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Sie will bleiben: Claudia Schwarz (M.) mit ihren Anwälten Katharina Rapolder und Ansgar Lederer.

Erzdiözese will Kloster Altomünster räumen

Die Postulantin bleibt hart

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Schwester Apollonia hat schon vor einiger Zeit das Kloster Altomünster verlassen – doch eine Postulantin ist geblieben, die 39-jährige Claudia Schwarz. Bis heute. Was der Erzdiözese gar nicht gefällt. Gestern trafen sich alle vor Gericht.

AltomünsterAls Schwester Apollonia der Rechtsanwältin Claudia Schwarz im Frühling 2014 die Tür öffnete, sie anstrahlte und durch das alte Gemäuer führte, da wusste Schwarz: Hier im Birgittinnenkloster in Altomünster will sie bleiben, hier will sie Ordensschwester werden. Und tatsächlich: Sie kündigte ihre Arbeit und zog am 1. Oktober 2015 als Postulantin, der Vorstufe zur Novizin, ins Kloster.

Doch inzwischen soll sie längst wieder raus. Denn im Dezember 2015 wurde bekannt, dass das Kloster aufgelöst wird, im Januar 2017 war es soweit. Nun ist die Postulantin die einzige, die noch dort wohnt – abgesehen von einem Mann im Gästehaus. Claudia Schwarz weigert sich, auszuziehen. Deshalb hat die Erzdiözese München und Freising, Rechtsnachfolger des Birgittinnenordens, Räumungsklage gegen die 39-Jährige erhoben. Sie soll Zelle Nummer 7 verlassen.

Gestern Nachmittag wurde vor dem Landgericht München II verhandelt. „Wir möchten, dass Sie anerkennt und unterschreibt, dass Sie das Kloster räumt“, sagte Martin Pusch, Rechtsanwalt der Erzdiözese. Sie habe noch eine Frist bis zur Entscheidung der apostolischen Signatur, des Kirchengerichts in Rom. So lange könne sie bleiben. Danach habe sie noch eine Woche, um auszuziehen.

Diese Worte erstaunten Schwarz. „Das war von Anfang an so klar. Wenn Rom entscheidet, dann ist das so. Da hätten wir uns hier nicht treffen müssen.“

Claudia Schwarz erklärte, dass sie noch im März im Namen von Schwester Apollonia Klage gegen die Klosterauflösung bei der apostolischen Signatur eingereicht habe. Es habe keinerlei Anhörung zur Auflösung gegeben. Auch Gründe für die Entscheidung seien nicht mitgeteilt worden. „Das war dermaßen rechtsstaatswidrig“, sagt die Juristin. Deshalb könne es ihrer Ansicht nach gut sein, dass die Signatur den Beschluss aufhebt. Falls es so kommt, will sie bis an ihr Lebensende bleiben. Wenn nicht, dann ist die Sache für sie klar. „Wenn Rom endgültig entscheidet, dann geh ich natürlich. Was soll das noch? Ich bin doch nicht plemplem.“

Der Rechtsanwalt der Erzdiözese hatte allerdings Zweifel an den Aussagen Schwarz’. Er wisse gar nicht, ob es ein solches Verfahren gibt. „Ich vermute, dass die apostolische Signatur nicht vertieft in die Sachprüfung einsteigen wird.“

Anschließend wurde lange über einen Vergleich gerungen. Prinzipiell waren sich beide Parteien mündlich einig, dass die Postulantin bis zu endgültigen Entscheidung des Kirchengerichts bleiben könne. Doch in Detailfragen und rechtlicher Formulierung gab es immer wieder Differenzen. Am Ende sah er so aus: Schwarz muss nachforschen, ob in Rom nun tatsächlich ein Berufungsverfahren gegen das Auflösungsdekret läuft. Wenn ja, darf sie so lange bleiben, bis der Vatikan endgültig über die Auflösung des Klosters entschieden hat.

Schwarz sieht ihre Zukunft auf alle Fälle als Ordensschwester und ist fest davon überzeugt, dass Gott ihr helfen werde. Er sende Zeichen, „gerade das, was nötig ist.“ So auch gestern früh bei der Lesung. Da kam ausgerechnet ein Psalm an die Reihe, der vom Wohnen sprach.

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