude fehlte eine Person: Claudia Schwarz. Stattdessen besichtigte sie schon ihre neue Wohnung, die ihr von der Gemeinde Altomünster zur Verfügung gestellt wird. Ein letzter Seitenhieb in Richtung Ordinariat, mit dem der Termin vereinbart war.

Das oberste Gericht der Apostolischen Signatur hatte die Entscheidung zur Auflösung des Ordens vor gut zwei Wochen endgültig bestätigt. In dem Vergleich hatten sich die Erzdiözese und Schwarz auf deren Auszug geeinigt, sobald Rom eine endgültige Entscheidung trifft. Ihr Versprechen, aus dem Gebäude auszuziehen, will Claudia Schwarz einhalten. „Ich halte mein Wort. Alles andere würde auch Gottes Fügung widersprechen“, erklärt Schwarz. Nachdem sie sich einen ersten Eindruck von ihrer neuen Wohnung und der Wohnsituation machen konnte, packte sie im Laufe des Tages ihre Habseligkeiten zusammen und schaffte sie in ihr neues Domizil. Zuallererst musste sie aber die Vertreter des Ordinariats besänftigen, erklärt sie lachend. Denn die waren wegen Schwarz’ terminlichen Alleingangs alles andere als erfreut. Bei ihrem letzten Gang aus den Kloster kamen die Fotografen also doch noch zum Zug - wenn auch etwas verspätet.

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„Gott soll aufzeigen, wie es weitergeht“

Wie ihre Zukunft aussieht, konnte die 39-jährige noch nicht genau sagen. Sie vertraue darauf, dass „Gott aufzeigen wird, wie es weitergeht“. Die Hoffnung auf ein göttliches Wunder will sie immer noch nicht aufgeben. Sie träumt von einer Rückkehr in das alte Gemäuer. „Das Kloster wurde schon einmal geschlossen und wieder eröffnet. Warum nicht wieder?“, fragt Schwarz. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern bete sie jeden Tag für den Verbleib, beziehungsweise die Rückkehr in ihr geliebtes Kloster.

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Den klösterlichen, von Gebeten bestimmten Tagesrhythmus behielt sie auch an ihrem letzten Tag bei: „Meine Gebete lasse ich mir auch an diesem Tag nicht nehmen.“ Mit Vollendung der Vesper beende sie ihre Zeit im Kloster, erklärt sie. Schwarz will aber nicht mit Wehmut zurückblicken. Stattdessen freut sie sich auf den neuen Lebensabschnitt in der neuen Wohnung: „Ich habe dort zwei wahnsinnig nette Mitbewohnerinnen, die mir bei der Umstellung helfen“, sagt Schwarz. Zum Einstand möchte sie die beiden gerne zum Essen einladen, denn unter ihren Abschiedsgeschenken sei auch eine Menge Fleisch.

Für das Ordinariat München und die Gemeinde Altomünster bedeutet Schwarz’ Auszug, dass nun endlich die Planungen für die künftige Nutzung des Klosters beginnen können. Die Gemeinde würde auf einem Grundstück des Klosters gerne Wohnungen errichten. Das Ordinariat hatte immer wieder betont, das Kloster weiterhin als geistlichen Ort erhalten zu wollen. Im Ordinariat gab es bereits Ideen, Teile des Klosters zu einem Exerzitienhaus zu machen. Dazu muss das alte Gebäude aber erst umfangreich saniert werden, um neuesten Brandschutzstandards und Bauvorgaben zu entsprechen. Die Kosten schätzte das Ordinariat auf einen größeren zweistelligen Millionenbetrag.

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Thomas Benedikt

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