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Tatort Kiemertshofen: An der Kreuzung An der Hutbreite wollen Christian Heitmeier (links) und Stefan Failer mit Bulldoggespann und BMW die Einbrecher stoppen. 

Zwei Landwirte beweisen Zivilcourage

Bulldog sollte Einbrecher stoppen

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Die Einbrecherjagd am Donnerstag war erfolgreich – das ist vor allem zwei Männern zu verdanken: Stefan Failer und Christian Heitmeier. Sie stellten sich mit Auto und Bulldoggespann den flüchtenden Tätern in den Weg, konnten sie nicht aufhalten, aber sich das Kennzeichen notieren. So erkannte ein Kripo-Beamter das Fahrzeug, nahm die Verfolgung auf – und schlug zu.

Kiemertshofen– Knapp 45 Minuten nach dem Einbruch am Donnerstagvormittag in Kiemertshofen (Gemeinde Altomünster) sind die beiden Täter auf dem Mittleren Ring in München festgenommen worden (wir berichteten). Die Tatsache, dass die Einbrecher bei ihrer Tat von dem 22-jährigen Sohn des Hausbesitzers überrascht wurden, und die professionelle Reaktion eines Kommissarsanwärters führten letztlich zur Festnahme, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitteilte. Aber auch die Geistesgegenwart von zwei Zeugen: Stefan Failer aus Sielenbach und Christian Heitmeier aus Lichtenberg stellten sich den flüchtenden Einbrechern in den Weg und notierten sich Kennzeichen und Autotyp.

Stefan Failer stand am Donnerstag um 10.30 Uhr in seinem Stall in Sielenbach, als ihn ein Freund aus Kiemertshofen anrief. „Er hat mir gesagt, dass bei ihm gerade eingebrochen wird und dass ich kommen soll“, sagt der 22-jährige Landwirt. Failer zögerte nicht, sprang in sein Auto und fuhr die fünf Kilometer nach Kiemertshofen. Dort angekommen sah Failer schon seinen Freund an der Tür stehen und schreien. „Er hat mir zugerufen, dass der Einbrecher flüchtet.“ Im gleichen Moment lief der Täter durch die Hecke des Grundstücks auf die Straße, über den Kreisverkehr am südlichen Ende von Kiemertshofen in Richtung Übelmanna, ein paar hundert Meter. Failer im Auto hinterher. „Ich hab’ gesehen, dass an der nächsten Straße, An der Hutbreite, das Fluchtauto gewartet hat“, am Ortsrand. Der Einbrecher stieg auf der Beifahrerseite ein – Failer kam von vorne und schnitt den Tätern den Weg ab. Front an Front standen die beiden. „Die wollten davon fahren, haben rangiert und probiert, vorbei zu kommen.“ Failer rangierte mit – sie haben sich dabei direkt angeschaut. Dann sah Failer einen Bauern im Traktor kommen.

Der war aus Richtung Übelmanna unterwegs, in seinem Bulldog mit Anhänger. „Ich hab gesehen, dass der BMW quer in der Kreuzung steht, und beide Autos sind vor und zurückgefahren.“ Zuerst dachte der Spargelbauer aus dem benachbarten Lichtenberg, dass es sich um eine Gaudi unter Freunden handelt. „Aber dann ist es mir komisch vorgekommen.“ Failer deutete ihm, die Straße zu versperren. Der 43-Jährige blieb mit seinem Bulldog stehen, „aber ich hab’ die Kreuzung nicht ganz blockiert“. Failer lief zu ihm, rief ihm zu, dass die Einbrecher aufgehalten werden müssen. „Aber dann sind sie übers Bankett hinter dem Bulldoganhänger entkommen“, erzählt Failer. Heitmeier schrieb sich sofort die Autonummer auf.

Stefan Failer fuhr dann sofort zu seinem Freund, der dringend Hilfe benötigte. Der 22-jährige Sohn des Hausbesitzers hatte erhebliche Augenverletzungen erlitten, als er von dem Einbrecher mit Pfefferspray besprüht wurde. Das BRK spülte später die Augen des 22-Jährigen.

Wie berichtet, hatte der 22-Jährige ein Klingeln und dann Einbruchsgeräusche gehört. Der Täter drang über die Terrassentür gewaltsam ein und durchsuchte die Schränke im Wohnzimmer nach Beute. Der 22-Jährige alarmierte vom Bad aus die Polizei und seinen Freund im benachbarten Sielenbach.

Die Funkfahndung nach dem Fluchtauto hörte auch ein Beamter der PI Dachau, der derzeit im Zuge seiner Kommissarsausbildung bei der Kripo Fürstenfeldbruck arbeitet. Er war mit Asservaten unterwegs nach München. Auf der A 96 bei Blumenau wurde er mit seinem Zivilfahrzeug vom flüchtigen Renault Laguna überholt. Er nahm die Verfolgung auf und verständigte die Einsatzzentrale. Auf der Tegernseer Landstraße in München gelang die Festnahme. Bei günstiger Gelegenheit hatte sich der Kripo-Beamte vor den Renault gesetzt, das Tempo gedrosselt und so den beiden nachfolgenden Streifenwagen die Gelegenheit eröffnet, den Zugriff zu starten.

Die beiden Tatverdächtigen, ein 23-jähriger Kroate ohne festen Wohnsitz und ein 32-jähriger Kroate mit Wohnsitz im Südosten von München, sitzen nun in Untersuchungshaft, so die Polizei. Die Kripo Fürstenfeldbruck hat den Fall übernommen. Es bestehe der Verdacht, dass die beiden Täter auch einen Einbruch am Mittwoch in Erdweg verübt haben. „Ob sie für weitere Einbrüche verantwortlich sind, wird man sehen“, so die Polizei.

Stefan Failer und Christian Heitmeier jedenfalls waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Wäre ich eine Minute später gekommen, wären sie weg gewesen“, sagt Failer. Beim nächsten Mal würde er wieder genauso handeln. „Das muss man ja machen – nicht, dass die noch woanders einbrechen.“ Angst habe der 22-Jährige nicht gehabt. „Ich habe gesehen, dass die einfach nur weg wollten.“

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