Ein voller Erfolg ist stets das Bühnenstück, das die Pipinsrieder Musikanten beim Starkbierfest aufführen.
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Ein voller Erfolg ist stets das Bühnenstück, das die Pipinsrieder Musikanten beim Starkbierfest aufführen.

Pipinsrieder Musikanten müssen wieder ihr Starkbierfest absagen

„Das Zwischenmenschliche fehlt einfach“

Sie sind bekannt für Blasmusik vom Feinsten und gute Laune. Doch der Lockdown macht den Pipinsrieder Musikanten schwer zu schaffen. Auch heuer muss das beliebte Starkbierfest abgesagt werden. Und das sind nicht die einzigen Probleme.

Pipinsried – Im März hätten die Pipinsrieder Musikanten wieder zum Starkbierfest in den Kapplersaal geladen. Die Corona-Pandemie aber macht das unmöglich. Zum zweiten Mal in Folge. Diesmal allerdings ist man vorbereitet, indem man eben nichts vorbereitet hat, wie die beiden Vorsitzenden Markus Knoll und Klaus Steinhardt sowie Dirigent Simon Schlatterer in einem Online-Interview erklären.

Vergangenes Jahr war nahezu schon alles perfekt für das Starkbierfest am 14. März: Das Theater war aufführungsreif, Bier und Brotzeiten waren bestellt. Dann tauchten die ersten Coronafälle in der Marktgemeinde auf, und die Lage im Landkreis wurde immer „brenzliger“. Vier Tage vor dem Fest zogen die Musikanten die Reißleine. „Natürlich waren wir alle traurig“, betonen Knoll, Steinhardt und Schlatterer unisono. Die drei zeichnen stets als einfallsreiche Autoren verantwortlich. „Die Arbeit von drei Monaten war leider umsonst“, bedauert Vorsitzender Markus Knoll.   

Das Theaterstück wäre ein Duell der beiden Bürgermeisterkandidaten Michael Reiter und Anton Kerle mit ungewissem Ausgang gewesen. „Aber der Ausgang war ja kurz danach bekannt. Das Stück ist damit erledigt“, so Knoll. „Seit 32 Jahren spiele ich bei den Pipinsrieder Musikanten“, sagt zweiter Vorsitzender Klaus Steinhardt. „Eine Absage des Starkbierfestes hat es noch nie gegeben.“

Aber natürlich sei dies wegen der Pandemie nur folgerichtig. Den neuen Bürgermeister hat man inzwischen näher kennengelernt. Doch ansonsten hat sich wenig ereignet. Von März bis Mai 2020 war der Probenbetrieb komplett eingestellt. Danach wurde ein neues Probenkonzept entwickelt: Musizieren in kleinen Gruppen im wöchentlichen Wechsel unter Einhaltung der Corona-Regeln. Zudem hat die Musiktruppe versucht, alle Möglichkeiten trotz des Lockdowns auszunutzen: mit der Teilnahme an Balkonkonzerten als Duo oder der musikalischen Gestaltung der Christmette als Trio.

Aber ansonsten: Keine weiteren Feste, keine runden Geburtstage, die man hätte feiern können, keine Vorstandswahlen, kein Auftritt auf der Oidn Wiesn, erstmals keine Weihnachtsfeier und, was die etwa 40-köpfige Truppe ebenfalls sehr schmerzt: Keine Teilnahme am Rosenmontagszug in Düsseldorf, wo man seit mehreren Jahren mitläuft. Und selbst für heuer gibt es keine konkreten Anfragen, weil keiner vorhersehen kann, was an Veranstaltungen überhaupt möglich ist. Ab November mussten überdies die Probenarbeiten erneut eingestellt werden.

Vor allem für die Jugendgruppe, die Florian Bradl und Miriam Schmid leiten, ist das katastrophal, weiß Klaus Steinhardt. „Die Jugendlichen, die im vergangenen Jahr gerade erst mit dem Unterricht begonnen haben, werden wieder bei Null starten müssen.“ Und auch für die „alten Hasen“ wird es schwierig werden. Dirigent Simon Schlatterer nutzte die Zeit zwar zur Weiterbildung und zu einem Dirigierkurs an der deutschen Dirigenten-Akademie, doch die neue Methodik der Probenarbeit konnte bisher nur ansatzweise umgesetzt werden. „Wir müssen schauen, wie wir wieder reinkommen“, meint Schlatterer.

Online-Proben in der großen Formation seien schon allein wegen des Zeitversatzes nicht möglich. „Es ist für uns die größte Herausforderung, musikalisch auf der Höhe zu bleiben“, fasst Markus Knoll das Dilemma zusammen.

Inzwischen haben aber trotz aller Widrigkeiten zwei Musiker – Benno Schmid und Antonia Schmid – online die praktische Prüfung zum Musiker-Leistungsabzeichen abgelegt haben. Die Theorie samt Prüfung ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Neben dem großen finanziellen Schaden, der durch die ausgefallenen Starkbierfeste – die Haupteinnahmequelle des Vereins – entstanden ist, sind viele auf der Stimmungsskala „ziemlich weit unten“, glaubt Simon Schlatterer. „Die Geselligkeit und das Zwischenmenschliche fehlen halt einfach“, meint Markus Knoll. Die beiden Vorsitzenden und der Dirigent halten immerhin engen Kontakt als WhatsApp-Gruppe, zu den Mitgliedern der Musikgruppe gibt es ebenfalls Kontakt in einer anderen Gruppe. Die weitere Perspektive ist unklar. „Wir wissen ja nicht, wann was wieder erlaubt ist“, so Markus Knoll und Klaus Steinhardt. Zuschussanträge sind gestellt, „laufende Kosten etwa für neue Noten werden erstmal gedrückt“, sagt Steinhardt. Auch die Probenarbeit brauche sicher wieder eine längere Anlaufphase.

Den Termin für das Bockbierfest im nächsten Jahr haben Knoll, Steinhardt und Schlatterer zumindest im Visier: 19. März 2022 (Josefstag). Und sie ziehen ein einhelliges Fazit: „Wir freuen uns wieder aufs gemeinsame Musizieren und auf Auftritte und hoffen, dass wir diese Freude wieder mit unserem Publikum teilen dürfen.“

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